Der besondere Ebola-Fall Nancy Writebol

Mit ZMapp wird ein jetzt als «Geheimserum» beschriebenes Mittel gegen das tödliche Virus eingesetzt. Geht es zwei angesteckten US-Bürgern darum besser?

Auf dem Weg der Besserung: Die Missionarin Nancy Writebol mit Kindern in Liberia. (7. Oktober 2013)

Auf dem Weg der Besserung: Die Missionarin Nancy Writebol mit Kindern in Liberia. (7. Oktober 2013) Bild: AP Photo

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Das Mittel ist so neuartig, dass es noch nicht an Menschen getestet werden konnte, geschweige denn zugelassen wäre. Dennoch sind die beiden, mit dem gefährlichen Ebola-Virus in Liberia infizierten US-Bürger mit dem Medikament «ZMapp» behandelt worden. Dem 33-jährigen Arzt Kent Brantly und der 59-jährigen Missionarin Nancy Writebol geht es mittlerweile tatsächlich besser, wie die involvierten Stellen und auch Familienangehörige mitteilten.

Inwiefern daran das neuartige Mittel des Pharmakonzerns Mapp Biopharmaceutical mit Sitz im kalifornischen San Diego einen Anteil hat, kann nach Meinung von Experten jedoch nicht festgestellt werden: Immerhin haben auch schon andere Ebola-Infizierte es geschafft, sich aus eigener Kraft zu erholen.

Es gibt bisher kein Heilmittel oder einen Impfstoff gegen das gefährliche und oftmals tödliche Ebola-Virus, obwohl an verschiedenen derzeit geforscht wird. Nur die Symptome können bisher bekämpft werden: Das Virus löst eine infektiöse Fiebererkrankung aus, die von Blutungen begleitet wird. Etwa 60 Prozent der Infizierten sterben.

Erstmals im Januar als Gegenmittel identifiziert

«Ebola ist ein ziemlich verzwicktes Virus», sagte Bruce Johnson, der Präsident der Hilfsorganisation SIM USA, für die die Missionarin in Liberia arbeitete. «Einen Tag kann es Dir super gehen, den nächsten bist Du wieder unten», warnte er vor zu überhöhten Erwartungen, dass der verbesserte Zustand der beiden US-Bürger auf «ZMapp» zurückzuführen sei.

Das experimentelle Mittel war erstmals im Januar - dank eines Forschungsprogramms der US-Regierung und des US-Militärs - als mögliches Gegenmittel identifiziert worden. Es zielt darauf ab, das Immunsystem der Infizierten zu stärken und enthält Antikörper von Labortieren, die Teilen des Virus ausgesetzt waren.

Sowohl Brantly als auch Writebol bekamen den Angaben zufolge erste Dosen des Mittels in Liberia. In den USA ist die Arzneimittelbehörde FDA für die Zulassung von Medikamenten zuständig. Ob die beiden auf US-Boden ebenfalls mit dem noch nicht zugelassenen Mittel behandelt werden können, liess eine FDA-Sprecherin offen.

«ZMapp» wird weiterentwickelt

Zusätzlich zu «ZMapp» verabreichten die Ärzte Brantly eine Blutdosis eines infizierten 14-Jährigen, der in Liberia Ebola überlebte. Damit soll offenbar erreicht werden, dass Antikörper, die der Junge entwickelt haben könnte, an Brantly weitergehen. Der US-Bürger war bereits am Samstag aus Liberia ausgeflogen worden und wird seitdem im renommierten Emory Universitätskrankenhauses in Atlanta behandelt.

Heute brachte ein Spezialflugzeug auch Writebol von Monrovia aus in die USA. Sie hatte in Liberia zwei Dosen von «ZMapp» erhalten, die Frau soll ebenfalls in der Emory-Klinik behandelt werden.

Die beiden hatten sich in Liberia während ihrer Arbeit in einem Missionskrankenhaus bei Ebola-Patienten angesteckt. Dass Brantly und Writebol jetzt überhaupt das noch nicht zugelassene Mittel eher unfreiwillig «testen», ist auf eine Initiative der Hilfsorganisation Samaritan's Purse zurückzuführen, wie das US-Institut für Allergie und Infektionskrankheiten am Montag mitteilte. Für Samaritan's Purse arbeitete Brantly in Liberia.

Die Herstellerfirma selbst teilte in einer Erklärung mit, sie arbeite mit zwei weiteren Pharmakonzernen sowie der US-Regierung und der kanadischen Gesundheitsbehörde an der Weiterentwicklung von «ZMapp». Man sei mit «zuständigen staatlichen Gesundheitsbehörden» daran, die Produktion des Mittels «so schnell wie möglich zu erhöhen». Bisher gebe es nur sehr wenig von dem Mittel, erklärte Mapp Biopharmaceutical. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.08.2014, 06:53 Uhr

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