Experten warnen vor Hepatitis-Welle wegen Tattoos und Piercings

Fast 100'000 Menschen sind schweizweit mit Hepatitis-Viren infiziert. Nur jeder Zweite weiss etwas davon. Viele stecken sich beim Stechen von Tattoos oder Piercings an.

Ist die Nadel nicht genug gereinigt, können Hepatitis-Viren übertragen werden: Eine Tattoo-Künstlerin sticht an einer Convention in Holland. (1.Juni 2008)

Ist die Nadel nicht genug gereinigt, können Hepatitis-Viren übertragen werden: Eine Tattoo-Künstlerin sticht an einer Convention in Holland. (1.Juni 2008) Bild: Ed Oudenaarden/Keystone

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Experten erwarten eine starke Zunahme von schweren Lebererkrankungen bis 2030. Rund 80'000 bis 100'000 Menschen sind schweizweit mit Hepatitis-Viren infiziert, aber nur die Hälfte weiss davon. In den meisten Fällen handelt es sich um Hepatitis C.

Hepatitis C wird häufig als Erkrankung von Drogensüchtigen angesehen. In den 1980er Jahren waren tatsächlich 60 bis 80 Prozent der Neuinfizierten Drogenkonsumenten. Die Ansteckung mit Hepatitis C erfolgt meist durch Blut, etwa beim Spritzentausch, nur selten beim Sex oder von der Mutter zum Kind.

Doch viele der schätzungsweise 50'000 bis 70'000 schweizweit mit Hepatitis C Infizierten steckten sich auf anderem Weg an – zum Beispiel beim Stechen von Tattoos oder Piercings mit ungenügend sterilisierten Instrumenten oder über infizierte Blutkonserven, bevor diese ab 1990 auf die Viren getestet werden konnten.

Erste Impfung gegen Hepatitis C in der Schweiz

Am Kantonsspital St. Gallen ist erstmals in der Schweiz eine Person gegen Hepatitis C geimpft worden. Die neue Impfung soll besonders HIV-positive Menschen vor dem Virus schützen, da bei ihnen die Erkrankung meist schwerwiegender verläuft.

Die Impfung wurde im Rahmen der europäischen Studie PEACHI erstmals am 21. Juli an der Klinik für Infektiologie und Spitalhygiene des Kantonsspitals St. Gallen durchgeführt, wie das Spital am Mittwoch mitteilte. Die Klinik ist Partnerin des Konsortiums PEACHI unter der Leitung der Universität Oxford, England.

Die Studie wird unterstützt vom Forschungsprogramm FP7 der Europäischen Kommission, das eine neue Impfstoff-Strategie gegen Hepatitis C bei HIV-positiven Personen testet. Entwickelt wurde der Impfstoff von ReiThera und GlaxoSmithKline.

Schwere Leberschäden

Hepatitis C ist eine Viruserkrankung, die bei der Mehrzahl der angesteckten Personen chronisch verläuft und zu schweren Leberschäden führen kann. Bei HIV-positiven Personen verlaufe die Krankheit meist schwerwiegender, schreibt das Kantonsspital St. Gallen.

Zwar gebe es Medikamente, mit denen eine Hepatitis-C-Infektion geheilt werden könne. Diese Medikamente könnten aber aktuell «wegen der preislichen Einschränkungen nicht bei allen Personen eingesetzt werden». Zudem schützten sie nicht gegen eine erneute Ansteckung.

Spätfolgen wie Leberkrebs

In der Schweiz stagnieren seit 1992 die neuen Hepatitis-C-Fälle bei etwa 50 bis 65. Doch Folgeerkrankungen treten erst 20 bis 30 Jahre später auf, wie die Schweizer Expertengruppe für virale Hepatitis (SEVHep) mitteilte. Daher würden die schweren Lebererkrankungen aufgrund einer Hepatitis bis 2030 zunehmen.

Die chronische Virushepatitis kann zu Spätfolgen wie Leberzirrhose und Leberkrebs führen und damit tödlich enden. Oft hilft nur noch eine Lebertransplantation. Drei Viertel der Neuansteckungen verlaufen symptomlos, weshalb die wirkliche Zahl neuer Fälle laut SEVHep viel höher sein dürfte.

«Hepatitis hat vergleichbare Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit wie HIV», sagte Hepatitis-Spezialist und Mitinitiator Philip Bruggmann. Die Weltgesundheitsorganisation WHO will mit dem Welt-Hepatitis-Tag am 28. Juli auf diese Bedrohung aufmerksam machen.

Das Video zum Welt-Hepatitis-Tag am 28. Juli (slw/sda)

Erstellt: 27.07.2015, 17:43 Uhr

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