Das sind Alternativen zur «Chemie»

Erkältungen und Grippe setzen uns zu. Was hat die Komplementärmedizin dagegen anzubieten? Marita Capol Renggli gibt praktische Tipps.

Laufende Nase, Fieber, Abgeschlagenheit: Dagegen ist auch ein Kraut gewachsen. Oder mehrere.

Laufende Nase, Fieber, Abgeschlagenheit: Dagegen ist auch ein Kraut gewachsen. Oder mehrere. Bild: Fotolia

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Gesundheit und Krankheit sind die beiden äussersten Punkte einer Skala, die aussagt, wie wohl und leistungsfähig wir uns fühlen, wie gut es uns seelisch und körperlich geht. In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) bedeutet Gesundheit in erster Linie, wie flexibel wir auf äussere «Angriffe» durch Viren, Bakterien, Situationen, Mitmenschen, Wetterlagen und so weiter reagieren können. Wenn wir im Gleichgewicht sind, haben wir genügend Lebenskraft zur Verfügung, um etwaige Eindringlinge ohne übermässigen Aufwand abzuwehren. Falls nicht, brauchen wir Zeit und Geduld, um unsere Energiereserven wieder aufzubauen – und dies geschieht bei einer Krankheit durch die nötige (Bett-)Ruhe.

Für die TCM heisst Krankheit nicht, dass wir versagt haben. Nein, es gehört einfach zum Kreislauf des Lebens, dass wir uns in einem dynamischen Gleichgewicht befinden, das aus Aktivität und Passivität besteht. Und wichtig: Beide sind genau gleich viel wert!

Vorbeugende Massnahmen

Vorbeugen ist besser als heilen, heisst es. Doch der alte Ratschlag, sich im Herbst für den Winter abzuhärten, wird meistens falsch verstanden.

Es bedeutet nicht, dass man bei niedrigen Temperaturen barfuss in Sandalen oder auch sonst nur ungenügend bekleidet herumspazieren sollte. Was viel bringt – nicht nur im Herbst –, ist die massvolle Bewegung draussen, und zwar angenehm warm eingepackt. Durch das Einatmen der kalten Luft bekommt der Körper die Information, dass er sich auf «kalte Umgebung» einstellen muss.

Gut befeuchtete Nasenschleimhäute erschweren oder verhindern das Eindringen von Schnupfenviren. Deshalb hilft es, bei trockenen Nasenschleimhäuten etwas Sonnenblumenöl mit einem Finger in der Nase zu verteilen. Wem das widerstrebt, der kann auch zu einer Nasensalbe greifen. Wer schon zu Beginn der kalten Jahreszeit durch die regelmässige Einnahme eines Heilmittels für alle Fälle gerüstet sein möchte, dem empfehle ich, ab Spätherbst einmal täglich drei bis fünf Tabletten des Schüssler-Salzes Nr.3 oder ebenfalls einmal täglich drei Spraystösse Pelargonium sidoides (spagirisch) einzunehmen.

Erste Anzeichen: Was tun?

Ist trotz Vorsorge ein Ruhedefizit vorhanden, braucht es oft nur noch wenig: Kälte, Wind, hustende, niesende, schniefende Mitmenschen – schon spürt man die ersten Anzeichen: ein Kratzen im Hals, eiskalte Füsse, ein Frösteln, die Nase läuft. Meistens haben wir dann noch eine kurze Chance, das angeschlagene Gleichgewicht wiederherzustellen. Dazu ein paar Tipps:

Noch am gleichen Abend ein aufsteigendes Fussbad nehmen: Füsse in der Badewanne in einen Putzkübel stellen, mit der Duschbrause heisses Wasser in den Kübel füllen und dauernd nachfüllen bis zum Schweissausbruch (circa 15 Minuten). Gleichzeitig heissen Lindenblütentee trinken, zur Ruhe kommen und genügend schlafen.

Feurige Teemischung: Lindenblüten, fein geschnittene frische oder getrocknete Peperoncini, Pfefferkörner und frische Ingwerscheiben mit kochendem Wasser übergiessen, 10 Minuten ziehen lassen, nach Belieben mit Honig süssen und möglichst heiss trinken.

Sich selber genug wichtig nehmen und alle unliebsamen Verpflichtungen während eines Tages absagen und sich die dringend nötige Ruhe gönnen. Aha, das geht nicht? Und wenn Sie richtig krank werden und dann eine Woche lang ausfallen, was ist dann?

Selbstheilungskräfte

Pelargonium sidoides und Schüssler-Salz Nr.3 wurden bereits bei den vorbeugenden Massnahmen erwähnt, beide sind zudem bewährte Mittel dafür, bei ersten Anzeichen eines Infektes die Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Durch Ruhe wird dem Körper die Chance zum Reagieren gegeben, und durch das Zuführen von Wärme erreicht man, dass der ganze Stoffwechsel beschleunigt wird und die Kälte oder die Viren, die in den Körper eingedrungen sind, wieder hinausgearbeitet werden.

Geduld. Geduld!

Haben die Erste-Hilfe-Massnahmen nichts gebracht, gibt es vor allem eines: Das Bett hüten, Stille und Untätigkeit aushalten, viel, viel Tee trinken (am besten eine Mischung aus Linden-, Kamillen-, Holunderblüten und Honig) und zusätzlich für Schwitzen sorgen mittels einer heissen Bettflasche. Es ist unsinnig, eine Grippe abkürzen zu wollen – wir erreichen so höchstens, dass wir etwas unterdrücken, was danach im Körper als Infektionsherd weiterschwelt.

Durch das Fieber wird der Stoffwechsel beschleunigt und die Krankheitserreger «verbrannt». Deshalb darf das Fieber meist ruhig zugelassen werden.

Es macht dennoch vielfach Sinn, die Körpertemperatur für die Nacht leicht zu senken, zum Beispiel durch eine lauwarme Ganzkörperwaschung, damit Schlafen möglich ist. So gehts: Mit einem nassen Waschlappen (wichtig: Das Wasser sollte ungefähr gleich warm sein wie die aktuelle Körpertemperatur) nacheinander die nackten Beine und Arme in Richtung Herz ausstreichen, dann sofort warm zudecken. Durch die Verdunstungskälte wird eine Reduktion des Fiebers erzielt.

So lindert man Symptome

Damit die Symptome gelindert werden können, empfehle ich neben den schon erwähnten Heilmitteln folgende Massnahmen:

Die Schüssler-Salze Nr.4 (hilft gegen Verschleimung) und Nr.5 (baut die durch das Fieber entstandenen Stoffwechselgifte ab). Dampfinhalation bei Schnupfen und Husten: In einer kleinen Pfanne wenig Wasser aufkochen, vom Herd nehmen, eventuell ein paar Tropfen des pflanzlichen Inhalationsmittels Inhalant beigeben, den Kopf über die Pfanne halten und die aufsteigenden Dämpfe circa 15 Minuten lang tief einatmen.

Das Ganze ist noch wirkungsvoller, wenn Sie in den Boden eines kleinen Plastik- oder Blistersäckchens ein Loch schneiden, es über die Pfanne stülpen und dann den oben durch das Loch austretenden Dampf vorsichtig einatmen.

Zwiebeldämpfe einatmen: Rohe Zwiebel schneiden und so oft wie möglich daran riechen oder ein Schälchen mit einer aufgeschnittenen Zwiebel neben das Bett stellen.

Kartoffelwickel bei Husten und Bronchitis: Zwei bis drei frisch gekochte Kartoffeln zwischen zwei Blättern Haushaltspapier flach drücken, in ein Küchentuch einwickeln und – nachdem das Päckchen leicht abgekühlt ist – auf die Brust legen, gut zudecken. Vorsicht: Bleibt lange sehr heiss! Temperaturprüfung: Die Kartoffelkompresse vor der Anwendung mindestens eine Minute lang auf der Innenseite des nackten Unterarms testen.

Der Wickel darf so lange auf dem Brustbereich bleiben, wie er sich angenehm anfühlt.

Nur das essen, worauf wirklich Appetit besteht – bitte niemanden zum Essen nötigen, da Verdauen jene Energie verbraucht, die eigentlich für das Gesundwerden benötigt würde. Wichtig aber: Viel trinken!

Einen Arzt aufsuchen, wenn hohes Fieber (ab 39 Grad) mehr als drei Tage andauert oder sich das Befinden verschlechtert, etwa wenn starke Schmerzen beim Husten hinzukommen, Nackensteifigkeit mit Unfähigkeit, den Kopf nach vorne zu beugen, oder andere unklare Symptome oder Schmerzen. Holen Sie sich auch medizinische Unterstützung, wenn Sie Angst haben oder unsicher sind.

Rückfall vermeiden

Wenn die Grippe oder fieberhafte Erkältungskrankheit überstanden ist, nicht sofort wieder im alten Tempo weitermachen.

Der Körper braucht mindestens einen fieberfreien Tag, um sich wieder zu erholen und nicht einen Rückfall zu erleiden. Die schlechte Stimmung, die sich oft nach einer durchgemachten Erkrankung zeigt, hat möglicherweise unter anderem mit den Giftstoffen (Bakterientoxinen) zu tun, die durch das Fieber entstanden sind und im Organismus wieder abgebaut werden müssen.

Diesen Prozess kann man gut unterstützen, indem man viel Stoffwechseltee trinkt, den Körper trocken in Herzrichtung bürstet und die Schüssler-Salze Nr.6 und Nr.9 zur «Entgiftung» einsetzt.

In diesem Sinne wünsche ich: Gesundheit!

(Berner Zeitung)

Erstellt: 21.10.2013, 14:36 Uhr

Autorin

Marita Capol Renggli (50) ist TCM-Heilpraktikerin und Shiatsu-Therapeutin. Sie führt seit zehn Jahren in Luzern eine Praxis für asiatische Heilkunde. Weitere Informationen: www.asiatische-heilkunde.ch.

Schulmedizin

Grippeschutzimpfung: Wer eher auf die Schulmedizin setzt, für den ist jetzt die Zeit gekommen, sich wieder gegen Grippe zu impfen. Idealerweise tut man das von Mitte Oktober bis Mitte November. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) empfiehlt die Impfung besonders Menschen ab 65 Jahren, Chronischkranken und Personen, die viel in Kontakt kommen mit andern Menschen (Gesundheitswesen, Lehrkräfte). Die Wahrscheinlichkeit von Nebenwirkungen sei um ein Vielfaches kleiner als das Risiko von Komplikationen durch die Grippeerkrankung, schreibt das BAG. sae

Info-Tag

Am 2. November findet in Bern ein Info-Tag statt. Dort haben alle Interessierten die Möglichkeit, sich über die Methoden der Komplementärtherapie zu informieren und vor Ort eine Probebehandlung zu testen. Therapeutinnen und Therapeuten von 14 Methoden geben Auskunft – von Akupunktur über Craniosacraltherapie bis Shiatsu. Hinter dem Anlass steht der Dachverband Xund, ein Zusammenschluss von 30 komplementär-therapeutischen Berufsverbänden.sae

2.November, 10 bis 17 Uhr, Hotel Kreuz, Zeughausgasse 41, Bern.

Glossar

Die im Text erwähnten Heilmittel sind in jeder guten Drogerie oder Apotheke erhältlich. Fragen Sie beim Kauf nach der für Sie geeigneten Dosierung. Hier ein paar Erläuterungen zu etwas weniger geläufigen Heilmitteln:
Schüssler-Salze sind sogenannte biochemische Funktionsmittel, die dem Körper einen spezifischen Impuls zur Selbstheilung geben. Es handelt sich um kleine Tabletten auf Milchzuckerbasis, die einzeln gelutscht oder in heissem Wasser aufgelöst und getrunken werden können. Im Fall einer Laktoseintoleranz sind auch Schüssler-Salze in Tropfenform erhältlich. Zudem gibt es die Schüssler-Salze auch als Salben.

Pelargonium sidoides ist eine spagirische Zubereitung aus dem Extrakt der Wurzel des afrikanischen Geraniums. Pelargonium hat antivirale und antibakterielle Eigenschaften, deckt also ein breites Spektrum an Atemwegserkrankungen ab, während herkömmliche Antibiotika nur gegen Bakterien wirksam sind.

Inhalant ist ein pflanzliches Inhalationsmittel. Es ist sowohl zur Dampfinhalation als auch als Einreibemittel für Brust und Rücken geeignet. Vorsicht: Es darf nicht für Säuglinge verwendet werden.mcr

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