Small Talk

«Früher sprach man von einer Raucherlunge»

Für Mediziner Milo Puhan gibt es nach der Diagnose der Lungenerkrankung COPD nur eine Konsequenz.

«Rauchstopp, Rauchstopp und nochmals Rauchstopp»: Der Epidemiologe Milo Puhan weiss, wie man auf die Diagnose COPD reagieren sollte. Foto: PD

«Rauchstopp, Rauchstopp und nochmals Rauchstopp»: Der Epidemiologe Milo Puhan weiss, wie man auf die Diagnose COPD reagieren sollte. Foto: PD

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die meisten Leute verdrehen die Augen, wenn die Rede ist vom Zungenbrecher «chronisch obstruktive Lungenkrankheit», kurz COPD. Dabei ist die Erkrankung die vierthäufigste Todesursache weltweit. Wieso weiss dies kaum jemand?
Das hat verschiedene Gründe. Einer davon dürfte sicher sein, dass die Bezeichnung COPD etwas umständlich und eigentlich erst seit 15 bis 20 Jahren etabliert ist. Früher sprach man von chronischer Bronchitis oder Raucherlunge.

Da wüssten alle, was gemeint ist.
Das stimmt. Die Bezeichnung ist jedoch nicht genügend präzis, denn man kann COPD auch ohne Rauchen bekommen. In der Dritten Welt sind Kochstellen in Innenräumen die Hauptursache. In der Schweiz sind aber tatsächlich über 90 Prozent der Betroffenen Raucher.

Besteht ein direkter Zusammenhang zwischen der Anzahl gerauchter Zigaretten und COPD?
Die Wahrscheinlich steigt, wenn man mehr geraucht hat. Aber warum am Ende jemand COPD bekommt und ­jemand anderer Lungenkrebs oder eine Herz-Kreislauf-Erkrankung, versteht man noch nicht wirklich. Genetische Ursachen spielen da sicher eine Rolle. Viele Raucher bekommen ohnehin gleich mehrere dieser Erkrankungen.

Wie äussert sich COPD?
Chronische Entzündungen reizen die Bronchien und machen die Lungenbläschen kaputt. Das Problem ist, dass sich dies schleichend entwickelt. Dabei entwickelt sich nicht immer gleich ein chronischer Husten. Bei vielen äussert sich COPD schon früh in einer verringerten körperlichen Leistungsfähigkeit. Das bemerken die Patienten nicht, weil sie ihr Verhalten unbewusst über die Jahre anpassen. Das Gleiche gilt bei der Kurz­atmigkeit. Betroffene meiden einfach zunehmend entsprechende Situationen.

Wie findet man heraus, ob jemand betroffen ist?
In der Regel, wenn der Patient als langjähriger Raucher chronisch hustet. Bei diesen Personen sollte der Hausarzt gleich einen Lungenfunktionstest durchführen.

Was kommt nach der Diagnose?
Rauchstopp, Rauchstopp und nochmals Rauchstopp.

Bilden sich die Schäden zurück?
Nein, aber man kann das Fortschreiten verlangsamen. Ein Rauchstopp ist dafür extrem wichtig. Die zweite wichtige Massnahme ist: aktiv bleiben. Körper­liches Training bringt enorm viel.

Sie forschen zu Tests, mit denen sich der Krankheitsverlauf vorhersagen und eine Therapie finden lässt.
Testen der körperlichen Leistungsfähigkeit, der Lungenfunktion und Erfassen der Beschwerden sind wichtig. Überraschenderweise ist ein einfacher Test zuverlässig. Der COPD-Patient muss dabei einfach eine Minute lang aufstehen und absitzen. Danach lässt sich viel über seine Gesundheit aussagen.

Heute, 4.10.2014, veranstaltet das Universitätsspital Zürich um 16 Uhr einen öffentlichen Vortrag zu COPD.

Erstellt: 03.10.2014, 19:01 Uhr

Milo Puhan

Der Epidemiologe ist seit einem Jahr Direktor des Instituts für Epidemiologie, Biostatik und Prävention der Universität Zürich.

Artikel zum Thema

Lungenkrebs-Screening für Raucher

Schweizer Fachärzte möchten erstmals ein Früherkennungsprogramm für Lungenkrebs einführen. Damit sollen die Heilungschancen der heute oft erst spät entdeckten Tumore verbessert werden. Mehr...

Für die Nikotinopfer bezahlen vor allem die Raucher

Mehr als 23 Milliarden Dollar soll die Witwe eines Kettenrauchers bekommen. Die Tabakindustrie kann das Urteil in Florida leicht wegstecken. Mehr...

Gebildete greifen häufiger zur Flasche – und meiden Zigaretten

Das Schweizer Suchtmonitoring erkennt einen Zusammenhang zwischen Bildungsgrad und Wahl des Suchtmittels. Raucher sind demnach häufiger in den tieferen Bildungsschichten anzutreffen. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Die Welt in Bildern

Man soll die Feste feiern, wie sie fallen: Menschen in «Txatxus»-Kostümen nehmen am traditionellen ländlichen Karneval in Lantz, Nordspanien, teil. (24. Februar 2020)
(Bild: Villar Lopez) Mehr...