Künstliche Süssstoffe unter der Lupe

Künstliche Süssstoffe sind offenbar schädlicher als angenommen. Was die Lebensmittelbehörden nun unternehmen und was die neuesten Erkenntnisse für die Light-Produkte von Rivella, Coca-Cola & Co. bedeuten.

Grosse Trinkmengen werden nicht empfohlen: Ein Mann nimmt eine Flasche Coca-Cola zero aus einem Kühlschrank.

Grosse Trinkmengen werden nicht empfohlen: Ein Mann nimmt eine Flasche Coca-Cola zero aus einem Kühlschrank. Bild: Reuters

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Eigentlich sollten sie die Fettleibigkeit bekämpfen und Diabetes verhindern: künstliche Süssstoffe, die im Gegensatz zu Zucker wenige bis keine Kalorien besitzen. Die in Lightprodukten eingesetzten Süssstoffe sind offenbar doch schädlicher als bisher angenommen. Dies besagt eine im «Nature Magazine» veröffentlichte Studie des Weizmann Institute of Science in Israel (wir berichteten). Die geprüften Substanzen – Aspartam, Saccharin und Sucralose – sollen zum einen die Darmflora negativ verändern und zum anderen zu Glukose-Intoleranz führen – einer Vorstufe zu Diabetes.

Besagte Süssstoffe sind auch in beliebten Getränken von Herrn und Frau Schweizer enthalten. So ist Rivella grün mit Sucralose versetzt, in den USA auch bekannt als Splenda. In der Schweiz ist der Stoff seit rund acht Jahren zugelassen und etwa in Eistee, Lightjoghurt, Fruchtsaft, Kaugummis und Zahnpasta enthalten. Sucralose wird aus Zucker hergestellt, jedoch wird während der Produktion Chlor beigefügt. Das Resultat ist eine organische Chlorverbindung; eine Stoffklasse, die laut Kritikern für ihre Giftigkeit bekannt ist.

Nur zugelassene Stoffe

Beim Getränkehersteller Rivella im aargauischen Rothrist hat man die Studie «zur Kenntnis genommen», wie Sprecherin Monika Christener auf Anfrage sagt. «Alle in unseren Produkten verwendeten Süssungsmittel sind von den europäischen Lebensmittelbehörden als unbedenklich eingestuft und vom Gesetzgeber zugelassen.» Selbstverständlich halte man die zugelassenen Höchstwerte ein und deklariere die entsprechenden Inhaltsstoffe offen und transparent.

Einer der untersuchten Stoffe, Aspartam, ist auch in Coca-Cola light und zero enthalten. Ob man wegen der neuen Studienresultate Verkaufseinbussen bei diesen Produkten befürchte, dazu äussert sich die in Brüttisellen ZH ansässige Coca-Cola Schweiz nicht. Laut Sprecher Matthias Schneider verwendet man jedenfalls bei allen Produkten ausschliesslich Inhaltsstoffe, die vom Gesetzgeber zugelassen sind. Diese würden transparent deklariert.

Doch nicht so sicher?

Und was meint die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA? Noch im vergangenen Dezember kam sie zum Schluss, dass der Konsum von Aspartam sicher sei «in den derzeitigen Expositionsmengen». Demnach gebe es keine Sicherheitsbedenken bei der Aufnahme von Aspartam und seinen drei Bestandteilen Phenylalanin, Methanol und Asparaginsäure, erst in sehr hohen Konzentrationen wirkten sie toxisch. Der Beurteilung der EFSA-Experten schliesst sich auch das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) an.

Die neuste Studie wird, wie auch künftige Studien zum Thema, von der EFSA genau überprüft. Eine komplette Neubeurteilung der Süssstoffe sei zum jetzigen Zeitpunkt jedoch nicht vorgesehen, sagt ein Sprecher auf Anfrage. Dies könnte sich jedoch ändern, wenn sich aufgrund weiterer Studien der Verdacht erhärten würde, dass die Süssstoffe für den menschlichen Organismus schädlich sind.

Wie gesund ist Stevia?

In den letzten Jahren ist auch der Süssstoff Stevia respektive Steviolglycosid aufgekommen, der aus einer Pflanze gewonnen wird. Coca-Cola Life, das vor Kurzem in Grossbritannien und Schweden lanciert wurde und mit grünen Etiketten versehen ist, enthält neben Zucker auch Stevia. Ob Letzteres den Zuckeranteil im Getränk einst gänzlich ersetzen soll, beantwortet Coca-Cola nicht. In Sprite und einigen Nestea-Sorten – beide Marken bei Coca-Cola erhältlich – ist Stevia ebenfalls zu finden. Coca-Cola schliesst nicht aus, den Süssstoff auch bei anderen Produkten einzusetzen.

Ob Stevia wegen der pflanzlichen Herkunft gesünder ist als ein künstlich hergestelltes Produkt, sei dahingestellt und müsse untersucht werden, sagt ETH-Ernährungswissenschaftlerin Isabelle Herter-Aeberli im Interview mit Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Um das Süssstoffpulver herzustellen, würden die Blätter sehr stark verarbeitet und der Süssstoff extrahiert. «Ob das noch natürlich ist, ist fraglich.» Bis anhin habe man bei Stevia jedenfalls keine negativen Auswirkungen wie etwa ein erhöhtes Risiko für Krebserkrankungen festgestellt, so Herter. Allerdings sei die Auswirkung auf die Darmflora jedoch noch nicht untersucht worden. Deshalb plädiert die Ernährungswissenschaftlerin für einen massvollen Einsatz von Süssstoffen.

Erstellt: 18.09.2014, 19:19 Uhr

Artikel zum Thema

«Stevia ist auch nicht natürlich»

Künstliche Süssstoffe können das Diabetesrisiko erhöhen, so eine Studie. Was sagen die Resultate wirklich aus? Dazu Ernährungswissenschaftlerin Isabelle Herter-Aeberli. Mehr...

Künstliche Süssstoffe machen krank

Sie sollen Fettleibigkeit bekämpfen oder helfen, die Blutzuckerwerte zu normalisieren. Eine Studie zeigt nun, dass künstliche Süssstoffe genau das Gegenteil bewirken. Mehr...

Süssstoff Stevia wird zugelassen

Noch ist die Steviapflanze zum Süssen von Lebensmitteln verboten. Nicht mehr lange. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Werbung

Weiterbildung

Ausbildung & Weiterbildung Finden Sie die passende Weiterbildung Technischer Kaufmann, Deutsch lernen, Coaching Ausbildung, Präsentationstechnik, Persönlichkeitsentwicklung

Kommentare

Weiterbildung

Gamen in der Schule

Die Schule bereitet Kinder auf die Arbeitswelt vor. Das Rüstzeug soll auch spielerisch vermittelt werden.

Die Welt in Bildern

Klimawand: Andres Petreselli bemalt in San Francisco eine Hausfassade mit einem Porträt von Greta Thunberg. (8. November 2019)
(Bild: Ben Margot) Mehr...