Höchste Ehre für Mathematiker: ETH-Professor erhält Fields-Medaille

Der italienische Mathematiker Alessio Figalli ist in Rio mit der Fields-Medaille ausgezeichnet worden. Der Preis gilt als höchste Auszeichnung für Mathematik.

Im Alter von 34 Jahren für seine herausragenden Leistungen belohnt: Alessio Figalli. (Bild: ETH Zürich)

Im Alter von 34 Jahren für seine herausragenden Leistungen belohnt: Alessio Figalli. (Bild: ETH Zürich)

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Der Mathematiker und ETH-Professor Alessio Figalli ist für seine herausragenden Leistungen in der mathematischen Forschung mit der Fields-Medaille geehrt worden. Die Auszeichnung hat einen vergleichbaren Stellenwert wie ein (für Mathematik nicht existierenden) Nobelpreis.

Die Internationale Mathematische Union (IMU) verlieh die Fields-Medaille am Mittwoch im Rahmen des Internationalen Mathematikerkongresses (ICM) in Rio de Janeiro. Der Kongress vermeldete die Vergabe auf dem Kurznachrichtendienst Twitter.

Die IMU würdigt Figalli, der seit 2016 Professor für Mathematik an der ETH Zürich ist, für seine Leistung bei der Lösung von Problemen, die sich auf den optimalen Transport, spezielle partielle Differentialgleichungen und Wahrscheinlichkeit beziehen.

Figalli hat unter anderem ein über 20 Jahre lang bestehendes Problem gelöst, das die sogenannte Monge-Ampère-Gleichung betrifft, wie die ETH Zürich am Mittwoch schrieb. Diese berühmte partielle Differentialgleichung wurde im 19. Jahrhundert eingeführt und kommt heute in so unterschiedlichen Gebieten wie Stadtplanung, Bildgebung oder Meteorologie zur Anwendung.

Figalli beschäftigt ein weiteres Problem. Nach dem Preisgewinn sagte er: «Ich habe Arbeit für die nächsten 30 oder 40 Jahre. Aber es gibt ein Problem, das ich hoffentlich bald lösen kann, nämlich, dass ich und meine Frau in derselben Stadt leben.»

Formation von Wolken

Im Kern besagt die Gleichung, dass die Gesamtkosten eines Transports so minimal wie möglich zu halten sind. Dies gilt auch für Veränderungsvorgänge in der Natur: Seifenblasen und Kristalle erhalten beispielsweise ihre schöne geometrische Form, indem sie ihre Oberflächenenergie minimieren.

Figalli konnte mathematisch nachweisen, dass sich die abrupt auftretenden Formationsänderungen von Wolken in Grosswetterfronten mit den Gleichungen des optimalen Transports beschreiben lassen. Wenn die Wolken ihre Form ändern, bewegen sich die Wolkenpartikel in einer optimalen, energetisch günstigen Weise von einem anfänglichen Zustand in einen neuen.

Der Werdegang des 34-jährigen Italieners ist eindrücklich. Sein Doktorat schloss er 2007 in nur einem Jahr ab. Im Alter von 25 Jahren wurde er zum ausserordentlichen Professor der Universität von Texas in Austin ernannt, mit 27 zum ordentlichen Professor befördert und mit 32 an die ETH Zürich berufen.

«Botschafter der Mathematik»

Figalli zeigte sich ob der Auszeichnung geehrt. «Die Medaille drückt nicht nur eine hohe Anerkennung für meine Forschung aus, sondern für die ganze Wissenschaftsgemeinschaft der Analysis», liess er sich in der ETH-Mitteilung zitieren. Er sei motiviert, sich weiter in der Spitzenforschung zu engagieren. «Als erster einen schwierigen Beweis zu führen, der viele Mathematiker und Mathematikerinnen jahrelang beschäftigt hat, ist grossartig.»

ETH-Präsident Lino Guzzella zeigte sich laut der Mitteilung überzeugt, dass der Mathematiker sowohl für die ETH als auch für den Forschungsplatz Schweiz ein grosser Gewinn sei. Figalli könne als «Botschafter für die Mathematik» wirken.

Drei weitere Preisträger

Neben Figalli bekamen auch der deutsche Mathematiker Peter Scholze (Univerisität Bonn), der australische Zahlentheoretiker Akshay Venkatesh (Princeton University und Stanford University, USA) und der aus Iran stammende Kurde Caucher Birkar (Cambridge University, Grossbritannien) die goldene Medaille. Sie geht auf den Mathematiker John Charles Fields zurück.

Die Fields-Medaille gilt als wichtigste wissenschaftliche Anerkennung für Mathematiker. Honoriert wird jeweils eine herausragende Leistung in der Mathematik, die vor dem 40. Lebensjahr erbracht worden ist.

Die mit umgerechnet rund 11'400 Franken dotierte Auszeichnung wird nur alle vier Jahre vergeben. 2006 ging eine Fields-Medaille an Wendelin Werner, der seit 2013 ebenfalls an der ETH Zürich forscht und lehrt.

(nag/sda)

Erstellt: 01.08.2018, 15:46 Uhr

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