Ehec: Eine «sehr deutliche Spur» führt hierhin

Obwohl noch keine Laborbefunde vorliegen, warnen Experten nun vor Sprossen als möglicher Infektionsquelle. Ein Betrieb in Niedersachsen wird untersucht. Mittlerweile forderte die Darmerkrankung 21 Todesopfer.

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Für Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) steht der Ausgangspunkt der gefährlichen Darmerkrankungen in Deutschland trotz der Hinweise auf Sprossengemüse aus Niedersachsen noch nicht fest. Es gebe zwar deutliche Indizien, dass ein Betrieb aus Uelzen eine Quelle der Infektionen mit dem Ehec-Bakterium sei, sagte Bahr. Noch bestehe aber keine Sicherheit. Auch der Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung, Andreas Hensel, äusserte sich zurückhaltend. Die Grünen kritisierten das Krisenmanagement der Bundesregierung.

In Deutschland werden nach Angaben des Robert-Koch-Instituts mittlerweile 21 Todesfälle mit Ehec in Verbindung gebracht. Zunächst waren Gurken, Tomaten und Salat als mögliche Träger des Erregers genannt worden. Am Sonntag gab Niedersachsens Landwirtschaftsminister Gert Lindemann (CDU) bekannt, bei epidemiologischen Auswertungen sei ein Zusammenhang zwischen den Infektionen und Sprossen aus einem Gartenbaubetrieb im niedersächsischen Bienenbüttel festgestellt worden. Noch stützten sich die Untersuchungsergebnisse lediglich auf die Handelswege. Dennoch sei man sicher, eine «sehr deutliche Spur zu der Infektionsquelle» zu haben.

Laborergebnisse am Dienstag

Bahr sagte, noch könne keine Entwarnung gegeben werden. Zunächst müsse die Bestätigung der Labortests abgewartet werden. Diese liegen voraussichtlich am Dienstag vor.

Hensel warnte vor voreiligen Schlüssen. Die jetzigen Erkenntnisse seien ein weiteres Puzzleteil auf der Suche nach der Quelle der Infektion. Die Experten von Behörden und Instituten würden auch in den nächsten Tagen am Ursprung des Krankheitsausbruchs forschen. Doch in drei von vier Fällen würden die Quellen dieser Erreger nicht gefunden.

Der für Gesundheit und Verbraucherschutz zuständige Unions-Bundestagsfraktionsvize Johannes Singhammer (CSU) brachte ein Prüfsiegel für Gemüse ins Gespräch. Auf diese Weise sollten weitere Verluste bei deutschen Erzeugern durch die Ehec-Krise unterbunden werden. Es gehe ja nicht nur um die Erzeugung der Produkte, erläuterte Singhammer. «Eine Verseuchung könnte auch über den Vertriebsweg erfolgen. Auch darüber wissen wir leider noch zu wenig», sagte Singhammer.

Künast fordert «nationalen Kontrollplan»

Grünen-Bundestagsfraktionschefin Renate Künast forderte einen «nationalen Kontrollplan» mit einer Checkliste möglicher Übertragungswege vom Bauern über die Verarbeitung bis zum Restaurant. Bislang würden weder die Suche nach den Infektionsherden noch die Laborforschung bundesweit koordiniert. «Man kann nicht darauf warten, dass die Experten irgendwann miteinander telefoniert haben», sagte Künast.

Ihre Stellvertreterin Bärbel Höhn warf der Regierung vor, die Krise vollkommen unterschätzt zu haben. «Von den verantwortlichen Ministern war lange nichts zu hören», sagte Höhn. Die Regierung habe erst reagiert, als der Druck in der Öffentlichkeit immer grösser wurde. Höhn forderte eine bessere Koordinierung der Lebensmittelkontrollen. «Das hätte im Fall von Ehec der Bundesgesundheitsminister oder die Bundesverbraucherschutzministerin übernehmen müssen. Jeder hat die Verantwortung auf den anderen abgeschoben. Das hat die Probleme noch vergrössert», kritisierte Höhn.

Dagegen wies Singhammer Forderungen nach der Einrichtung eines zentralen Krisenstabes zurück. Sowohl der Gesundheitsminister als auch die Verbraucherschutzministerin arbeiteten eng mit allen zuständigen Behörden in Bund und Ländern zusammen. «Mehr Koordinierung geht nicht», sagte der CSU-Politiker. Wer an der Verteilung der Kompetenzen zwischen Bund und Ländern im Grundsatz rütteln wolle, der müsse die Rechtslage ändern. Das aber sei völlig unnötig.

(pbe, miw/dapd, sda)

Erstellt: 05.06.2011, 21:21 Uhr

Sprossen sollen Träger des Ehec-Erregers sein. (Video: Reuters)

Experte warnt vor voreiligen Schlüssen

Der Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR), Andreas Hensel, warnte im ZDF-«heute journal» vor voreiligen Schlüssen wonach Sprossen die mögliche Ursache der schweren EHEC-Erkrankungen in Deutschland sind. Die jetzigen Erkenntnisse seien ein «weiteres Puzzle» auf der Suche nach der Quelle der Infektion. (dapd)

Nur gekochte Sprossen essen

Sprossen sind keimende Samen von Pflanzen. Am bekanntesten sind Sojasprossen, bei denen es sich um die Sprossen der Mungobohne handelt. Die Keimlinge sind reich an Eiweiss und Vitaminen und werden gerne als Rohkost verwendet.

Allerdings sind Sprossen auch immer wieder Grund für lebensmittelbedingte Infektionen, weshalb Gesundheitsbehörden seit langem vor rohem Verzehr warnen. Vor allem bestimmte Risikogruppen - dazu gehören Kinder, Senioren, Schwangere und geschwächte Menschen - sollen Keimlinge nicht roh essen.

Denn Sprossen können Träger von Krankmachern wie Salmonellen, Noroviren und eben auch Ehec sein. In Japan waren Sprossen vor Jahren Grund für einen Ehec-Ausbruch: Nach dem Verzehr von Rettich- Sprossen erkrankten dort nach Angaben des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit mehr als 10'000 Menschen. Die Sprossen wurden demnach durch Rinder-Dung auf dem Feld verschmutzt.

Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) stellte bei einer Untersuchung fest, dass sich Keime in fertig verpackten Sprossen innerhalb weniger Tage stark vermehren können. (sda)

Salatsprossen stehen im Verdacht, Träger des Ehec-Erregers zu sein.

Auch ein Restaurant steht unter Verdacht, Ursprung des Ehec-Erregers zu sein. (Video: Reuters )

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