Gefährlicher Erreger an der Adria

In Italien kämpfen Regionen gegen das West-Nil-Virus. Die Hitze könnte dessen Ausbreitung fördern.

Seit einigen Jahren taucht das West-Nil-Virus regelmässig in Südeuropa auf: Badestrand in Rimini. Foto: iStock

Seit einigen Jahren taucht das West-Nil-Virus regelmässig in Südeuropa auf: Badestrand in Rimini. Foto: iStock

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In diesem Jahr wurden bereits 20 Menschen in Nordostitalien infiziert, ein 77-jähriger Mann starb am vergangenen Wochenende wahrscheinlich infolge einer Infektion mit dem Erreger. Laut Medienberichten haben die lokalen Behörden Schwierigkeiten, den Ausbruch unter Kontrolle zu bringen.

Infizierte Mücken übertragen den Erreger des West-Nil-Fiebers auf Vögel, Pferde und Menschen. Obwohl in drei Regionen Venetiens bereits Programme zur Bekämpfung der Mücken angelaufen sind, werden dort noch immer Blut saugende Insekten gefunden, die das Virus in sich tragen.

Mehrere Fälle in EU-Ländern

Die meisten Menschen bemerken eine Infektion mit dem 1937 erstmals beschriebenen Virus gar nicht. Nur einer von fünf infizierten Menschen entwickelt grippeähnliche Symptome. Schwere Komplikationen, die zum Tod führen können, erleidet laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Durchschnitt einer von 150 Infizierten.

Der Erreger taucht seit einigen Jahren regelmässig in Ost- sowie in Südeuropa auf. Dem Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) wurden bis zur vergangenen Woche 37 West-Nil-Fälle aus EU-Ländern gemeldet.

Allerdings treten in diesem Jahr die ersten Infektionen «früher als erwartet auf», sagt Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg. Bei den gegenwärtig herrschenden hohen Temperaturen kann sich das Virus in den Mücken sehr schnell vermehren, was die Ausbreitung beschleunigt. In früheren Jahren stiegen die Infektionszahlen erst im August.

Sprung in den Norden ist realistisch

Irgendwann könnte der Erreger den Sprung über die Alpen schaffen. In Deutschland heimische Mücken sind in der Lage, das Virus zu übertragen. Die anhaltend hohen Temperaturen im Norden bereiten Schmidt-Chanasit deshalb «sehr grosse Sorgen».

Der West-Nil-Erreger ist dabei aber nur ein Problem. Andere tragen unheilvolle Namen wie Dengue, Chikungunya oder Usutu-Virus.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.08.2018, 17:44 Uhr

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