Warum der Mittelstand extrem wurde

Eine neue Studie zeigt die Beschleuniger für populistische Strömungen. Im Vergleich mit anderen Ländern Europas läuft in der Schweiz aber einiges besser.

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Die Haushaltseinkommen des Mittelstandes sind in vielen Industrieländern seit bald drei Jahrzehnten nicht gestiegen. Dies sieht die Grossbank UBS in einer neuen Studie als Hauptursache dafür, dass der Populismus weltweit an Fahrt gewinnt.

In praktisch allen Volkswirtschaften haben sich in den vergangenen Jahren die politischen Gewichte in Richtung der Pole am linken und rechten Rand verschoben. Die soliden Mehrheiten der Mitteparteien bröckeln und populistische Politikfiguren sind vielerorts im Aufwind.

In einer aktuellen Untersuchung fand die UBS den wesentlichen Grund für diese Entwicklung heraus. So stagnieren laut einer Mitteilung des Geldhauses vom Dienstag vor allem die Einkommen im mittleren Bereich. Die in den vergangenen 30 Jahren stark gestiegene Mobilität von Arbeit und Kapital habe dazu geführt, dass die Wertschöpfung und somit Arbeitsplätze vorzugsweise in Schwellenländer verlagert worden seien, erklärte der Chefökonom der UBS Schweiz, Daniel Kalt.

Verlierer der Globalisierung

Und genau von diesen Verschiebungen sind die Mittelschicht und deren Einkommen sehr stark betroffen. Die Mittelklasse sehe sich als der relative Verlierer der Globalisierung, sagte Ökonom Kalt vor den Medien in Zürich. Daher drückt sich eine zunehmende Unzufriedenheit breiter Bevölkerungsschichten in einer steigenden Anfälligkeit für Populismus aus. Die UBS-Ökonomen verweisen exemplarisch auf den Wahlkampf in den USA, wo Kandidat Donald Trump mit Extrempositionen deutlich an Popularität zulegen konnte.

Für die Schweiz und für den Schweizer Mittelstand geben die UBS-Experten allerdings gewisse Entwarnung. Im Gegensatz zu anderen Industrieländern wurden die mittleren Einkommensgruppen in den vergangenen Jahren nicht abgehängt. Zwar nahm der Anteil des Einkommens vor Steuern und staatlichen Transfers leicht ab. Allerdings nahm der Anteil des Mittelstandes nach aller staatlicher Umverteilung betrachtet sogar leicht zu. Den Schweizer Mittelstand belastet jedoch die Angst, in der zweiten Hälfte des Erwerbslebens die Arbeit zu verlieren.

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Der starke Franken und die geringe Inflation haben dazu geführt, dass der Anteil des Erwerbseinkommens am Bruttoinlandprodukt (BIP) stetig gestiegen ist, sagte Ökonom Kalt. Gleichzeitig sank laut der UBS Schweiz in den letzten Jahren der Anteil der Unternehmensgewinne am BIP, da diese unter der Frankenstärke litten und die Zins- sowie Finanzerträge schwächer ausfielen.

Das Währungsrisiko trugen aber die Unternehmen zu einem wesentlichen Teil, was sich in sinkenden Margen – jedoch kaum in einer steigenden Arbeitslosigkeit niedergeschlagen habe.

Das duale Bildungssystem trug zudem dazu bei, dass Schweizer Arbeitnehmer mit unterdurchschnittlichen Fähigkeiten dennoch eine Ausbildung absolvieren können und damit einen direkten Zugang zum Arbeitsmarkt erhielten. All dies macht es daher laut der UBS für Populismus in der Schweiz schwieriger als in anderen Ländern. (rub/sda)

Erstellt: 08.11.2016, 10:58 Uhr

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