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Seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr so viele Kriege wie heute

Das letzte Jahr hat mit dem arabischen Frühling eine Gewalteruption gebracht. Auch andere Konflikte trugen jedoch dazu bei, dass 2011 ein Jahr der Kriege war.

Konfliktkarte 2011: Schwarz steht für Krieg, Dunkelblau für einen begrenzten Krieg, Hellblau für Krise und Grau für «kein gewaltsamer Konflikt». (Karte: HIIK)
Konfliktkarte 2011: Schwarz steht für Krieg, Dunkelblau für einen begrenzten Krieg, Hellblau für Krise und Grau für «kein gewaltsamer Konflikt». (Karte: HIIK)

Die Zahl der Kriege ist im vergangenen Jahr weltweit auf den höchsten Stand seit 1945 gestiegen. Von sechs ausgewachsenen bewaffneten Konflikten im Jahr 2010 stieg die Zahl gemäss dem Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung (HIIK) auf deren 20 im letzten Jahr. Dazu kamen 18 «begrenzte Kriege». Insgesamt stuften die Heidelberger Forscher 38 von 388 beobachteten Konflikten als hoch gewaltsam ein.

Zu den Konflikten, die im vergangenen Jahr zu Kriegen eskalierten, zählte das Institut auch die Auseinandersetzungen im Jemen, in Libyen und in Syrien. Diese Aufstände wurden direkt als vollwertige Kriege eingestuft, was aussergewöhnlich ist. «Normalerweise schaukeln sich solche Ereignisse hoch, bis es schliesslich zur Eskalation kommt», sagte Stephan Giersdorf, Vorstandmitglied des HIIK, gegenüber dem «Spiegel online».

In diese Kategorie fällt die neuerliche Eskalation zwischen der türkischen Armee und der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK). So bewerteten die Forscher diesen Konflikt nun als vollwertigen Krieg, während er im vergangenen Jahr noch als begrenzter Krieg galt. Die Neubewertung kam zustande, weil die PKK ihren Waffenstillstand aufgekündigt hatte und die Streitkräfte mit einer grossen Offensive reagierten. Insgesamt eskalierten elf bereits existierende Konflikte zu ausgewachsenen Kriegen.

Rekord auch unterhalb der Kriegsschwelle

Wie im Vorjahr als Krieg stufte das HIIK unter anderem die Offensiven des pakistanischen Militärs gegen die Taliban, die Kämpfe zwischen der afghanischen Regierung und den Taliban und die Gewalt im Irak ein. Als Krieg werten die Wissenschaftler auch die Auseinandersetzungen in Mexiko zwischen Drogenkartellen und der Regierung. Auch auf der Stufe unterhalb des Krieges, der gewaltsamen Krise, markierte das Jahr 2011 mit 148 gezählten Konflikten einen neuen Rekord. Immerhin konnten insgesamt auch 64 Konflikte in der Intensität herabgestuft werden. Nur sechs Konflikte galten neu als gelöst oder nicht mehr existent, darunter der Grenzstreit zwischen Norwegen und Russland in der Barentssee, der mit einem Abkommen beigelegt wurde.

Die bis zu 120 junge Forscher, welche bestehende und neue Konflikte laufend beobachten, unterscheiden fünf Intensitätsstufen: Disput, gewaltlose Krise, gewaltsame Krise, begrenzter Krieg und Krieg. Ausschlaggebend für die Zuordnung zu einer Kategorie ist der Grad der angewandten physischen Gewalt, wie das HIIK auf seiner Homepage schreibt. Wichtige Kriterien zu dessen Bestimmung sind demnach die eingesetzten Mittel (Waffeneinsatz und Personaleinsatz) und ihre Folgen (Todesopfer, Zerstörung und Flüchtlinge).

65 Konflikte in Europa

Als konfliktreichste Region entpuppte sich Asien und Ozeanien. Dort zählten die Forscher 124 Konflikte. Dahinter folgten mit 91 Vorfällen das südliche Afrika, mit 65 Europa, mit 62 der Mittlere Osten und Nordafrika, und mit 46 Konflikten Nord- und Südamerika.

Der Wunsch nach territorialer Abspaltung war der häufigste Konfliktgrund in Europa. Hier wurden elf von 19 Konflikten auch mit gewaltsamen Mitteln ausgetragen, während alle 15 Konflikte, bei denen es um Autonomie ging, friedlich ausgetragen wurden. In Europa galt nur der Konflikt zwischen Aufständischen in der russischen Teilrepublik Dagestan und der Zentralregierung als begrenzter Krieg.

Das HIIK ist nicht sehr optimistisch für die Zukunft. «Eine Tendenz hin zu einer friedlicheren Welt» könne vor dem Hintergrund des explosionsartigen Anstiegs der Anzahl von Kriegen «bei weitem nicht erkannt werden», erklärte HIIK-Vorstandsmitglied Natalie Hoffmann.

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