Forscher erschaffen Hautersatz

Eine Entdeckung von Zürcher Forschern könnte Hauttransplantationen in Zukunft viel einfacher machen.

Liessen Hautzellen in einem Gel heranwachsen: Die Forschergruppe um Ernst Reichmann (Mitte). (Bild: Marc Latzel/UZH News)

Liessen Hautzellen in einem Gel heranwachsen: Die Forschergruppe um Ernst Reichmann (Mitte). (Bild: Marc Latzel/UZH News)

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Forscher des Kinderspitals Zürich konnten erstmals im Labor einen menschlichen Hautersatz heranzüchten, der auch Blut- und Lymphgefässe enthält. Sie hoffen, dass dies zu besser verheilenden Hauttransplantaten nach grossflächigen Verbrennungen führen wird.

Um grosse Narben zu vermeiden, transplantieren Ärzte bei schweren Brandwunden Haut von einer anderen Körperstelle des Patienten. Diese könne aber nur auf sehr begrenzter Fläche entnommen werden, da dabei neue Wunden entstehen, wie die Universität Zürich mitteilte.

Lymphgefässe leiten Flüssigkeit ab

Seit einiger Zeit stellt das Team des Kinderspitals einen aus Oberhaut und Unterhaut bestehenden Hautersatz her, der zurzeit klinisch erprobt wird. Nun ist es ihnen gelungen, im Labor ein noch komplexeres Organ zusammenzusetzen, das erstmals auch Blut- und Lymphgefässe enthält, wie sie im Fachjournal «Science Translational Medicine» berichten.

Der Hautersatz sei der Vollhaut ähnlich, erklärte Martin Meuli, Leiter der Chirurgischen Klinik, in der Mitteilung. Lymphgefässe sind für Hauttransplantate wichtig, weil sie Flüssigkeit aus dem Gewebe ableiten, die das Anheilen der Ersatzhaut verhindern kann. Blutkapillaren versorgen die Haut mit Nährstoffen und Sauerstoff.

Funktionstüchtige Gefässe

Die Forscher um Ernst Reichmann, Leiter der Gewebeforschungsgruppe, isolierten menschliche Blut- und Lymphgewebezellen und liessen sie zusammen mit Hautzellen in einem Gel heranwachsen. Den so entstandenen Hautersatz transplantierten sie auf haarlose Ratten. Tatsächlich verbanden sich die Lymphgefässe mit denen in der Haut der Tiere und leiteten Flüssigkeit aus dem Gewebe ab. Auch menschliche Blutkapillaren waren gewachsen.

Funktionierende Lymphgefässe in Hautersatz seien neu, erklärte Reichmann. «Wir gehen davon aus, dass Hautersatz mit Lymph- und Blutgefässen in Zukunft sowohl die Ansammlung von Gewebsflüssigkeit verhindern, als auch eine rasche Blutversorgung des Transplantats gewährleisten kann.»

Eine erste klinische Anwendung dieses komplexen Hautersatzes sei für das Jahr 2014 vorgesehen, schrieb die Universität. Dieser würde jedoch noch keine Blut- und Lymphgefässe enthalten, da dafür zuerst noch die Zulassung erfolgen müsse. (fko/sda)

Erstellt: 30.01.2014, 14:27 Uhr

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