Migros bringt den Hafer fürs Herz

Eine Reihe neuer Produkte mit spezieller Haferkleie soll vor Herzerkrankungen schützen. Für die Zuger Firma Creanutrition bedeutet das den Durchbruch in der Schweiz.

Der neu zugelassene, spezielle Hafer wirkt sich positiv auf die Gesundheit des Konsumenten aus. Bild: Flickr / birgit

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Über drei Jahre lang hat Ruedi Duss für diesen Moment gekämpft: Seit Anfang Woche steht sein Hafer in den Regalen der Migros, in Form von vier verschiedenen Sorten Birchermüesli und Frühstücksflocken. Weitere Produkte sind in Planung. Zudem nimmt die Migros ein Kellogg’s-Produkt ins Sortiment, das den gleichen Hafer enthält. Das Marketing läuft dieser Tage an. Dass die Migros-Produkte Duss’ Hafer enthalten, erkennt man am Logo – einem Herz.

Ruedi Duss ist kein Bauer. Die letzten zehn Jahre haben er und sein Team bei der Zuger Firma Creanutrition damit verbracht, Beweise dafür zusammenzutragen, dass ihre spezielle Haferkleie den Cholesterinspiegel im Blut senkt und dadurch Herzerkrankungen vorbeugen kann. Mitte 2008 reichte Creanutrition bei der europäischen Gesundheitsbehörde ein Dossier mit wissenschaftlichen Studien ein, das diesen Effekt belegen sollte. Seit letztem Dezember hat der Hafer offiziell die Zulassung der EU, im März zog das Bundesamt für Gesundheit in der Schweiz nach. Seither ist es offiziell: Duss’ Haferkleie ist gut fürs Herz. Dank eines speziellen Verfahrens enthält sie fünfmal mehr lösliche Nahrungsfasern als normal. Und dieses sogenannte Beta-Glucan saugt das Cholesterin einfach auf.

«Absatzmenge verzehnfachen»

Zentral dafür, dass der Hafer aus Zug neu im Migros-Regal steht, ist eine neue Regulierung, die sowohl für die EU als auch für die Schweiz gilt und vielen grossen Lebensmittelkonzernen das Leben schwer macht. Demnach darf ein Hersteller die positiven Effekte seines Produkts auf die Gesundheit künftig nur noch bewerben, wenn er die Wirkung belegen kann. In der EU sind die Hürden dafür relativ hoch. Bislang konnte noch kein Hersteller probiotischer Joghurts die EU-Behörde von seinen wissenschaftlichen Studien überzeugen. Und selbst Vollkornprodukte oder Ballaststoffe, denen eine positive Wirkung auf die Verdauung nachgesagt wird, hatten als Produktgruppe keinen Erfolg.

Die Kehrseite ist, dass Firmen, die den Effekt ihres Produkts ausreichend belegen können, neu weitreichendere Aussagen machen können. Für die Migros war das beim Hafer ausschlaggebend: «Früher konnten wir keinen verständlichen und starken Gesundheitsnutzen für den Konsumenten anbringen», sagt Sprecherin Martina Bosshard. Das sei nun anders.

Hoffen auf den Durchbruch

Creanutrition hofft nun auf den grossen Durchbruch: «Wir wollen unsere Absatzmenge bis in fünf Jahren verzehnfachen», sagt Duss. Diese liegt aktuell bei 1,4 Milliarden Portionen pro Jahr – das entspricht 3,8 Millionen Menschen, die jeden Tag Hafer essen. Abnehmer waren bereits bisher Markenhersteller wie Kellogg’s, Kraft oder Nestlé, die ihre Produkte dank nationaler Zulassungen bereits bisher in Schweden, Holland oder Grossbritannien verkauft haben.

Die Zuger Firma ist nicht die einzige, die ein cholesterinsenkendes Nahrungsmittel verkaufen darf. Auch Brotaufstriche wie Becel (Unilever) oder Joghurtdrinks wie Benecol (Emmi) haben von der EU eine ähnliche Zulassung erhalten. Vom darin enthaltenen Sterol sollte man aber nicht zu viel essen. Und für Schwangere und Kinder ist es tabu. «Was wir verkaufen, sind dagegen nichts als Hafer und Nahrungsfasern», so Duss. «Das kann jeder essen.»

Erstellt: 09.06.2012, 09:15 Uhr

Creanutrition

Teil einer schwedischen Gruppe

Creanutrition ist eine Tochterfirma des schwedischen Haferspezialisten SOF, an dem Ruedi Duss beteiligt ist. Gegründet wurde der Schweizer Ableger, als Duss 2002 die Zulassung und Vermarktung der Haferkleie übernahm. Creanutrition ist heute unter anderem dafür verantwortlich, dass der Kunde auf den Migros-Verpackungen korrekt informiert wird, und sie haftet gegenüber den Schweizer Behörden. Die gesamte Gruppe beschäftigt rund 30 Mitarbeitende, die Hälfte davon in Zug. Der Umsatz in Franken bewegt sich in zweistelliger Millionenhöhe. (aba)

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