Fondue mit Kirsch – eine schwerwiegende Mischung

Dass Weisswein und Kirsch zum Käsefondue die Verdauung ankurbeln, ist ein Ammenmärchen. Das zeigt eine Studie von Forschern des Universitätsspitals Zürich.

Kirsch zum Fondue mag die Stimmung anheizen, nicht aber die Verdauung: Frau beim Fonduegenuss.

Kirsch zum Fondue mag die Stimmung anheizen, nicht aber die Verdauung: Frau beim Fonduegenuss. Bild: Keystone

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Wer Alkohol wie Kirsch oder Weisswein zum Fondue ist, muss mit Verdauungsproblemen rechnen: Der Alkohol bewirkt, dass der Käse mehrere Stunden länger im Magen liegen bleibt als bei Teetrinkern.

Was trinkt man zum Käsefondue? Diese Frage wird in der kalten Jahreszeit in vielen Schweizer Haushalten heiss diskutiert. Die einen schwören auf Weisswein, die anderen bevorzugen Schwarztee. Und manch ein Feinschmecker empfiehlt, nach dem fettreichen Essen ein Gläschen Schnaps zu trinken, um die Verdauung zu fördern.

Forscher des Universitätsspitals Zürich um Michael Fried und Mark Fox gingen diesem Volkswissen nun auf den Grund. Sie liessen 20 Probanden zweimal - an verschiedenen Tagen - ein Fondue essen. Die eine Hälfte trank dazu drei Deziliter Fendant, die andere drei Deziliter Schwarztee. Nach dem Essen gabs entweder ein Gläschen Kirsch oder Wasser.

Träger Magen

Vor, während und nach dem Essen machten die Ärzte alle 15 Minuten einen Atemlufttest mit den Probanden. Sie massen so ein spezielles Kohlenstoffisotop, das sie in winzigen Mengen ins Fondue gemischt hatten. Mit diesem anerkannten Test lasse sich berechnen, wie das Essen vom Magen in den Dünndarm gelange, sagte Fried auf Anfrage.

Wie die Forscher im angesehenen Fachmagazin «British Medical Journal» berichten, verlangsamte der Alkohol diese Magenentleerung rapide: Probanden, die Tee und Wasser tranken, hatten nach sechs Stunden die Hälfte des Fondues aus dem Magen geschafft. Mit Wein und Schnaps war dies erst nach über neun Stunden der Fall.

Dass Weisswein und Kirsch das fördere, was der Volksmund gemeinhin unter Verdauung verstehe, sei also ein Ammenmärchen, sagte Fried. Im Gegenteil: Je mehr Alkohol eine Person trinke, desto langsamer gelange ihr Essen vom Magen in den Dünndarm. Dieses Resultat könne auch auf andere deftige Mahlzeiten übertragen werden.

Keine Verdauungsprobleme

Auf welche Art Wein und Schnaps die Magenentleerung verlangsamen, ist laut Fried nicht geklärt. Bestimmte Inhaltsstoffe könnten zum Beispiel am Dünndarm andocken, der dann dem Magen signalisiere, sein Arbeitstempo zu drosseln. Klar sei aber, dass ein voller Magen zu einem unangenehmen Völlegefühl oder zu Sodbrennen führen könne.

Allerdings fanden die Forscher in ihrer Studie keine Anzeichen, dass der Alkoholgenuss auf das subjektive Wohlbefinden der Probanden drückte. In standardisierten Befragungen klagten die Teilnehmer bei Wein und Schnaps nicht öfter über Verdauungsprobleme wie Blähungen oder Sodbrennen als bei Tee und Wasser.

Die Wissenschaftler ziehen deshalb einen für alle Weinliebhaber beruhigenden Schluss: Für den Magen-Darm-Trakt ist es zwar von Vorteil, zum Fondue Schwarztee zu trinken. Aber gesunde Menschen könnten auch weiterhin zum Fondue das Getränk ihrer Wahl geniessen, ohne sich über Verdauungsschwierigkeiten Gedanken machen zu müssen.

(mrs/sda)

Erstellt: 14.12.2010, 15:47 Uhr

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