Unispital Genf bricht Test mit Ebola-Impfstoff ab

Probanden klagen über Schmerzen in den Gelenken. Im Januar sollen die Ebola-Versuche dennoch wieder aufgenommen werden.

Die Tests sollen im Januar weitergehen: Eingangsbereich zum Gelände des Universitätsspitals Genf.

Die Tests sollen im Januar weitergehen: Eingangsbereich zum Gelände des Universitätsspitals Genf. Bild: Keystone

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Die Genfer Universitätsspitäler (HUG) haben die klinische Studie zur Erprobung eines Ebola-Impfstoffes bis im Januar suspendiert. Verschiedene Testpersonen klagten unerwartet über Gelenkschmerzen. Das Unispital Lausanne testete einen anderen Impfstoff, der gut verträglich scheint.

Wie die HUG am Donnerstag mitteilten, klagten vier der freiwilligen Testpersonen zehn bis 15 Tage nach der Injektion des Impfstoffs gegen den Ebola-Erreger über leichte rheumatische Schmerzen in den Händen und Füssen. Die Schmerzen hielten jeweils einige Tage an.

Die Genfer Universitätsspitäler testen den kanadischen Impfstoff VSV-ZEBOV seit dem 10. November an insgesamt 115 Freiwilligen. Am 2. Dezember hatten die HUG mitgeteilt, bei den ersten 34 Testpersonen seien keine beunruhigenden Nebenwirkungen aufgetreten. Einzelne Probanden hätten zwar entzündliche Reaktionen gezeigt, den Impfstoff im Grossen und Ganzen aber gut vertragen.

Gelenkschmerzen figurierten laut HUG nicht unter den erwarteten Reaktionen. Sie wurden folglich in den Informationen an die Patienten nicht erwähnt. Laut HUG sind Gelenkschmerzen nach Infektionen oder Impfungen ein sehr häufiges Phänomen.

Bis heute bekamen in Genf 59 Freiwillige eine starke oder schwache Impfdosis oder ein Placebo verabreicht. Ihnen allen gehe es gut und sie würden regelmässig durch die Studiengruppe begleitet, betonte die Universitätsleitung. Am 5. Januar sollen die Impfungen wieder aufgenommen werden.

Austausch mit anderen Ländern

Bis dahin wollen sich die Genfer Zeit lassen, um zu verstehen, was passiert ist. Zudem wollen sie sicher sein, dass die Symptome harmlos und vorübergehend sind.

Die HUG wollen sich auch mit den anderen Zentren austauschen, die den gleichen experimentellen Impfstoff testen - also mit den USA, Kanada, Deutschland und Gabun. Diese Zentren hätten bei ihren Testpersonen bisher keine entzündlichen Symptome beobachtet.

Für WHO unerwartet

Die Teststudie sei unterbrochen worden, um bei einer grösseren Zahl von Patienten die Häufigkeit der Gelenkschmerzen abschätzen zu können, erklärte Marie-Paule Kieny, stellvertretende Generaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation (WHO), anlässlich einer telefonischen Pressekonferenz in Genf. «Das ist unerwartet, aber nicht wirklich neu im Fall einer viralen Infektion», fügte sie hinzu.

Neben dem Universitätsspital Genf beteiligt sich auch das Universitätsspital Lausanne (CHUV) an der Erprobung eines möglichen Impfstoffes gegen das Ebola-Virus. Dieser an 120 Freiwilligen getestete Impfstoff des Pharmakonzerns GlaxoSmithKline sei «eher gut verträglich», teilte das CHUV am Donnerstag mit.

CHUV mit Resultaten zufrieden

Bis zum jetzigen Zeitpunkt seien lokale Reaktionen beobachtet worden, die ähnlich seien wie bei Routineimpfungen, erklärte Blaise Genton. Die bisherigen Daten zur Verträglichkeit seien zufriedenstellend, sagte der Chef der Abteilung für Infektionskrankheiten am CHUV weiter. Die ersten Resultate zur Wirksamkeit des Impfstoffes dürften noch vor Ende Dezember vorliegen. Bis Ende Januar 2015 dürften dann sämtliche Resultate zur Verfügung stehen.

Angesprochen auf die Suspendierung des Impfprogrammes in Genf sagte Genton, es gebe keinen Grund, den Prozess auch in Lausanne zu unterbrechen. Der am CHUV getestete Impfstoff unterscheide sich vor allem bezüglich des viralen Trägers von demjenigen in Genf, erklärte Genton. Damit wolle er aber nicht sagen, dass man in Genf ein grösseres Risiko eingehe. Vergleichbare Studien wie in Lausanne werden zurzeit in den USA, in Grossbritannien und in Mali durchgeführt.

Impfkampagne in Westafrika 2015

Die Erkenntnisse aus allen klinischen Studien sollen als Grundlage für weitere Studien mit mehreren tausend Probanden dienen. Die WHO plant Anfang 2015 eine Impfkampagne in Westafrika. Die neu entwickelten Stoffe sollen zehntausenden Menschen verabreicht werden.

Die Zahl der Ebola-Erkrankungen ist nach Angaben der WHO von Anfang Woche auf mittlerweile 17'800 Fälle gestiegen. An der Seuche gestorben sind bisher mehr als 6300 Menschen. Die Dunkelziffer dürfte allerdings deutlich höher liegen. Am stärksten betroffen sind die drei westafrikanischen Länder Sierra Leone, Liberia und Guinea. (kpn/rub/sda)

Erstellt: 11.12.2014, 12:16 Uhr

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