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Forscher streiten über mysteriösen Hohlraum

Ein neu gefundener Hohlraum in der Cheops-Pyramide löst eine Kontroverse aus. War die gefeierte Entdeckung womöglich gar keine wissenschaftliche Sensation?

Die grosse Cheops-Pyramide von Gizeh. Bild: AP
Die grosse Cheops-Pyramide von Gizeh. Bild: AP

Wissenschaftliche Sensation oder voreiliges Heischen nach Aufmerksamkeit? Die Entdeckung eines grossen Hohlraums in der Cheops-Pyramide von Gizeh hat eine Kontroverse ausgelöst. Ein internationales Wissenschaftler-Team, das Teil des Scan-Pyramids-Projektes ist, hatten am Donnerstag im Fachmagazin Nature berichtet, dass sie mittels Myonen-Detektoren die erste grosse architektonische Struktur in dem 4500 Jahre alten Grabmal seit dem 19. Jahrhundert entdeckt hätten. Das Ministerium für Altertümer in Ägypten wirft den Forschern jetzt vor, vorschnelle Schlüsse aus den Messungen zu ziehen, auch hätten sie nicht die Wissenschaftlerkommission konsultiert, der die Aufsicht über das Scan-Pyramids-Projekt obliegt.

Die Wissenschaftler unter Leitung des Japaners Kunihiro Morishima von der Universität Nagoya und Mehdi Tayoubi vom Heritage Innovation Preservation Institute in Paris schreiben, ein Hohlraum von mindestens 30 Metern Länge befinde sich über der sogenannten Grossen Galerie, die wie ein Korridor ansteigend zur Königskammer mit dem Granitsarkophag des Pharaos führt, und ähnele dieser im Querschnitt. Die Grosse Galerie ist etwa 8,60 Meter hoch und zwischen einem und 2,1 Meter breit. Schon vor einem Jahr hatten die Forscher per Pressemitteilung Spekulationen über zwei bislang unbekannte Kammern in der Grossen Pyramide geweckt.

Zahi Hawass, der wohl bekannteste Ägyptologe und zugleich Vorsitzender der wissenschaftlichen Aufsichtskommission sagte nun der staatlichen Zeitung al-Ahram, bei dem Hohlraum handele es sich nicht um eine neue Entdeckung. Es gebe Lücken in der Konstruktion der Pyramide, etwa über dem Eingang zum absteigenden Korridor, der zur Felsenkammer unter der Pyramide führt - weitere Lücken seien entlang des gesamten Gangsystems zu erwarten, einschliesslich der Grossen Galerie.

Auch 2017 sind nicht alle Geheimnisse gelüftet: Grafische Darstellung des Querschnitts mit den Kammern und dem neu entdeckten Hohlraum (Mitte rechts gelegen, mit «Scan Pyramids Big Void» beschriftet, veröffentlicht am 2. November 2017
Auch 2017 sind nicht alle Geheimnisse gelüftet: Grafische Darstellung des Querschnitts mit den Kammern und dem neu entdeckten Hohlraum (Mitte rechts gelegen, mit «Scan Pyramids Big Void» beschriftet, veröffentlicht am 2. November 2017
Nature Publishing Group/Scan Pyramids, AFP
Die Basler Ägyptologin Susanne Bickel glaubt nicht, dass es sich um eine weitere Grabkammer handelt: «Vermutlich wollte man die Galerie von der darüber liegenden Steinmasse entlasten.»
Die Basler Ägyptologin Susanne Bickel glaubt nicht, dass es sich um eine weitere Grabkammer handelt: «Vermutlich wollte man die Galerie von der darüber liegenden Steinmasse entlasten.»
Nature Publishing Group/Scan Pyramids, AFP
Die Cheops-Pyramide ist ein Touristenmagnet am Rande Kairos.
Die Cheops-Pyramide ist ein Touristenmagnet am Rande Kairos.
Khaled Desouki, AFP
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Der Generalsekretär des Antiken-Ministeriums, Mostfa Waziri, sagte, die Forscher hätten die Ergebnisse ihrer bildgebenden Verfahren den Ägyptologen der Wissenschaftler-Kommission vorlegen müssen. «Diese Experten haben vorher schon gesagt, dass die Existenz von Hohlräumen in den Pyramiden nichts Neues ist, sondern eine unter Ägyptologen wohlbekannte Tatsache.» Hawass fügte hinzu: «Ich glaube, wir sollten beim Begriff Hohlraum sehr vorsichtig sein, denn die ganze Grosse Pyramide ist voller Hohlräume.» Die Erbauer könnten sie aus konstruktiven Gründen gelassen haben, ohne dass diese eine Funktion hätten, etwa als eine weitere Kammer.

Ein Röntgenbild erstellt

Das Wissenschaftler-Team um Morishima und Tayoubi schreibt selbst, dass es keine Informationen über die Funktion des Hohlraums habe und auch nicht über die genaue Beschaffenheit. Allerdings sei die Existenz des Hohlraums durch die Kombination dreier verschiedener Messverfahren gesichert. Myonen sind elektronenähnliche Elementarteilchen, die aus dem Weltall auf die Erde treffen. Bildgebende Verfahren ermöglichen es, Abweichungen sichtbar zu machen, die entstehen, wenn die Teilchen Materie mit unterschiedlicher Dichte durchdringen, etwa Stein oder Luft.

Mit Hilfe verschiedener Detektoren haben die Forscher so eine Art Röntgenbild der Pyramide erstellt - allerdings mit deutlich schlechterer Auflösung. Das Scan-Pyramids-Projekt soll mit Hilfe moderner technischer Messverfahren, etwa auch mit Infrarot-Sensoren und hochauflösender Fotografie, dazu beitragen, wissenschaftlich fundierte Antworten auf die ungelösten Rätsel der Bauwerke zu geben. Mit Sensationen rechnen die meisten Ägyptologen dabei aber nicht.

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