Starben zehn Babys wegen homöopathischen Kügelchen?

Die US-Fachbehörde warnt vor einer homöopathischen Arznei. Die Tabletten werden auf der Basis der Schwarzen Tollkirsche hergestellt.

Globuli aus der Apotheke: Homöopathisches Arzneimittel in Form von kleinen Kügelchen. (Symbolbild)

Globuli aus der Apotheke: Homöopathisches Arzneimittel in Form von kleinen Kügelchen. (Symbolbild) Bild: Ralf Hirschberger/Keystone

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Eigentlich sollten diese Mittel den Babys die Schmerzen beim Zahnen nehmen. Doch nach dem Tod von zehn kleinen Kindern hat die US-Arzneimittelsicherheitsbehörde FDA eine Warnung für bestimmte homöopathische Präparate herausgegeben, wie spiegel.de berichtet. Die FDA prüft laut dem Bericht momentan, ob die Todesfälle durch die Tabletten verursacht wurden. Eine erste Analyse bestätigt die Befürchtungen der Behörden.

Diese Tabletten werden auf Basis der Schwarzen Tollkirsche hergestellt, die auch unter der Bezeichnung Belladonna bekannt ist. Auf Grund der homöopathischen Grundsätze dürften die Wirkstoffe der giftigen Pflanze allerdings nicht nachweisbar sein. Manchmal seien aber höhere Konzentrationen enthalten, schreibt die FDA. Sie vermutet, dass die Produkte nicht stark genug verdünnt worden sind. «Die Reaktion von Kindern unter zwei Jahren auf die Inhaltsstoffe der Schwarzen Tollkirsche ist unvorhersehbar und stellt ein unnötiges Risiko für Babys und Kleinkinder dar», erklärt FDA-Mitglied Janet Woodcock. Überdies sei der Behörde kein gesundheitlicher Nutzen der Tabletten bekannt.

Zahlreiche Nebenwirkungen

Der Grund für die neuste Analyse ist der Fall eines kleinen Kindes, das vor einem Jahr nach der Einnahme von homöopathischen Tabletten mit epileptischen Anfällen ins Spital überführt werden musste. Das Kind starb zwar nicht, aber der Vater meldete den Fall der FDA. Die Amtsstelle entdeckte nach Recherchen über 400 weitere Berichte von Nebenwirkungen, die nach der Einnahme der Präparate aufgetreten waren.

Bei den Beschwerden handelte es sich um Krämpfe, Zittern, Fieber, Kurzatmigkeit und Lethargie. Tollkirschen beispielsweise enthalten den Wirkstoff Atropin, der diese Symptome auslöst. In der Folge können Sehbeschwerden, Herzrasen und Fieber auftreten. Höhere Dosen, so spiegel.de, führen zu Koma und schliesslich zum Atemstillstand.

Beanstandete Produkte nicht auf dem Schweizer Markt

In der Schweiz seien zwar nicht die beanstandeten Produkte, jedoch zwei andere Zahnungspräparate mit dem gleichen Wirkstoff zugelassen, schrieb im vergangenen November die Heilmittelbehörde Swissmedic der «SonntagsZeitung». Laut der Behörde seien keine Nebenwirkungen zu Zahnungsprodukten gemeldet worden.

«Die US-amerikanische Warnung vor homöopathischen Mitteln auf der Basis von Tollkirsche zeigt dennoch: Auch die Globuli-Medizin ist nicht risikofrei», schloss die «SonntagsZeitung» in ihrem Bericht. In der Schweiz schätze man die Gefahr allerdings als tief ein. Weder bei den Behörden noch bei Apothekern oder Ärzten sei sie ein Thema.

(fal)

Erstellt: 23.02.2017, 14:57 Uhr

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