Der «soziale Jetlag» kommt die Schweiz teuer zu stehen

Eine Studie zeigt, dass Schweizer deutlich weniger schlafen als noch vor 30 Jahren. Das hat gesundheitliche, aber auch finanzielle Konsequenzen.

Im Schlaf repariert der Mensch seinen Körper: Ein Forscher und eine Probandin bei einem anderen Schlafexperiment in Frankreich.

Im Schlaf repariert der Mensch seinen Körper: Ein Forscher und eine Probandin bei einem anderen Schlafexperiment in Frankreich. Bild: Keystone

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7 Stunden und 30 Minuten pro Nacht schlafen die Schweizerinnen und Schweizer unter der Woche. Das ergab eine bisher noch nicht veröffentlichte Befragung des Zentrums für Chronobiologie der Uni Basel. Damit hat sich die Schlafdauer in den letzten dreissig Jahren um eine halbe Stunde verringert, wie die «NZZ am Sonntag» berichtet.

Die moderne Gesellschaft mit längeren Arbeitszeiten, ihrer nächtlichen Vergnügungs industrie, sozialen Netzen, Stress und ständiger Erreichbarkeit lässt die Menschen immer weniger schlafen. «Die Arbeitszeit nimmt zu, unsere Aktivitäten verlagern sich in den Abend. Wir gehen später ins Bett und stehen trotzdem nicht später auf», sagt Schlafmediziner Christian Baumann von der Universität Zürich gegenüber der «NZZ am Sonntag».

Schlafstörungen als Folge

In vielen Fällen schlägt der Schlafverzicht um in Schlafstörungen. Ein Drittel bis die Hälfte der Schweizer Bevölkerung leidet heute an solchen Problemen. Gemäss dem deutschen Schlafforscher Till Roenneberg käme es so zu einem Phänomen, das als «sozialer Jetlag» bezeichnet werden könne: Die innere Uhr, die seit Millionen von Jahren das Gleichgewicht von Aktivität und Erholung regelt, gerate so aus dem Gleichgewicht.

Die Zahl der schlafmedizinischen Zentren wächst stark. Allein in den letzten sieben Jahren haben sechs neue Zentren eröffnet. Ihre Dienste sind sehr gefragt. Die Zahl der ambulanten Behandlungen pro Zentrum stieg seit 2006 um 30 Prozent auf heute rund 1900.

Ähnliche Wirkung wie beim Alkoholkonsum

Der Schlafmangel - ob freiwillig oder unfreiwillig - hat Folgen. Übermüdung führt zu schlechterer Reaktionszeit und Sekundenschlaf. Viele von uns sollten am Freitag nicht mehr Auto fahren , sagt der Schlafforscher Christian Cajochen von der Universität Basel. Zehn Tage mit nur sechs Stunden Schlaf pro Nacht hätten dieselbe Wirkung auf den Körper wie ein Promille Alkohol im Blut.

Experten schätzen die Folgekosten von Schlafmangel auf 1,5 Milliarden Franken pro Jahr. Das Problem grassiert weltweit. Auch in anderen westlichen Industrieländern ist die Schlafdauer zurückgegangen, zum Teil dramatisch. In den USA ruht man nur noch sechseinhalb Stunden pro Nacht, in Deutschland, Grossbritannien und Frankreich sind es sieben Stunden.

(mrs)

Erstellt: 22.12.2013, 08:21 Uhr

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