Small Talk

«Federer sollte für uns werben»

Bruno Krapf war selber Spitalpatient und hat ein Gerät erfunden, das vieles erleichtern würde.

Hat mit seiner Frau Adelheid Giezendanner einen tragbaren Infusions­flaschenhalter erfunden: Der emeritierte Uni-Professor Bruno Krapf. Foto: PD

Hat mit seiner Frau Adelheid Giezendanner einen tragbaren Infusions­flaschenhalter erfunden: Der emeritierte Uni-Professor Bruno Krapf. Foto: PD

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Ihre Erfindung ist so einfach: Statt eines Infusionsständers können Patienten mit dem Infuboy ihre Infusionsflaschen am Rücken tragen. Gibt es so etwas nicht schon lange?
Als wir 2003 unser erstes Patent eingereicht haben, klärten wir das ab. Dabei fanden wir heraus, dass es eine derartige Aufhängung für Pferde in China gibt – wobei sich die Ähnlichkeit in Grenzen hält. Sonst existiert nichts Derartiges.

Erstaunlich, dabei ist die Idee doch eigentlich völlig naheliegend.
Das hören wir auch immer wieder von Ärzten: Wieso haben wir das nicht schon längst gemacht?

Wie ist es denn zu dieser Erfindung gekommen?
Nach einer schweren Operation war ich in der Rehabilitation und bekam lange Zeit alle paar Stunden eine neue Infusion. Dabei hatte ich anfänglich Mühe, den Infusionsständer selbst über die Türschwelle zu heben. Meine Frau und ich kamen dann auf die Idee, eine Tragvorrichtung für Infusionsflaschen zu konstruieren, ähnlich dem Räff, einem Gestell, mit dem die Sennen in den Bergen alles auf dem Rücken transportierten.

Haben Sie die Vorrichtung selbst zusammengebaut?
Meine Frau ging nach Hause und zersägte am gleichen Abend Holz, konstruierte Polster und Träger mit Klettverschluss und befestigte daran eine Holzstange mit Haken. Das ging ganz schnell.

Und am nächsten Tag haben Sie die Vorrichtung gleich getragen?
Ja, sofort.

Und wie fühlte es sich an?
Sehr gut. Das Gestell gab mir plötzlich enorme Zuversicht. Das hören wir auch von anderen Patienten. Man fühlt sich weniger krank, wenn man beide Hände frei hat. Es gibt einem viel mehr Bewegungsfreiheit und man kann zum Beispiel auch alleine Treppensteigen. Als Patient wird man dadurch automatisch aktiver und bewegt sich viel mehr. Ärzte sagen uns, dass unser Gerät den Heilungsprozess beschleunigen kann.

Seit einem Jahr ist der Infuboy als Produkt erhältlich. Was hat es von der Idee zum Produkt gebraucht?
1999 hatten wir die Idee, die wir dann laufend verbesserten. 2003 machten wir die erste Patenteingabe, danach gab es bewilligte Tragversuche. Mit der Hilfe von Bastlern und Handwerkern entwickelten wir unser Gestell weiter.

Und schliesslich haben Sie eine Firma gegründet?
Zuerst wollten wir das. Es war uns dann aber zu viel. Nach langem Suchen haben wir die deutsche Firma Provita gefunden, die Produktion und Vertrieb für uns übernimmt. Jetzt hat sie gerade den Infuboy an der grossen Medtech-Messe Medica in Düsseldorf vorgestellt.

15 Jahre nach dem ersten Modell. Da mussten Sie wohl ganz schön hartnäckig sein.
Ja, das braucht Ausdauer. Jetzt muss der Infuboy nur noch bei den Spitälern bekannter werden. Am besten wäre es, wenn Roger Federer für uns Werbung machen würde. Er könnte mit beiden Händen Tennis spielen, während er den Infuboy auf dem Rücken trägt (lacht).

Erstellt: 28.11.2014, 20:11 Uhr

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