Novartis testete Zukunftspillen in Schweizer Spitälern

Via Handy informieren intelligente Medikamente den Arzt über die Einnahme durch den Patienten. Novartis testete die futuristische Technologie in der Schweiz – folgt bald die Markteinführung?

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England steht noch dieses Jahr die Markteinführung der neuartigen Smart Pills bevor. Diese von der amerikanischen Biotech-Firma Proteus Biomedical entwickelten intelligenten Pillen sind ein weiterer Schritt hin zur digitalen Medizin. Kernstück des Produkts ist ein organischer, verdaubarer Mikrochip, der in Medikamente eingepflanzt wird. Sobald der Chip mit der Magensäure in Kontakt tritt, löst er ein Signal aus, das über ein Smartphone dem behandelnden Arzt die erfolgreiche Einnahme des Medikaments mitteilt.

Engere Zusammenarbeit als bisher gedacht

Der Medikamentenkonzern Novartis sah schon vor zwei Jahren ein grosses Potenzial in Proteus Biomedical und ihren Smart Pills und investierte damals 24 Millionen Dollar in das aufstrebende Unternehmen. Nicht bekannt war bisher, wie weit die Zusammenarbeit zwischen den zwei Firmen wirklich geht.

Wie Recherchen von Tagesanzeiger.ch/Newsnet nun zeigen, testete Novartis die intelligenten Pillen bereits mit einem eigenen Medikament in Schweizer Spitälern. Novartis unterhält zudem ein Lizenz- und Kooperationsabkommen mit Proteus Biomedical. Die Tests wurden von Novartis auf Anfrage bestätigt.

Tests in Zürich, Bern, Basel und Aarau

In einer von Novartis geleiteten klinischen Studie unter Aufsicht des Schweizerischen Heilmittelinstituts wurden im letzten Jahr Nutzen und Sicherheit der Smart-Pill-Technologie getestet. Die Teilnehmer der Studie hatten eine Nierentransplantation hinter sich, die im Minimum ein halbes Jahr zurücklag, und nahmen das Novartis-Medikament Myfortic ein. Dieses wird nach einer Organtransplantation zur Abstossungsprophylaxe eingesetzt.

Durchgeführt wurden die drei Monate dauernden Tests an den Universitätsspitälern Zürich und Basel, am Berner Inselspital, dem Kantonsspital Aarau sowie am Stadtspital Waid in Zürich. Das Medikament Myfortic wurde von den Probanden teils mit, teils ohne Mikrochip eingenommen.

Studie bald abgeschlossen

Das primäre Studienziel war, das Smart Pill-System auf seine Zuverlässigkeit und Präzision hin zu testen. Weiter war die Auswertung der Befindlichkeit der Patienten, die eigens für den Versuch mit einem Smartphone ausgerüstet wurden, von zentraler Bedeutung.

Die Auswertung der Studie ist noch im Gange. Wenn die momentane «Phase II» (die Entwicklung eines Medikamentes wird in sogenannte klinische Phasen eingeteilt) abgeschlossen ist, steht als nächstes der Prüfentscheid über die Marktzulassung an. Waren die Tests von Novartis also erfolgreich, könnten die Pillen auch in der Schweiz theoretisch schon in wenigen Monaten auf den Markt kommen.

Datenschutz soll gewährleistet sein

Novartis bestätigte auf Anfrage, die Zusammenarbeit mit Proteus Biomedical weitertreiben zu wollen. Zu weiteren Details schweigt sich der Konzern aber aus. Novartis erwähnt aber ausdrücklich, dass Datenschutzüberlegungen speziell bei dieser Technologie eine grosse Rolle spielen und der Schutz des Patienten an erster Stelle stehe. Sicherheitsfragen stellen sich vor allem bei der Übermittlung der sensiblen Daten per Handy.

Die Smart Pill-Studie zeigt, dass Novartis die Anstrengungen und Investitionen im Bereich E-Health weiter erhöht. War das bisherige Ziel noch die sinnvolle Einbindung von moderner Elektronik in den medizinischen Beratungsprozess, sollen nun die neuen Technologien ein integraler Bestandteil der Therapie eines Patienten werden. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 07.03.2012, 13:32 Uhr

Chinesische Animation zum Prinzip Smart Pill

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