Jedes fünfte Schweizer Kind ist zu dick

19 Prozent der Schweizer Kinder sind übergewichtig. Weltweit könnte der Anteil der Fettleibigen bis 2022 jener der Untergewichtigen übertreffen.

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Die Zahl fettleibiger und übergewichtiger Kinder steigt weltweit rasant. In der Schweiz ist das Problem nicht so gross: 7 Prozent der Jungen und jungen Männer bis 19 Jahre sind fettleibig, bei den Mädchen und jungen Frauen 4,6 Prozent.

Übergewichtig sind indessen 19 Prozent der Schweizer Kinder, wie aus Zahlen des Bundesamts für Statistik hervorgeht. Hier zeigen sich aber Erfolge.

Wie ein Monitoring ergab, waren mit jedem sechsten vor allem weniger Kindergartenkinder zu schwer. Bei allen erfassten über 12'000 Kindern in Basel, Bern und Zürich ergab sich im Schuljahr 2015/16 ein Rückgang des Body-Mass-Indexes um 0,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

41 Prozent der Schweizer betroffen

Bei den Erwachsenen liegt die Schweiz mit einem Anteil von 10,3 Prozent Fettleibiger in 29 von einer OECD-Studie erfassten Ländern im Mittel. Fettleibig oder übergewichtig sind aber 41 Prozent der Bevölkerung, wie das Bundesamt für Statistik herausfand. Dabei sind doppelt so viele Männer betroffen wie Frauen.

Weltweit haben acht Prozent der Jungen und sechs Prozent der Mädchen mit gravierendem Übergewicht zu kämpfen. Das sind zehnmal so viele wie noch vor vierzig Jahren. Während 1975 weltweit etwa elf Millionen 5- bis 19-Jährige fettleibig waren, waren es im vergangenen Jahr 124 Millionen oder 1,25 Prozent dieser Altersklasse.

Das berichten die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das Imperial College London zum Welt-Adipositas-Tag am 11. Oktober im Fachblatt «The Lancet». Weitere 123 Millionen Kinder seien übergewichtig. Wenn es so weitergeht, übertrifft der Anteil übergewichtiger bis 2022 den Anteil untergewichtiger Kinder.

Bevölkerungswachstum nicht schuld

90 Prozent der Zunahme seien darauf zurückzuführen, dass mehr Kinder deutlich übergewichtig sind, nur zehn Prozent auf die wachsende Bevölkerungszahl, sagte Hauptautor Majid Ezzati vom Imperial College.

«Eine erschütternde Veränderungsrate», sagte Fiona Bull von der WHO in Genf. Werbung für ungesunde Snacks, hohe Preise für gesunde Nahrungsmittel, weniger Bewegung – diese Faktoren hätten zu dem Trend beigetragen.

Stagnation auf hohem Niveau

In Ländern mit hohem Einkommen stiegen die Zahlen zwar nicht weiter, verharrten aber auf viel zu hohem Niveau. Alarmierend sei der Anstieg in ärmeren Ländern und solchen mit mittleren Einkommen, darunter in den bevölkerungsreichen Ländern China und Indien.

Dramatisch ist die Situation in den USA mit 23,3 Prozent adipöser Jungen und 19,5 Prozent stark übergewichtiger Mädchen. Untergewicht durch Mangelernährung ist dagegen vor allem in südostasiatischen Ländern wie Indien oder in einigen Staaten Afrikas ein grosses Problem. Diese Zahl geht nur geringfügig zurück.

Diverse Krankheiten sind die Folge

Die WHO gibt Empfehlungen, um Fettleibigkeit in der Kindheit zu beenden: Behörden in aller Welt müssten Familien besser über gesunde Ernährung aufklären, junge Mütter animieren, mindestens sechs Monate lang ausschliesslich zu stillen, in Schulkantinen gesünderes Essen anbieten und mehr Sportmöglichkeiten für Kinder schaffen.

Wer heute mit 60 fettleibig sei, habe meist im Alter von etwa 20 Jahren zugenommen, sagte Ezzati. Künftige Generationen seien schon im Kindesalter übergewichtig gewesen. «Je länger die Menschen zu hohes Gewicht haben, desto mehr Gesundheitsprobleme haben sie», erklärte er.

Verdopplung seit 1980

Folgen der Fettleibigkeit seien ein höheres Risiko für Diabetes, Krebs oder Schlaganfälle, bei Kindern zudem auch Mobbing in der Schule und Ausgrenzung im Jugendalter, sagte Bull. Die Kosten für Interventionsprogramme seien deutlich niedriger als die der Behandlung von Problemen durch Übergewicht.

Für die Studie haben die Autoren Gewicht und Grösse von fast 130 Millionen Menschen analysiert, darunter 31,5 Millionen zwischen fünf und 19 Jahren.

In der Gesamtbevölkerung hat sich die Verbreitung von Übergewicht und Fettleibigkeit nach früheren WHO-Studien zwischen 1980 und 2014 mehr als verdoppelt. Für die Einordnung wird der sogenannte Body-Mass-Index zugrunde gelegt. Berechnet wird er so: das Körpergewicht geteilt durch das Quadrat der Körpergrösse. 25 gilt als normal, 25 bis 30 als übergewichtig, 30 und mehr als fettleibig. (oli/sda)

Erstellt: 11.10.2017, 01:42 Uhr

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