Bundesrat will nationales Krebsregister

Krebsfälle sollen landesweit registriert werden. Heute sammeln nur einige Kantone die entsprechenden Daten. Der Bundesrat erhofft sich vom Register unter anderem auch eine Verbesserung der Prävention.

Register soll die Prävention verbessern: Ein Arzt untersucht ein Röntgenbild einer weiblichen Brust.

Register soll die Prävention verbessern: Ein Arzt untersucht ein Röntgenbild einer weiblichen Brust. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der Bundesrat hofft, dass so aussagekräftige Daten zur Entwicklung der Krankheit, zu Behandlungen und zur Vorbeugung gewonnen werden können. Der Bundesrat hat beim EDI gesetzgeberische Vorarbeiten in Auftrag gegeben.

Über 35'000 Menschen in der Schweiz erkranken jedes Jahr an Krebs, mehr als 15'000 sterben jedes Jahr daran. Ein nationales Register soll Angaben liefern, wie die Fallzahlen gesenkt und welche Massnahmen wirksam sind.

Es könnte zum Beispiel Aufschluss darüber geben, ob ein Früherkennungsprogramm gegen Brustkrebs die Sterblichkeit reduziert. Solche Fragen interessieren nach Angaben des Eidg. Departements des Innern nicht mehr nur Fachleute, sondern auch die breite Bevölkerung.

Persönlichkeitsrechte wahren

Das Register soll nicht nur helfen, Krebs epidemiologisch zu überwachen und die Prävention zu verstärken. Seine Daten sollen auch die Beobachtung der Behandlungen und die Prüfung von medizinischen Leistungen erleichtern. Das Register soll zudem für die Planung der medizinischen Versorgung beigezogen werden können.

Die zu schaffenden gesetzlichen Grundlagen sollen es ermöglichen, alle neuen Fälle zu erfassen. Daten will der Bundesrat landesweit unter vereinheitlichten Bedingungen erheben lassen. Dabei sollen die Persönlichkeitsrechte der Patienten und Patientinnen gewahrt werden und auf einen sicheren Umgang mit den Daten geachtet werden.

Der Bundesrat will vorläufig nur die landesweite Erfassung von Krebs gesetzlich regeln. Wenn nötig, sollen in einer zweiten Phase auch andere Leiden wie Herzinfarkte oder Diabetes in einem Register erfasst werden.

Kantone sammeln Daten

Krebsregister gibt es in der Schweiz bereits: Die Kantone SG, AI, AR, BS, BL, GR, GL, ZH, GE, VD, NE, VS, TI und FR lassen Fälle in Register eintragen. Der Aargau - in dem Kanton stehen mehrere Atomanlagen - will ab 2011 Daten sammeln und auswerten. Weitere Kantone sind an der Planung von Registern.

Der Bundesrat will die nationale Regelung auf den bestehenden kantonalen und regionalen Registern aufbauen. Die aktuelle Aufgaben- und Finanzierungsaufteilung zwischen Bund und Kantonen werde nicht tangiert, hiess es dazu.

Gute Erfahrungen mit nationalen Krebsregistern machten Norwegen, Finnland und Island, schreibt das EDI. Dagegen werden in den USA, Deutschland, Frankreich und Italien Krebsfälle nur in ausgewählten Gebieten flächendeckend erfasst.

(pbe/sda)

Erstellt: 03.12.2010, 14:29 Uhr

Artikel zum Thema

Ein Krebsforscher eckt an

Der Vater der Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs, Harald zur Hausen, rechtfertigt sich mit einer Autobiografie gegenüber seinen Kritikern. Mehr...

Kritik an der Brustkrebsstudie

Gemäss einer Studie, die auf kantonalen Krebsregistern basiert, existieren bei Brustkrebspatientinnen grosse regionale Unterschiede in der Therapiequalität. Mehr...

Zu häufige Computertomografie kann Krebs verursachen

Das Bundesamt für Gesundheit will die Strahlendosis deutlich verringern. Eine Studie zeigt, dass das geht. Mehr...

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Blogs

Mamablog Deine Lehrstelle – meine Nerven!

Sweet Home Die Farbe, die allen gefällt

Newsletter

Kurz, bündig, übersichtlich

Sonntags bis freitags ab 7 Uhr die besten Beiträge aus der Redaktion.
Newsletter «Der Morgen» jetzt abonnieren.

Die Welt in Bildern

Kühe soweit das Auge reicht: An der traditionellen Viehschau in Schwellbrunn. (25. September 2017)
(Bild: EPA/GIAN EHRENZELLER) Mehr...