«Dominante Menschen stören eine Sitzung»

Die Psychologin Isabelle Odermatt hat untersucht, weshalb Meetings oft ­Misserfolge sind und ob sie im Stehen besser verlaufen.

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Die heutige Arbeitswelt ist von Sitzungen dominiert. Leiden Sie als Forscherin selbst darunter?
Ich selbst habe viele Meetings, vor allem klassische Teamsitzungen und Besprechungen mit Studenten. Als ich früher auf einer Bank arbeitete, gab es ebenfalls viele Sitzungen. Ich bin wahrscheinlich so im üblichen Rahmen vom Thema betroffen.

Sie haben mithilfe von Befragungen untersucht, wie Teilnehmer ­Sitzungen bewerten. Was haben Sie herausgefunden?
Wenn man die Leute konkret fragt, wie sie das letzte Meeting gefunden haben, zeigt sich immer wieder, dass rund ein Drittel nach Sitzungen unzufrieden ist. Das ist doch ein beträchtlicher Teil.

Gibt es Unterschiede zum Beispiel zwischen Bankangestellten und Lehrern?
Bei unseren Befragungen haben wir Personen aus ganz verschiedenen Branchen befragt. Wir konnten dabei aber keine Unterschiede feststellen.

Warum werden Sitzungen zu einem Misserfolg?
Die Leute geben in den Befragungen eine breite Palette von Gründen an. Ein Teil dreht sich um organisatorische Probleme. Teilnehmer bemängeln zum Beispiel, dass keine klaren Ziele erkennbar oder die Sitzungsthemen irrelevant waren. Viele stören sich auch daran, wenn die Meetings nicht pünktlich beginnen und enden. Ein grosser Bereich betrifft auch Störfaktoren, die das Verhalten einzelner Teilnehmer betreffen. Zum Beispiel das dominante Auftreten einzelner Profilierungssüchtiger. Oder unangemessenes Verhalten, etwa wenn andere blossgestellt werden oder es an ­Respekt fehlt.

Braucht es eine Traktandenliste?
Verschiedene Untersuchungen zeigen, dass eine vorweg verteilte schriftliche Agenda viel bringt.

Ist es denn überhaupt möglich, dass die Leute nach einer Sitzung zufrieden sind?
Viele schätzen Meetings. Etwa wegen der sozialen Interaktion. Oder wenn sie das Gefühl haben, relevante Informationen erhalten zu haben. Auch wenn das Ganze in einem vernünftigen zeitlichen Rahmen stattfindet, werden Meetings als sinnvoller empfunden.

Gibt es eine angemessene Zahl von Sitzungen pro Woche?
Dazu existiert keine Forschung. Befragungen aus den USA zeigen einzig, dass je höher jemand in der Hierarchie steht, desto mehr Sitzungen hat er oder sie.

Seit einiger Zeit sind Sitzungen im Stehen in Mode. Bringt das etwas?
Es gibt eine konkrete Studie aus den USA, bei der Meetings im Stehen mit klassischen Sitzungen verglichen wurden. Stehsitzungen waren dabei kürzer, ohne dass die Qualität von Entscheidungen schlechter war.

Stehen ist also effizienter.
Ja, aber natürlich ist das auch abhängig vom Thema. Wenn Sie eine Stunde stehen müssen, ist das nur anstrengend, nicht effizient.

Erstellt: 20.03.2015, 17:52 Uhr

Isabelle Odermatt

Die Arbeits- und Organisations­psychologin hat ihre Dissertation zum Thema Sitzungen verfasst.

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