Hintergrund

LSD-Studie verlief «gut und ohne schlechte Trips»

Ein Schweizer Psychiater hat die weltweit erste Patientenstudie mit LSD abgeschlossen. Der psychoaktive Stoff erwies sich als wirksam und komplikationsfrei. Eine Anwendung ist dennoch nicht in Sicht.

Ein Einsatz als Medikament ist nicht absehbar: LSD-Pillen.

Ein Einsatz als Medikament ist nicht absehbar: LSD-Pillen. Bild: Science Source/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Es ist seit über 30 Jahren die erste klinische Studie mit der halluzinogenen Droge Lysergsäurediethylamid, kurz LSD. Nach Exzessen in der Hippie-Zeit wurde die Substanz in den 1970er-Jahren international so vollständig verboten, dass selbst seriöse medizinische Forschung nicht mehr möglich war. Peter Gasser konnte seine nun abgeschlossene LSD-Studie nur dank einer Sondergenehmigung vom Bund im Jahr 2007 starten.

Am Dienstag veröffentlichte der Solothurner Psychiater die Resultate im Fachblatt «Journal of Nervous and Mental Disease». In jeweils zwei achtstündigen Psychotherapiesitzungen behandelte er zwölf Patienten, die wegen Krebs an Angststörungen litten. Acht von ihnen erhielten dabei jeweils LSD verabreicht, die restlichen vier ein wirkungsloses Placebo. Gassers Fazit ist rundweg positiv: «Die Studie verlief gut und ohne schwere Zwischenfälle wie Hospitalisationen oder schlechte Trips», sagt er gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Soweit sich das mit der geringen Probandenzahl überhaupt sagen lässt, war die Therapie auch wirksam: «Bei den mit LSD behandelten Patienten sanken die Angstparameter deutlich stärker und schneller.» Therapiert wurden ausschliesslich todkranke Patienten, die nicht an schweren psychiatrischen Krankheiten litten.

Folgeprojekt fehlt

«Die Türe wäre nun offen für ein neues LSD-Projekt», ist der Solothurner Psychiater überzeugt. «Insbesondere in der Schweiz sind für solche Studien die Restriktionen nicht mehr so stark wie früher.» Schwächer geworden ist auch die anfängliche Fundamentalkritik von Psychiatriekollegen, die den Einsatz von Drogen in der Psychotherapie für gefährlich halten. Gasser selber will die LSD-Therapie allerdings nicht mehr weiterverfolgen, aus Kapazitätsgründen, wie er sagt. Für ihn als frei praktizierenden Psychiater sei die LSD-Studie ein Riesenprojekt gewesen. Trotz der finanziellen Unterstützung der amerikanischen Stiftung Multidisciplinary Association for Psychedelic Studies (Maps) musste er das meiste in seiner Freizeit erledigen. «Wenn ein Geldgeber mir ein 40-Prozent-Pensum finanzieren würde, wäre ich sofort wieder dabei.»

Doch auch andere wollen die LSD-Therapie nicht weiterverfolgen. «Es läuft nur ein wenig Grundlagenforschung zu LSD, weitere Projekte mit LSD und Psychotherapie sind hingegen weltweit nicht in Aussicht», sagt Gasser. Er vermutet vor allem wegen des nach wie vor schlechten Rufs der Droge. «LSD ist immer noch ein heisses Eisen.» Forscher haben sich auf LSD-ähnliche Substanzen verlegt, insbesondere Psilocybin, einer halluzinogene Substanz aus Pilzen («Magic Mushrooms»). Im Gehirn wirkt die Substanz sehr ähnlich wie LSD, die Hauptwirkdauer ist jedoch mit bis zu drei Stunden nur rund ein Drittel so lang. Untersucht wird unter anderem die Wirksamkeit bei Depressionen, Suchterkrankungen oder Angststörungen.

Erstellt: 05.03.2014, 17:33 Uhr

Artikel zum Thema

LSD und Ecstasy – der Stoff, aus dem die Träume werden

Sowohl LSD als auch Ecstasy haben ein grosses therapeutisches Potenzial. Wichtiger als die Substanz ist jedoch die Therapie. Mehr...

Mit LSD gegen Depressionen

Bewusstseinsverändernde Drogen sollen bei Behandlung bestimmter psychischer Krankheiten helfen. Zu diesem Schluss kommen zwei Schweizer Forscher. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Newsletter

Der ideale Start in den Tag

Sie wollen täglich die besten Beiträge aus der Redaktion?
Dann abonnieren Sie jetzt unseren Newsletter «Der Morgen».

Die Welt in Bildern

Grosstransport: Ein vietnamesischer Mann befördert eine Vielzahl an Gütern mit seinem Motorrad durch die Stadt Hanoi. (22. Juli 2019)
(Bild: Minh Hoang / EPA) Mehr...