Kaum am Strand und schon den Magen verdorben

Wer kennt es nicht? Übelkeit und Durchfall nerven in den Ferien besonders. 5 Tipps für einen gesunden Magen auf Reisen.

«Cook it, peel it or forget it»: Eine Thailänderin verkauft Street Food: iStock

«Cook it, peel it or forget it»: Eine Thailänderin verkauft Street Food: iStock

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Kaum fangen die Ferien an, meldet sich der Magen zu Wort. Im Auto, Flugzeug oder auf dem Schiff wird der Tourist plötzlich blass im Gesicht, es folgen Wellen von Übelkeit und Erbrechen. Kaum ist die Anreise überstanden, bleibt der Stuhlgang aus und trübt tagelang die Urlaubsfreude. Kurz vor der Heimfahrt fängt es im Bauch verdächtig an zu rumpeln, und der lang ersehnte Toilettenbesuch wird zum Last-Minute-Sprint. Die letzten Tage verbringt man vorwiegend auf dem Klo statt am Strand.

Die Sommerferien sind für unseren Magen-Darm-Trakt oft eine Strapaze. Wir erklären Ihnen, was bei solchen Beschwerden zu tun ist, woher sie kommen und wie Reisende ihnen am besten vorbeugen können.

Reiseübelkeit

Der Tank ist voll, das Gepäck verstaut und das Kind endlich angeschnallt. Aber noch vor der ersten Raststätte muss ein Stopp eingelegt werden, weil dem Sohn auf dem Rücksitz schlecht geworden ist. Die Übelkeit, die auf Auto-, Flug- oder Schiffsreisen auftreten kann, nennt sich Reisekrankheit, in der Fachsprache auch Kinetose. Sie entsteht, weil unser Gehirn vom Gleichgewichtsorgan im Ohr andere Informationen erhält als von unseren Augen.

Das Gleichgewichtsorgan im Innenohr registriert ruckelnde Bewegungen im Innern des Transportmittels, das Auge hingegen nicht. Die widersprüchlichen Informationen bringen das Gehirn durcheinander, es reagiert mit heftiger Übelkeit. «Kinder trifft es deutlich häufiger als Erwachsene», sagt Danielle Gyurech von der Travel Clinic Zürich. «Warum das so ist, weiss jedoch niemand genau.»

Auf Reisen möglichst keine stark zuckerhaltigen Getränke, kein Koffein, Tabak und Alkohol konsumieren.

Gegen die Reisekrankheit existieren verschiedene Mittel, zum Beispiel mit den Wirkstoffen Dimenhydrinat, Domperidon oder Meclozin. «In schweren Fällen können diese Wirkstoffe nach ärztlicher Absprache sogar miteinander kombiniert werden», sagt die Medizinerin.

Manche Reisende vertrauen auf sanftere Mittel wie Vitamin C oder Ingwer, um der Übelkeit vorzubeugen. Weitere einfache Tipps sind, im Bus oder Auto möglichst vorne zu sitzen und den Strassenverlauf zu beobachten oder – auf dem Schiff – an Deck einen Punkt am Horizont zu fixieren. Das hilft dem Gehirn, die widersprüchlichen Signale in Einklang zu bringen.

Manche Menschen kauen bei aufkommender Übelkeit einen Kaugummi, schliessen die Augen oder versuchen zu schlafen. Danielle Gyurech empfiehlt zudem, auf Reisen keine stark zuckerhaltigen Getränke, kein Koffein, Tabak und Alkohol zu konsumieren und nur leichte Mahlzeiten zu sich zu nehmen. So wird der Magen nicht zusätzlich belastet.

Verstopfung

Viele Menschen kennen das Problem: Sobald die Ferien beginnen, verweigert der Darm seinen Dienst. Das Leiden hat sogar einen eigenen Namen: Reise-Obstipation. Warum es auf Reisen häufig zu Verstopfung kommt, hat mehrere Gründe. Gerade im Flugzeug wird oft wenig ballaststoffreich gegessen, man sitzt viel, bewegt sich kaum.

Dasselbe gilt fürs Autofahren. «Dazu kommt, dass auf Reisen der Stuhlgang oft unterdrückt wird. Man scheut sich aus hygienischen Gründen, unterwegs Toiletten aufzusuchen», sagt Danielle Gyurech. Und manchmal hat es gar kein WC in der Nähe, wenn eines gebraucht wird. «Später im Hotel fehlt vielleicht die gewohnte Privatsphäre oder die Zeit, die man sich nehmen müsste, um sein Geschäft zu verrichten.»

Wird der Stuhlgang unterdrückt, kann dies eine Verstopfung begünstigen. Die Medizinerin rät deshalb, bei Stuhldrang den Gang auf die Toilette möglichst nicht zu verschieben.

«Nehmen Sie sich Zeit, um anzukommen und sich zu entspannen.»Danielle Gyurech, Travel Clinic Zürich

Doch wann wird Verstopfung überhaupt zum Problem? «Hat der Urlauber zwei, drei Tage keinen Stuhlgang, ist das nicht weiter schlimm», beruhigt Danielle Gyurech. Wer weiss, dass er auf Reisen zu Verstopfung neigt, nimmt am besten ein Quellmittel – zum Beispiel mit indischen Flohsamen – aus der Apotheke mit. «Diese binden das Wasser im Darm, vergrössern das Stuhlvolumen und regen die Darmtätigkeit an.» Daneben hilft es, viel zu trinken und bei gekochtem Gemüse sowie Früchten wie Kiwi, Mango oder Ananas zuzugreifen.

Ebenfalls ratsam ist es, die Ferien ruhig angehen zu lassen. Denn auch Aufregung kann Verstopfung begünstigen. «Nehmen Sie sich Zeit, um anzukommen und sich zu entspannen», sagt Danielle Gyurech von der Travel Clinic Zürich. Hilft das alles nichts, gibt es Abführmittel, zum Beispiel mit dem Wirkstoff Bisacodyl, die den trägen Darm wieder in Schwung bringen. «Wann die Wirkung einsetzt, ist nicht genau vorhersagbar. Wer abends ein solches Mittel einnimmt, plant am folgenden Tag lieber keinen Ausflug.»

Reisedurchfall und Erbrechen

Im Urlaubsland locken Strassenstände, Strandrestaurants oder üppige Hotelbuffets mit exotischen Gerichten und frisch geschnittenen Früchten. Doch nicht selten hat der Genuss unangenehme Folgen.

Am häufigsten werden Reisedurchfall und Erbrechen durch Bakterien namens Escherichia Coli ausgelöst. Manchmal stecken jedoch auch andere Keime wie zum Beispiel Salmonellen, Campylobacter oder Shigellen dahinter. «Die Bakterien gelangen meist durch verschmutztes Wasser oder durch ungewaschene Hände an die Lebensmittel», sagt Danielle Gyurech.

Nur die wenigsten Leute halten sich an die altbewährte Regel «Cook it, peel it or forget it».

Selbst in einem Fünfsternehotel ist man nicht unbedingt vor Durchfall geschützt. «Auch dort ist es möglich, dass das Küchenpersonal sich nicht an die Hygieneregeln hält. Ausserdem gibt es in solchen Hotels mehr verführerische Speisen, die verunreinigt sein können.»

Damit es gar nicht erst zum Reisedurchfall kommt, sollte man – nebst regelmässigem Händewaschen – in südlichen Ländern auf Leitungswasser, Eiswürfel, rohes Gemüse, Salate, Roheierspeisen und ungeschältes Obst verzichten. Doch nur die wenigsten Leute halten sich an die altbewährte Regel «Cook it, peel it or forget it» (koch es, schäl es oder lass es), wie eine Studie mit 30'000 Touristen in Jamaika zeigt. 95 Prozent konsumierten Eiswürfel in Getränken, 90 Prozent assen Salate, 80 Prozent tranken Leitungswasser, und nur gerade 3 Prozent mieden alle potenziell gefährlichen Esswaren und Getränke.

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Viel trinken

Ist der Reisedurchfall da, sollte der Erkrankte viel trinken, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen. Am besten eignen sich dafür stilles Mineralwasser, gezuckerter Tee mit einer Prise Salz, fettfreie Bouillon und mit Wasser verdünnter Orangensaft.

Ist der Durchfall stark, kommen auch Rehydrationslösungen aus der Apotheke in Frage. Sie enthalten Zucker und Mineralstoffe in einem optimalen Verhältnis. «Achten Sie darauf, die Flüssigkeit schluckweise zu trinken, anstatt ein ganzes Glas auf einmal hinunterzustürzen», sagt Danielle Gyurech. «So ist die Chance grösser, dass die Flüssigkeit im Magen bleibt.»

Durchfallmedikamente mit dem Wirkstoff Loperamid empfiehlt die Reisemedizinerin nur in Ausnahmefällen, wenn man zum Beispiel die Heimreise antreten muss und längere Zeit keine Toilette in der Nähe ist.

Aufgepasst bei Kleinkindern

Bei schwerem Durchfall könne manchmal die Einnahme eines Antibiotikums sinnvoll sein, sagt die Medizinerin. «Es lohnt sich, ein Antibiotikum für den Notfall mitzunehmen, das vom Reisemediziner oder Hausarzt verschrieben wird.» Allgemein rät sie, lieber eine gut ausgestattete Notfallapotheke einzupacken als den halben Kleiderschrank.

Bei Babys und Kleinkindern ist frühzeitig medizinische Hilfe zu holen.

Hält der Durchfall länger als drei Tage an oder wird er von Fieber, Schüttelfrost und Blut im Stuhl begleitet, sollte ein Arzt zu Rate gezogen werden. Das kann auch der Reisemediziner sein, der einem vor der Abreise beraten hat, falls die Gesundheitsversorgung vor Ort schlecht ist oder Sprachbarrieren bestehen. Auch bei Babys und Kleinkindern ist frühzeitig medizinische Hilfe zu holen, da sie schneller austrocknen und ein unreiferes Immunsystem haben.

Manchmal treten auch erst nach der Rückkehr aus warmen Ländern plötzlich Magen-Darm-Probleme auf. «Dann ist es ratsam, einen Reisemediziner aufzusuchen, um ernstere Ursachen wie Parasiten oder Tropenkrankheiten auszuschliessen.»

(Schweizer Familie)

Erstellt: 09.07.2018, 16:56 Uhr

Das gehört in die Reiseapotheke


  • Verbandsset mit Desinfektionsmittel, Wundsalbe, Verbandsmaterial, Schere und Pinzette

  • Medikamente gegen Fieber und Schmerzen, Fieberthermometer

  • Krampflösendes Mittel bei Bauchschmerzen und Koliken

  • Mittel gegen Durchfall, Mittel gegen Verstopfung

  • Rehydrationslösung zum Ausgleich eines Flüssigkeitsmangels

  • Mittel gegen Übelkeit und Reisekrankheit

  • Abschwellender Nasenspray, Mittel gegen Husten

  • Tabletten gegen allergische Reaktionen (wichtig für Menschen, die bereits bekannte Allergien haben)

  • Antibiotikum mit einem breiten Wirkungsspektrum

  • Antibiotische Salben für Tropen- und Subtropenreisen

  • Antibiotische Augentropfen zur Behandlung schwerer Augenentzündungen

  • Augentropfen gegen Rötungen und Brennen, ausgelöst durch Wind oder Allergien

  • Salbe gegen Sonnenbrand, Mückenstiche und leichte Verbrennungen

  • Spray zum Schutz vor Mücken und Zecken

  • Sonnencreme mit hohem Schutzfaktor, Lippenschutz

  • Für die Tropen: Malariamittel, Moskitonetze, Insektizide für Räume und Kleider, eventuell Mittel zur Wasserdesinfektion

  • Denken Sie daran, jene Arzneimittel in genügender Menge einzupacken, die Sie auch zu Hause regelmässig einnehmen.



Nützliche Links

www.travelclinic.ch

www.safetravel.ch

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