Mehr als jeder Vierte hat Stress im Job

Vor allem jüngere Erwerbstätige sind zu stark belastet. Das hat Auswirkungen auf Gesundheit und Produktivität.

Stress im Job hat negative Auswirkungen auf die Produktivität. (Symbolbild Getty Images)

Stress im Job hat negative Auswirkungen auf die Produktivität. (Symbolbild Getty Images)

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Arbeitsbedingter Stress wirkt sich negativ auf die Motivation von Erwerbstätigen aus, kann die Gesundheit beeinträchtigen und im chronischen Fall sogar zu Krankheiten führen. Das haben schon verschiedene Untersuchungen gezeigt. Die Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz ermittelt seit 2014 deshalb regelmässig Kennzahlen zu Belastungen am Arbeitsplatz.

Die neuste Erhebung des Job-Stress-Index ist in Zusammenarbeit mit der Universität Bern und der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften entstanden. Sie zeigt, dass aktuell 27,1 Prozent oder mehr als ein Viertel der Schweizerinnen und Schweizer bei der Arbeit gestresst sind. Vor zwei Jahren waren es noch 4 Prozent weniger.

Bei Erwerbstätigen mit Stress stimmt das Verhältnis zwischen Ressourcen und Belastungen nicht. Mit Ressourcen sind positive Rahmenbedingungen am Arbeitsplatz gemeint, etwa Unterstützung durch Vorgesetzte oder die allgemeine Wertschätzung im Team. Faktoren wie Zeitdruck, Überforderung oder soziale Probleme werden hingegen als Belastungen empfunden.

Immerhin knapp die Hälfte (46,4 Prozent) der Erwerbstätigen verfügt über ein ausgeglichenes Verhältnis; in diesem sensiblen Bereich kann jedoch jederzeit ein Ungleichgewicht entstehen. Und der Anteil Personen mit Stress im Job steigt. Eine Folge davon ist, dass sich immer mehr Erwerbstätige emotional erschöpft fühlen. Mittlerweile sind es fast 30 Prozent.

Die Unterschiede zwischen Frauen und Männern sind dabei marginal. Dafür spielen die Bildung und das Alter eine Rolle. Die Erhebung zeigt, dass Personen mit einer höheren Bildung (Universität oder Fachhochschule) in der Tendenz weniger stark belastet sind. Das Gleiche trifft auf ältere Erwerbstätige (40- bis 65-Jährige) zu, die über vorteilhaftere Arbeitsbedingungen, positive Arbeitseinstellungen und über weniger emotionale Erschöpfung berichten.

«Stress verursacht nicht nur persönliches Leid, sondern auch hohe Kosten für die Unternehmen.»Thomas Mattig, Direktor Gesundheitsförderung Schweiz

Jüngere Erwerbstätige weisen viel häufiger einen ungünstigen Job-Stress-Index auf. Laut der Untersuchung lohnt es sich für Führungskräfte, dem entgegenzuwirken, indem sie günstige Arbeitsbedingungen schaffen. Denn mit gestressten und erschöpften Mitarbeitern nimmt die Produktivität ab.

Stress kostet die Arbeitgebenden demnach rund 6,5 Milliarden Franken pro Jahr. Das entspricht etwa 1 Prozent des Bruttoinlandprodukts der Schweiz. Verursacht werden diese Produktivitätsverluste durch den sogenannten Präsentismus (verminderte Arbeitsleistung aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen) und den Absentismus (Fehlzeiten).

Am grössten sind die gesundheitsbedingten Produktivitätsverluste bei den 16- bis 24-Jährigen. In dieser Altersgruppe machen sie 21 Prozent der Arbeitszeit aus. Mit steigendem Alter nimmt der Anteil der Produktivitätsverluste laufend ab.

Die Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz kommt zum Schluss, dass Arbeitsbedingungen, Stress und gesundheitliche Beeinträchtigung klar zusammenhängen. Zwar würden auch private Belastungen zum Stress beitragen. Ungünstige Arbeitsbedingungen gehörten jedoch zu den wichtigsten Einflussfaktoren und sollten somit in der Stressprävention besondere Beachtung finden.

Travail.Suisse: Rund 40 Prozent fühlen sich gestresst

Travail.Suisse kommt in einer neuen Studie zu einem ähnlichen Ergebnis: Stress wird von den Schweizer Arbeitnehmern als grösste Belastung empfunden. Hier sind es aber 40 Prozent der Befragten, die sich oft gestresst fühlen. Obwohl Arbeitnehmende den Arbeitsbedingungen in der Schweiz erneut ein gutes Zeugnis ausstellen, gibt es auch sonst negative Trends, beispielsweise bei der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Der Anteil derjenigen, welche Probleme damit haben, hat demnach um drei Prozentpunkte zugenommen auf 21,6 Prozent in vier Jahren, wie Gabriel Fischer von Travail.Suisse vor den Medien in Bern ausführte. Schlechter beurteilt wird zudem das Einkommen. Von 2015 bis 2018 nahm der Anteil der Arbeitnehmenden, die gar nicht zufrieden sind, von 9,4 auf 11,6 Prozent zu

Mit Material der SDA.


Angebote und weitere Informationen zur Stressprävention


(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 12.10.2018, 10:47 Uhr

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