Ein Schritt Richtung HIV-Impfung

Zürcher Forscher haben untersucht, welche Faktoren für die Produktion bestimmter Antikörper verantwortlich sind – ein wichtiger Grundstein für die Entwicklung eines HIV-Impfstoffs.

Virus-Subtyp hat starken Einfluss auf die Antikörperbildung: Ein Antikörper (rot) bindet an die Oberfläche eines HI-Virus. (Bild: David S. Goodsell, RCSB PDB)

Virus-Subtyp hat starken Einfluss auf die Antikörperbildung: Ein Antikörper (rot) bindet an die Oberfläche eines HI-Virus. (Bild: David S. Goodsell, RCSB PDB)

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Rund ein Prozent der HIV-Infizierten bilden Antikörper, die gegen unterschiedliche Virustypen wirken. Forschende der Universität und des Unispitals Zürich haben untersucht, welche Faktoren für die Produktion solcher breitneutralisierender Antikörper verantwortlich sind. Dies ist ein wichtiger Grundstein für die Entwicklung eines HIV-Impfstoffes.

Breitneutralisierende HIV-Antikörper (bnAbs) binden an Strukturen der Virusoberfläche, die sich kaum verändern und die bei unterschiedlichen Virusstämmen identisch sind. Diese als «Spikes» bezeichneten Zucker-Protein-Komplexe sind die einzigen Oberflächenstrukturen, die vom HI-Virus selber stammen und die vom Immunsystem durch Antikörper angegriffen werden können.

4500 HIV-Infizierte untersucht

Wegen ihrer breiten Wirkung sind diese Antikörper ein vielversprechender Ausgangspunkt, um einen wirksamen Impfstoff gegen HIV zu entwickeln, wie die Universität Zürich mitteilte.

In einer umfangreichen Studie hat ein schweizweites Forscherteam nun untersucht, welche Faktoren für die Bildung von bnAbs gegen HIV verantwortlich sind. Insgesamt wurden knapp 4500 HIV-Infizierte untersucht und 239 Personen identifiziert, die solche Antikörper bilden.

Verschiedene Faktoren fördern Antikörper-Bildung

Wichtig für die Entstehung breitneutralisierender Antikörper sind zum einen drei krankheitsspezifische Charakteristika: Virusmenge, Virusvielfalt und Dauer der unbehandelten Infektion. Mit der Studie konnte zum ersten Mal gezeigt werden, dass die drei Parameter unabhängig voneinander die Entstehung von bnAbs beeinflussen.

Für das Design eines HIV-Impfstoffes sei es daher nicht zwingend alle drei Parameter zu berücksichtigen, wird Huldrych Günthard, Professor für Klinische Infektiologie der UZH, in der Mitteilung zitiert. Das sei speziell im Hinblick auf die Dauer der Impfstoffgabe wichtig - eine längere unbehandelte HIV-Infektion mit einem Impfstoff nachzuahmen, wäre unmöglich.

«Überraschender Befund»

Ein zweiter Faktor, der Einfluss auf die Bildung von bnAbs hat, betrifft die Ethnie: So bilden HIV-infizierte Menschen mit dunkler Hautfarbe häufiger Antikörper, die gegen unterschiedliche Virustypen wirken, als Menschen mit heller Haut und zwar unabhängig von den anderen in der Studie analysierten Faktoren.

Für Alexandra Trkola, Professorin für medizinische Virologie an der UZH, ist dies ein überraschender Befund, der noch näher untersucht werden muss.

Schliesslich hat als dritter Faktor auch der Virus-Subtyp starken Einfluss auf die Antikörperbildung und zwar auf die Bindungsstelle der Antikörper.

So führen HI-Viren des Subtyps B häufiger zur Herstellung von Antikörpern, die sich gegen die Region an der Virusoberfläche richten, durch die es an die menschlichen Immunzellen andockt. Andere Virus-Subtypen begünstigen die Produktion von Antikörpern, die sich an der Zuckerteil der Virus-«Spikes» heften. (woz/sda)

Erstellt: 26.09.2016, 19:15 Uhr

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