Auf der Hut bis zum letzten Ebola-Fall

Die Ebola-Epedemie könnte nächstes Jahr ihr Ende finden. Daran glaubt David Nabarro, Ebolakoordinator der UNO. Er sagt, was es braucht, damit dieses Szenario eintrifft.

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Die internationale Hilfe im Kampf gegen Ebola hat die Ausbreitung des lebensgefährlichen Virus in Westafrika offenbar bremsen können. Die Rate der Neuinfektionen sei in einigen Regionen dank des ausserordentlichen globalen Einsatzes im vergangenen Monat zurückgegangen, sagte der Ebola-Beauftragte der Vereinten Nationen, David Nabarro der Nachrichtenagentur AP. Die verheerende Epidemie könnte seiner Ansicht nach 2015 ein Ende finden. Dafür sei aber viel mehr Hilfe nötig.

Vonnöten sind nach Angaben des Arztes weiterhin mehr Behandlungszentren, Geld und gut ausgebildetes internationales medizinisches Personal. Die Möglichkeiten, Infizierte in den besonders hart getroffenen Ländern Liberia, Guinea und Sierra Leone zu isolieren, hätten sich verbessert. Die UNseien aber gerade wegen des Mangels an Fachkräften noch von ihrem Ziel entfernt, dass 70 Prozent der Erkrankten isoliert seien, sagte Nabarro weiter. Bis zum 1. Dezember wollen die Vereinten Nationen diese Marke erreichen.

«Feuer, das sich wieder entzündet»

Ein zweites Ziel der UN dreht sich um die Hygiene bei Beerdigungen. 70 Prozent der Bestattungen sollen ebenfalls bis 1. Dezember «sicher» sein. Das bedeutet, dass die Ansteckungsgefahr durch die hochinfektiösen Leichname gebannt sein soll. In Liberia seien dabei bereits «ausserordentliche Fortschritte» erzielt worden, berichtete Nabarro. Dank Aufklärungskampagnen wird dort nun auf das traditionelle Waschen und Berühren der Toten oftmals verzichtet.

Rückläufig scheint die Zahl der Neuinfektionen nach dem Anlaufen der massiven internationalen Hilfe vor einem Monat in Liberia zu sein, während die Zahl in Guinea stabil bleibe und in Sierra Leona sogar weiter steige, sagte Nabarro in dem Interview. Doch der Eindruck rückläufiger Zahlen könne auch täuschen, warnte der Arzt, der seit 35 Jahren im öffentlichen Gesundheitswesen arbeitet. Manchmal seien Epidemien wie «ein Feuer, das sich wieder entzündet».

Die Weltgesundheitsorganisation meldete am Mittwoch insgesamt 13'042 Ebola-Fälle in Westafrika und 4818 Tote. Noch vor einem Monat hatte Nabarro davor gewarnt, dass sich die Zahl der Neuinfektionen alle drei bis vier Wochen verdoppeln können, wenn nichts getan würde.

Aufklärung hilft offenbar

Mittlerweile hat die internationale Hilfe seinen Angaben zufolge dazu geführt, dass die drei am stärksten betroffenen westafrikanischen Länder über fünfmal mehr Betten für Ebola-Kranke verfügen als noch vor zwei Monaten. Zudem seien die Massnahmen verbessert worden, mögliche Infizierte aufzuspüren. Massive Aufklärungskampagnen in den Medien sowie Haus-zu-Haus-Besuche und die Einbindung traditioneller Führer halfen entscheidend mit.

1,5 Milliarden Euro für Hilfte nötig

All diese Faktoren «haben mich unglaublich optimistisch gestimmt, dass wir in den kommenden Monaten eine rückläufige Entwicklung sehen und im kommenden Jahr der Ausbruch hoffentlich ein Ende findet», sagte Nabarro. Er warnte aber vor einem Nachlassen der Hilfe. «Bis der letzte Fall von Ebola behandelt wurde, müssen wir in voller Alarmbereitschaft sein», sagte Nabarro.

Die UN schätzen mittlerweile, dass sie 1,5 Milliarden Euro bräuchten, um den betroffenen Ländern helfen und die dortigen Hilfseinsätze des Militärs bezahlen zu können. Bisher waren sie von einer Milliarde Euro ausgegangen, von denen die internationale Gemeinschaft bereits 700 Millionen Euro zugesagt hatte. (kpn/sda)

Erstellt: 07.11.2014, 21:21 Uhr

Manchmal seien Epidemien wie «ein Feuer, das sich wieder entzündet»: David Nabarro. (Bild: Keystone )

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