Test ermöglicht risikofreie Diagnose von Downsyndrom

Ab Juni können sich Frauen mit Risikoschwangerschaften gefahrlos testen lassen. Ethiker warnen vor einer «Zuchtwahl menschlichen Lebens». Behindertenorganisationen befürchten eine Entwicklung wie in den USA.

Der neue Test soll risikofrei das Downsyndrom bestimmen können: Blutproben in einem Schweizer Labor.

Der neue Test soll risikofrei das Downsyndrom bestimmen können: Blutproben in einem Schweizer Labor. Bild: Keystone

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Wenn eine schwangere Frau sich heute für einen vorgeburtlichen Test zur Trisomie-21-Erkennung entscheidet, nimmt sie dafür ein gewisses Risiko in Kauf. Denn bei dem dafür nötigen invasiven Eingriff verliert im Schnitt eine von hundert Schwangeren ihr Kind. Nun will eine deutsche Firma Abhilfe schaffen: Im Juni bringt das Konstanzer Unternehmen Lifecodexx einen neuen risikofreien Bluttest zur Trisomie-21-Diagnose auf den Markt, wie die «Aargauer Zeitung» von heute schreibt (Artikel online nicht verfügbar).

Der sogenannte Praenatest wird ab der 12. Schwangerschaftswoche durchgeführt und soll Anzeichen des Downsyndroms genau bestimmen können. Der Praenatest ist nicht invasiv, für die Analyse wird bloss eine Blutprobe der Mutter benötigt, um darin enthaltene DNA-Fragmente des ungeborenen Kindes zu extrahieren.

«Gesellschaftlicher Druck verstärkt sich»

Ethiker und Vertreter von Behindertenorganisation stehen dem neuartigen Test skeptisch gegenüber. Ruth Baumann-Hölzle, Leiterin des Instituts Dialog Ethik in Zürich, warnt vor einer «Zuchtwahl menschlichen Lebens». Baumann-Hölzle kritisiert, Leben werde immer mehr als Verbrauchsmaterial angesehen.

«Der gesellschaftliche Druck, sich testen zu lassen und dann eine Abtreibung vorzunehmen, dürfte sich verstärken», sagt Heidi Lauper, Co-Geschäftsführerin des Vereins Insieme. Der Dachverband für Eltern von Menschen mit einer geistigen Behinderung hat auch Bedenken bezüglich der Situation von Menschen mit Downsyndrom: «Wir befürchten, dass sie keine Versicherungsleistungen mehr bekommen», so Lauper. Diese Entwicklung könne man bereits in den USA beobachten.

Ein Test kostet 1500 Franken

Lifecodexx weist diese Bedenken zurück. Der Praenatest könne nicht «einfach so» durchgeführt werden, schreibt das Unternehmen auf seiner Website. Die Schwangere müsse gewisse Kriterien erfüllen und werde vor dem Test ärztlich beraten. Laut Lifecodexx hätten nur Frauen mit Risikoschwangerschaften Zugang zum Test. Auch die Kosten von 1500 Franken müssten von den Eltern selbst getragen werden. (mpl)

Erstellt: 08.05.2012, 10:56 Uhr

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