Langschläfer sind so eingeschränkt wie Übermüdete

Eine kanadische Studie zeigt, wie viel Schlaf für das Hirn optimal ist – egal in welchem Alter. Profitieren kann man davon schon nach einer Nacht.

Wie viel Schlaf ist optimal? Die Wissenschaftler der kanadischen Western University haben herausgefunden, wann das Hirn die besten Leistungen erzielt: Über alle Tests gesehen nach <nobr>7 Stunden und 23 Minuten</nobr> Schlaf. (Keystone/Tamedia)

Wie viel Schlaf ist optimal? Die Wissenschaftler der kanadischen Western University haben herausgefunden, wann das Hirn die besten Leistungen erzielt: Über alle Tests gesehen nach 7 Stunden und 23 Minuten Schlaf. (Keystone/Tamedia)

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Die optimale Lösung dürfte irgendwo zwischen dem Apple-Chef Tim Cook und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin liegen. Cook hat sich bereits öfter als notorischer Wenigschläfer geoutet, seine E-Mails beantwortet er am liebsten um vier Uhr in der Früh. Putin hingegen gilt als berüchtigter Langschläfer, vor dem Mittag kommt er angeblich kaum in die Gänge. Besonders vorteilhaft ist beides nicht.

Für die Machtmenschen Putin und Cook wie auch für alle anderen Zeitgenossen wäre es deutlich besser, solche Extreme zu meiden. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie im Fachmagazin «Sleep». Die Dauer einer optimalen Nachtruhe liegt demnach zwischen sieben und acht Stunden. Wer länger oder kürzer ins Reich der Träume abtaucht, muss tagsüber auf einen Grossteil seiner Gehirnleistung verzichten.

Über 10’000 Personen untersucht

Wissenschaftler der Western University in London in der kanadischen Provinz Ontario haben das Schlafverhalten von über 10’000 Personen untersucht. Die Teilnehmer wurden nach ihrer individuellen Schlafzeit befragt. Anschliessend mussten sie sich einem umfangreichen Onlinetest unterziehen. (siehe Infobox)

Überprüft wurden unter anderem logisches Denken, die Erinnerungskraft und verbale Fähigkeiten. «Die Leute haben uns ziemlich viel über sich verraten», sagt der Neurowissenschaftler Adrian Owen.




Nach welcher Schlafdauer die Probanden die besten Ergebnisse in den Tests erzielten: für logisches Denken nach 7:10, bei den Sprachfähigkeiten nach 7:26, insgesamt nach 7:23. Wer zu wenig oder zu viel schlief, fiel bei den Tests ab. Nur beim Kurzzeitgedächtnis zeigten sich keine extremen Ausreisser. (Grafik: Dino Caracciolo, Daten: Sleep)

Generell gilt, dass Übermüdete und Langschläfer fahriger sprechen und schlechtere Entscheidungen treffen. Auf das Kurzzeitgedächtnis gibt es hingegen keinen nachteiligen Effekt. Wer sich die Nacht um die Ohren schlägt, behält Dinge kurzfristig genauso gut wie sonst auch im Kopf. Langfristig könnten sich allerdings Nachteile ergeben.

Empfehlungen gelten auch für Ältere

Die Wissenschaftler stellten in den Daten der Teilnehmenden fest, dass die Schlafdauer im Alter abnimmt, wie das bereits bekannt ist. Sie kommen aber zum Schluss, dass für Ältere keine anderen Empfehlungen für die Schlafdauer gelten als für Jüngere. Wie die Probanden bei den Tests abschnitten, hatte also nicht mit dem Alter zu tun. Ältere sind mit weniger Schlaf demnach genau gleich eingeschränkt in ihrer Leistung wie Jüngere, die genau gleich wenig schlafen.

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Viele ältere Menschen stellt die Sieben-bis-acht-Stunden-Regel aber vor ein prinzipielles Problem. Das optimale Pensum können sie schon aus Gesundheitsgründen oft nur schwer erreichen, das merken auch die Forscher an. Erstrebenswert wäre die goldene Mitte trotzdem – und zwar für Menschen egal welchen Alters, das macht die Studie unmissverständlich klar.

Mögliche Mängel der Studie

Besonders schlecht schnitten all jene Erwachsenen ab, die nachts auf weniger als vier Stunden Schlaf kommen. Ihre kognitiven Fähigkeiten entsprachen dem Niveau einer acht Jahre älteren Person. Für viele Topmanager, die sich gern mit selbstauferlegtem Schlafentzug brüsten, sind das keine guten Nachrichten.

Was die Zuverlässigkeit der Studie angeht, gibt es ein anderes Problem: Menschen sind für gewöhnlich keine ganz glaubwürdige Quelle, wenn es darum geht, die eigene Schlafdauer korrekt wiederzugeben. Übertreibungen nach oben und nach unten sind keine Ausnahme. Vor allem wenn das soziale Umfeld besondere Ansprüche stellt oder man sich keiner Peinlichkeit aussetzen will.

Umstellung kann schnell helfen

Für die allermeisten dürfte das Problem allerdings klar definiert sein. Sie leiden nicht an zu viel Schlaf, sondern an zu wenig. Rund die Hälfte der Studienteilnehmer gab an, im Schnitt weniger als 6,3 Stunden zu schlafen.

Die Forscher vermuten, dass sich Schlafmangel extrem nachteilig auf die Wirtschaftskraft eines Landes auswirken kann. Müde Arbeiter und Angestellte bringen eben keine volle Leistung. Angeblich entgehen einem Land wie Kanada dadurch jährlich 21 Milliarden Dollar.

Verloren ist die Hoffnung aber nicht. Es macht schon einen Unterschied, den Schlaf kurzzeitig umzustellen. Zum Beispiel einmal in der Woche, vor einer wichtigen Entscheidung. Wer dann länger im Bett bleibt, schneidet deutlich besser als üblich ab. Vielleicht halten sich Apple-Chef Cook und Wladimir Putin ja an diese Regel.


Video: Roboter hilft beim Einschlafen



Um die 7:23 Stunden Schlaf zu erreichen, muss man zuerst einmal ins Reich der Träume abtauchen können. Ein neu entwickelter Schlafroboter soll die Antwort auf Schlaflosigkeit sein. (Reuters)

Erstellt: 12.10.2018, 19:49 Uhr

Die Studie

Die Daten für die kanadische Schlafstudie wurden über eine Online-Plattform erhoben (www.cambridgebrainsciences.com). Die Probanden wurden unter anderem auf Facebook oder Twitter angeworben. Es gab für die Teilnehmenden keine Entschädigung.

Über 40'000 Personen füllten in einem ersten Schritt einen Fragebogen mit persönlichen Angaben und Infos zum Schlafverhalten des vergangenen Monats und der letzten Nacht aus. Danach mussten 12 Tests gemacht werden. Insgesamt habe das rund 60 Minuten gedauert, heisst es in der Studie.

16'812 Probanden komplettierten diese erste Aufgabe korrekt, über 23'000 Datensätze wurden ausgeschlossen, weil die Fragebogen nicht vollständig oder mit fehlerhaften Angaben ausgefüllt waren.

In einem zweiten Schritt wurden weitere rund 6000 Probabenden aussortiert, bei denen offensichtliche Datenfehler entdeckt wurden. Es blieben 10'886 Teilnehmende, davon rund 6800 Frauen und 4000 Männer. Das Durchschnittsalter betrug 41.7 Jahre.

Hier gehts zur Studie

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