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Gemetzel ohne Ende

Als Trauma, als Moment der Kraft oder als simple Wegmarke im Strom der Zeit: Historische Schlachten wirken fort. Zwölf Gefechte der Geschichte, die uns nie mehr losgelassen haben.

Marathon 490 v. Chr.

Die Schlacht fand statt, der Marathonlauf nicht

Für die einen war es ein Strandscharmützel, eine kleinere persische Strafaktion, für die anderen einer der entscheidenden Siege der Weltgeschichte: europäischer Individualismus und Demokratie siegten über asiatische Despotie. Ohne diesen Sieg wäre Athen eine persische Kolonie geworden, Griechenland ein Anhängsel Asiens, so die kontrafaktische Geschichtsdeutung. Wahrscheinlich stimmt das nicht. Wie so vieles, was über die Schlacht selbst erzählt wird, denn Genaues weiss man nicht. Sicher ist, dass die persische Flotte im Spätsommer 490 in der Bucht von Marathon landete, wo sie ein Heer der Athener und Platäer erwartete. Der Legende nach stürmten die schwerbewaffneten Hopliten (griechische Fusssoldaten mit Schild, Lanze und Schwert) im Laufschritt auf die Perser zu, überrannten deren Flügel und drückten das Zentrum zusammen. 6400 Mann sollen bei den Persern, nur 192 bei den Griechen gefallen sein. Fragen bleiben: Wo blieb die gefürchtete persische Kavallerie? War sie noch (oder wieder) auf den Schiffen? Und ist ein Lauf in voller Rüstung über 1,5 Kilometer überhaupt möglich? Historiker zweifeln. Sicher ist eines: Den Marathonlauf, nach dem ein gewisser Pheidippides den Sieg in Athen verkündete, gab es nicht. Er ist eine spätere Erfindung. (ebl)

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