Gemetzel ohne Ende

Als Trauma, als Moment der Kraft oder als simple Wegmarke im Strom der Zeit: Historische Schlachten wirken fort. Zwölf Gefechte der Geschichte, die uns nie mehr losgelassen haben.

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Marathon 490 v. Chr.Die Schlacht fand statt, der Marathonlauf nicht

Für die einen war es ein Strandscharmützel, eine kleinere persische Strafaktion, für die anderen einer der entscheidenden Siege der Weltgeschichte: europäischer Individualismus und Demokratie siegten über asiatische Despotie. Ohne diesen Sieg wäre Athen eine persische Kolonie geworden, Griechenland ein Anhängsel Asiens, so die kontrafaktische Geschichtsdeutung. Wahrscheinlich stimmt das nicht. Wie so vieles, was über die Schlacht selbst erzählt wird, denn Genaues weiss man nicht. Sicher ist, dass die persische Flotte im Spätsommer 490 in der Bucht von Marathon landete, wo sie ein Heer der Athener und Platäer erwartete. Der Legende nach stürmten die schwerbewaffneten Hopliten (griechische Fusssoldaten mit Schild, Lanze und Schwert) im Laufschritt auf die Perser zu, überrannten deren Flügel und drückten das Zentrum zusammen. 6400 Mann sollen bei den Persern, nur 192 bei den Griechen gefallen sein. Fragen bleiben: Wo blieb die gefürchtete persische Kavallerie? War sie noch (oder wieder) auf den Schiffen? Und ist ein Lauf in voller Rüstung über 1,5 Kilometer überhaupt möglich? Historiker zweifeln. Sicher ist eines: Den Marathonlauf, nach dem ein gewisser Pheidippides den Sieg in Athen verkündete, gab es nicht. Er ist eine spätere Erfindung. (ebl)

Bibracte 58 v. Chr.Als die Schweizer frech geworden waren

58 vor Christus sind die Helvetier frech geworden: Sie wollten mit Sack und Pack aus dem Mittelland auswandern und Gallien erobern. Doch Julius Cäsar stoppte die Auswanderer in der Nähe von Bibracte und schlug sie in einer grossen Schlacht vernichtend. Am Ende schickte er die verbliebenen Helvetier wie unartige Schulbuben ins Mittelland zurück, wo sie brav ihre verbrannten Dörfer wieder aufbauten. So lernten wir es damals in der Schule – doch die Geschichte ist mit grosser Wahrscheinlichkeit falsch. Eine Schlacht hat es zwar ­gegeben, das zeigen Ausgrabungen. Doch dass der ganze Stamm der Helvetier auswandern wollte, ist eine Erfindung Cäsars. Forscher nehmen an, dass der römische Imperator in seiner Propagandaschrift «De Bello Gallico» masslos übertrieben hat: Um seinen Sieg glorreicher darzustellen, machte er die Helvetier grösser und gefährlicher, als sie eigentlich waren. In der Renaissance haben die alten Eidgenossen – auf der Suche nach Helden und Gründerpersönlichkeiten – Cäsars Texte wieder ausgegraben. Offenbar identifizierten sie sich mit der Darstellung der mutigen und stolzen Helvetier. Und so kommt es, dass ausgerechnet ein Volk, das die Schweiz verlassen wollte, zum sinnstiftenden Element für das Land wurde. (mid)

Karbala 680Das Schisma des Islam wird zementiert

An ihren Passionsspielen spielen die Schiiten die Geschichte vom guten Husain und vom bösen ­Yazid jährlich nach. Der Yazid kann in Todesgefahr geraten, wenn die Menge ausrastet. Husain und Yazid sind die Kontrahenten in Karbala 680.

Wer darf die Gemeinschaft der Muslime leiten? In der Frage bekämpfen sich zwei Fraktionen, seit Islam-Stifter Mohammed ein halbes Jahrhundert zuvor gestorben ist. Nur die Nachkommen von ­Mohammeds Cousin und Schwiegersohn Ali seien befähigt, sagen die Schiiten. Die Sunniten lehnen diese Lehre ab; der qualifizierteste Muslim solle die Muslime führen, sagen sie.

Ali wird 661 ermordet. Sein Sohn Hasan stirbt 670. Nun verkörpert der jüngere Sohn Husain die schiitische Hoffnung. 680 sitzt er bei Karbala im Irak in der Falle: Belagerung durch den übermächtigen sunnitischen Feind unter dem Kommando Yazids. Schliesslich der Angriff. Die Eingekesselten sterben alle. Yazid bleibt Kalif, Führer der Muslime. Nach Karbala ist klar, dass die beiden Konfessionen des Islams nicht mehr zusammenkommen. In Karbala wurzelt die Märtyrerfaszination des schiitischen Islams. Der Schah wurde 1979 mit «Yazid»-Rufen aus dem Land verjagt. Karbala wirkt bis heute. (tow)

Hastings 1066Die Normannen kommen – und bringen eine neue Zeit

Die Schlacht von Hastings wurde vor fast 1000 Jahren geschlagen, doch noch immer treibt es am 14. Oktober Hunderte von Briten aufs historische Schlachtfeld an der Küste von Sussex, um das Ganze nachzuspielen und Teil der eigenen Geschichte zu sein.

Ein Streit um die Thronfolge hatte den Kampf 1066 ausgelöst. Erst musste sich Harold Godwinson, Englands König, im Norden gegen Angriffe seines Bruders Tostig und des Norwegerkönigs ­Harald Hardrada verteidigen. Dann legte die Flotte des Normannen-Herzogs William im Süden an.

Harold zog ihm entgegen. Die Armee des angelsächsischen Statthalters bestand fast nur aus Fussvolk mit Streitäxten. Die Normannen rückten mit Pferden und Bogenschützen an. 10'000 von ihnen, darunter starke Kontingente aus der Bretagne und aus Flandern, standen Harolds 7000 Infanteristen gegenüber. Williams Seite siegte, Harold soll mit einem Pfeil ins Auge getötet worden sein.

Für die Britischen Inseln markierten Hastings, der Marsch der Normannen nach London und Williams Krönung am Weihnachtstag 1066 eine neue Ära: Der «Norman Conquest» bescherte England einen Wandel der Sprache, modernen Zentralismus, unvertraute feudale Verhältnisse. Mit ihm begann das Mittelalter jenseits des Ärmelkanals. (PN)

Morgarten 1315Viel Ideologie, viel Ehre, wenig Gewissheit

Wer in den 60er und 70er-Jahren nahe beim Schauplatz im Ägerital aufgewachsen ist, hatte nie den Hauch eines Zweifels, dass die Schlacht am Morgarten a) stattgefunden hatte und b) ein zentrales Ereignis der Geschichte war. Merkwürdig zweifelhaft war bloss, wo genau sie stattgefunden hatte: Beim Schlachtdenkmal, das die Zuger auf Zuger Boden aufgestellt hatten? Oder bei der Schlachtkapelle jenseits der Kantonsgrenze, wo die Schwyzer das Ereignis feierten? Die Ehre, Schauplatz des Waffengangs gewesen zu sein, war grösser, als die Gewissheit darüber, wo und wie er sich zugetragen hatte.

Ihre mythische Bedeutung hat die Schlacht vor allem dem grossen Kommunikator Rudolf Minger zu verdanken. Der Bundesrat der geistigen Landesverteidigung prägte den Satz, Morgarten leuchte uns aus der Vergangenheit «entgegen wie die Morgensonne der Freiheit». Dass sie überhöht und später quasi als Mahnung gegen einen EU-Beitritt missbraucht wurde, bedeutet allerdings nicht, dass die Schlacht ein Hirngespinst ist (was nicht einmal mehr mythenstürmende Junghistoriker behaupten) oder höchstens ein Geplänkel zwischen Schwyzer Bauern und Habsburg war. Aber was genau die Ursachen und die Folgen waren, ist 700 Jahre später eigentlich eine rein akademische Frage. (ese)

Konstantinopel 1453Das wahre Ende des Römischen Reiches

Mit Konstantinopel fiel Byzanz – das oströmische Reich, das Rom um ein Jahrtausend überlebt hatte. Schon viele Krieger hatten die Kaiserstadt am Bosporus stürmen wollen: Wikinger aus dem Norden, Nomaden aus dem Osten – ohne Erfolg. Maro­dierende Kreuzfahrer schwächten das christliche Konstantinopel 1204, zogen aber wieder ab. Erst die Osmanen nahmen die Stadt dauerhaft ein.

Sultan Mehmet II., seit 1451 auf dem Thron, war entschlossen, die christliche Bastion zwischen Anatolien und dem Balkan zu erobern. Mehrfach forderte er den schwächelnden Kaiser Konstantin XI. auf, sich zu ergeben. Als der sich weigerte, rückte Mehmet mit 200'000 Mann heran, 60'000 davon Soldaten. Der Stadtwall bremste ihn: die Theodosius-Mauer, 30 Meter hoch und 20 Kilometer lang. Die Osmanen feuerten mit Katapulten, doch die Byzantiner töteten alle, die sich durch die Breschen zwängten. Zivilisten gossen Pech von den Zinnen.

Die Belagerung dauerte Wochen. In der Nacht auf den 29. Mai 1453 liess Mehmet alles anrücken, was er hatte. Nun fanden die Truppen hinein. Mehmet liess einen Tag lang plündern, vergewaltigen. Dann machte er Konstantinopel zu seinem Thronsitz. Von hier aus eroberten die Osmanen weitere Teile des Balkans und gelangten bis vor Wien. Erst seit 1930 heisst die Stadt offiziell Istanbul. (dhe)

Marignano 1515Die Niederlage der Eigdenossen entfacht heute noch hitzige Dikussionen

20'000 bis an die Zähne bewaffnete Eidgenossen knieten unter der glühenden Spätsommersonne nieder. Es war ein Donnerstag, 13. September, und die Zeichen standen schlecht, galt doch dieser Wochentag im Jahr 1515 als Unglückstag. Trotzdem zogen die Eidgenossen gegen die hochgerüstete französische Armee in die Schlacht. Ammann Werner Steiner aus Zug sprach das Schlachtgebet. Dann rückten die Eidgenossen mit ihren Langspiessen und Hellebarden vor – und liefen in ihr Verderben. Schon in den ersten Stunden liessen unter dem Kugelhagel der französischen Artilleriegeschütze Hunderte Schweizer Kämpfer ihr Leben. Nach 20 Stunden Hauen, Stechen und Schlagen war die Niederlage besiegelt.

Heute, im Wahl- und Jubiläumsjahr 2015, ist ein neuer Streit um Marignano entbrannt – die Schlacht um ihre richtige Deutung. Für die einen – das Lager um SVP-Vordenker Christoph Blocher – wird Marignano zur ruhmreichen Niederlage und Geburtsstunde einer heiligen Neutralität. «Steckt den Zaun nicht zu weit!», ist ihr Losungswort. Für die anderen – kritische Historiker und Linke – war es schlicht eine Niederlage in einer Schlacht von vielen. Auf dem Spiel aber steht heute die Haltung der Schweiz gegenüber Europa und der Welt.

Damals, vor Marignano, galten die Eidgenossen in Europa als fast unbesiegbar. Sie hatten das Fussvolk zur schlachtenentscheidenden taktischen Einheit entwickelt. In gewaltigen Spiesserhaufen rannten sie jedes Reiterheer nieder. Sie waren die grausamsten und mutigsten Kämpfer, ihre Erzfeinde, die in geschützten Gräben wartenden deutschen Landsknechte, verspotteten sie als «Schweine im Mist», die französischen Ritter als «Hasen im Harnisch». Feuerwaffen – Geschütze und Büchsen – waren ihnen zuwider, weil sie dabei das Weisse in den Augen ihrer Gegner nicht sahen. Sogar der Polit­philosoph Niccolò Machiavelli war voller Bewunderung für die kriegerische Urgewalt der Eidgenossen. Deshalb waren sie auch als Söldner so begehrt.

In Marignano wendete sich das Schicksal. Denn die Schlacht wurde auch politisch entschieden. Der französische König hatte den Eidgenossen kurz zuvor viel Geld geboten, wenn sie abziehen würden und ihm das Herzogtum Mailand überliessen. Die westlichen Orte um Bern sind darauf eingegangen, rund 10'000 Kämpfer wurden abgezogen. Vor allem aber zeigte sich erstmals die Überlegenheit der Artillerie. Die Schlacht steht deshalb nicht so sehr für den Beginn der Neutralität, sondern symbolisiert einen Wendepunkt der Kriegsführung. (mma)

Culloden 1746Nur besiegte Highlander sind gute Highlander

In Culloden, einem Moor bei Inverness, schlugen die Truppen des britischen Königs George II. am 16. April 1746 die erschöpften Anhänger von Charles Edward Stuart, dem katholischen Kronbegehrer. Seine Seite verlor alles, die andere 50 Mann. Es war die letzte Schlacht auf britischem Boden.

In der schottischen Erinnerung ist Culloden ein Ort des Heimatverlusts. 1707 war das Parlament aufgelöst und Schottland London unterstellt worden. 1746, so die Legende, erstarb der letzte Widerstand. Tatsächlich markiert Culloden eine Wende: den Anfang der Zähmung der Highlands. Nach 1746 wurde die nördliche Peripherie mit Gewalt zi­vilisiert, wurden Strassen und Schulen gebaut. Die Anhänger der Rebellen flohen nach Übersee. Dort lebt Culloden bis heute als Trauma fort.

Um Nationen aber ging es 1746 nie. Nicht Engländer und Schotten standen sich gegenüber, sondern Alt und Neu. Auch schottische Clanchefs fochten auf Seite der Krone gegen die alten Machtgefüge.

Wahr ist, dass Culloden den Weg frei machte für die Verklärung des Highlands: Nach 1746 entdeckte die urbane Elite Schottlands ihre Liebe zu den lang verachteten Kuhdieben der Berge. Dass die Männer der Nation heute Kilt tragen und Dudelsack blasen, liegt an Culloden: Erst wenn das Alte und Wilde ­sicher vernichtet ist, wird es attraktiv. (dhe)

Waterloo 1815Ein Korse gegen den Rest der Welt

Die Schlacht lebt fort in der Alltagssprache: Wer ein Waterloo erlebt, geht unter und steht nicht wieder auf. Dichter und Popstars haben Napoleons letztes Gefecht in den vergangenen 200 Jahren besungen.

Dass nochmal gekämpft werden musste, war eine Überraschung. Im März 1815 berieten die Machthaber Europas nach jahrelangem Krieg über die Neuordnung des Kontinents. Da erreichte sie die Nachricht: Napoleon ist zurück, geflohen von Elba! Er zog nach Paris, stürzte Louis XVIII. und scharte 200'000 Veteranen und Verehrer um sich. Er versicherte friedliche Absicht, fand aber kein Gehör: Am 25. März erklärten Russland, Preussen, Österreich und Grossbritannien den Krieg.

Über 100 Bücher widmen sich Waterloo. Napoleon attackierte die Briten am 18. Juni 1815 vor Brüssel. Diese hielten stand, bis die Preussen kamen. Gemeinsam schlugen sie Napoleon. Verschifften ihn nach St. Helena, wo er seine Memoiren diktierte. In Europa ging der Wiener Kongress weiter.

Nach 1815 wurde Waterloo zum mythischen Ort. Es kam zum Schlachtfeldtourismus, zur Jagd auf Souvenirs. Napoleons Fans sahen Waterloo lieber als heroischen Akt denn als Niederlage: Ein Korse gegen den Rest der Welt. Und bis heute ist der ­Zauber ungebrochen. Das 200-Jahr-Jubiläum galt Napoleon, nicht Wellington und Blücher. (dhe)

Gettysburg 1863Die Vereinigten Staaten werden eine Nation

Es ist die Wende im amerikanischen Bürgerkrieg: In Gettysburg im US-Bundesstaat Pennsylvania stehen sich am 1. Juli 1863 70'000 Konföderierte und 90'000 Unionssoldaten gegenüber. Sie bekämpfen sich drei Tage lang, Südstaatler gegen Nordstaatler, Sklavenhalter gegen Sklavereigegner, Rebels gegen Yankees, Grau gegen Blau. Den Regierungstruppen gelingt es erstmals seit Kriegsbeginn 1861, die Sezessionisten entscheidend zu schlagen. 46'000 Soldaten werden getötet, verwundet oder vermisst.

Der Norden und der Süden der USA hatten sich auseinandergelebt. Der industrialisierte Norden exportierte Kohle und Stahl, Philadelphia und New York pulsierten. Der ländliche Süden war dagegen im 18. Jahrhundert stehen geblieben. Man baute Baumwolle an, Sklaven pflückten sie. Als Abraham Lincoln die Sklaverei abschaffte, spalteten sich 11 Gliedstaaten von der Union ab. Das hiess Krieg: Der Präsident beharrte auf der Einheit der USA.

Dafür sterben fast 700'000 Menschen. «Wir ­geloben, dass die Toten nicht vergeblich gefallen sein sollen, dass diese Nation unter Gottes Fügung zu neuer Freiheit geboren werde», sagt Lincoln in Gettysburg, als er den Ehrenfriedhof mit seiner ­berühmten 272-Wörter-Rede einweiht. Nach vier Jahren Krieg wird aus der Union einzelner US-Bundesstaaten die amerikanische Nation. (chm)

Tannenberg 1914Die Rettung Ostpreussens – ein Pyrrussieg der Deutschen

Die deutsche Strategie für den Ersten Weltkrieg war hochriskant: Schnell die Franzosen niederwerfen und sich dann gegen die langsamere «russische Dampfwalze» wenden. Die Strategie ging ja auch schief. In Ostpreussen wandten Hindenburg und Ludendorff eine ähnliche Taktik an: Sie sahen sich zwei russischen Armeen gegenüber und entschieden sich für das «eine nach der anderen»-Prinzip. Hier klappte es. Bei Allenstein umzingelten sie trotz zahlenmässiger Unterlegenheit die 2. russische Armee und machten 90'000 Gefangene (so viel wie nie zuvor in der Militärgeschichte), kurz darauf besiegten sie die 1. Armee bei den Masu­rischen Seen. Beides gelang, weil die beiden russischen Befehlshaber sich hassten, ihre Offiziere ­unflexibel oder unfähig, ihre Truppen von langen Märschen ermüdet waren, die Deutschen sich der Luftaufklärung bedienten und den russischen Funk abgehört hatten. Hindenburg wurde zum «Retter Ostpreussens» hochstilisiert, die Allensteiner Schlacht nach Tannenberg «verlegt», als Revanche, weil dort 1410 das Heer des Deutschen Ordens vernichtet worden war. Auf weite Sicht ein Pyrrhussieg: Bei einer Niederlage wäre der Erste Weltkrieg vielleicht schnell zu Ende gewesen, Hindenburg kein Superpatriarch des gedemütigten Deutschland geworden, kein Statthalter Hitlers . . . (ebl )

Stalingrad 1942/43Der psychologische Wendepunkt des Zweiten Weltkriegs

Die Schlacht beginnt an einem strahlenden Sonntag: Am 23. August 1942 verwandelt die deutsche Luftwaffe Stalingrad in ein Inferno, 40'000 Menschen sterben. Mit dem Flächenbombardement ­legen die Deutschen die Basis für ihre Niederlage: Die Ruinen lassen sich besser verteidigen als eine Stadt. Zunächst aber rückt die 6. Armee im Blitzkriegstempo an die Wolga vor und kesselt Stalingrad ein. Hitler befiehlt, die gesamte männliche Bevölkerung auszulöschen, weil hier besonders linientreue Kommunisten lebten. Die Rote Armee steht vor dem Kollaps, hält sich aber im Häuserkampf mit Bauernschläue und erbarmungsloser Entschlossenheit. Für den Gegenschlag kreisen die Sowjets die deutschen Streitkräfte grossräumig ein. Am 22. November 1942, einem eiskalten Totensonntag, ist die 6. Armee eingeschlossen und wird nun vernichtet. Am 2. Februar 1943 kapitulieren die letzten deutschen Truppen. Stalin inszeniert sich als Sieger, die Sowjets zahlen mit mehr als einer Million Opfern einen hohen Preis. Die Deutschen und ihre Alliierten haben eine halbe Million Verluste.

Es ist ihre erste grosse Niederlage. Deutschland ist schockiert, in den Konzentrationslagern hofft man wieder, und bei den Alliierten steigt die ­Zu­versicht. Stalingrad ist der psychologische ­Wendepunkt im Zweiten Weltkrieg. (chm)

Erstellt: 28.08.2015, 17:32 Uhr

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