Unispital Lausanne testet Ebola-Impfung an Menschen

Swissmedic hat ein entsprechendes Gesuch bewilligt. Die WHO unterstützt die Studie. Derweil gab die Firma Crucell bekannt, in Bern einen experimentellen Impfstoff herstellen zu wollen.

In den USA und Grossbritannien bereits eingesetzt: Eine Freiwillige erhält an der Universität Oxford eine Ebola-Impfung. (17. September 2014)

In den USA und Grossbritannien bereits eingesetzt: Eine Freiwillige erhält an der Universität Oxford eine Ebola-Impfung. (17. September 2014) Bild: Keystone

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Für die klinische Studie eines experimentellen Ebola-Impfstoffes kann das Universitätsspital Lausanne auf zahlreiche Freiwillige zählen. Die ersten der 120 Probanden werden bereits in den kommenden Tagen geimpft. Einige erhalten bloss ein Placebo.

Der Impfstoff wird zwei verschiedenen Gruppen verabreicht: Die erste wird sich in die Epidemiegebiete in Westafrika begeben, die zweite bleibt in der Schweiz. Für die erste Gruppe wurden verschiedene Hilfsorganisationen und NGOs angefragt.

Aus der Schweiz haben sich bereits zahlreiche Personen für die Studie angemeldet, sagte am Dienstag Professor Blaise Genton des Universitätsspitals Lausanne an einer kurzfristig anberaumten Medienkonferenz.

Man verabreiche diesen Probanden nicht das Ebola-Virus, betonte Genton. Der Impfstoff basiere auf einem gentechnisch veränderten Protein des Virus. Einige der Probanden würden auch bloss ein Placebo erhalten.

Nach der klinischen Studie könne GlaxoSmithKline mit einer ersten Produktion des Wirkstoffs beginnen, sagte Genton. Dessen Wirkung werde danach in einer zweiten Studie in den Epidemiegebieten getestet.

Vor Westafrika-Einsätzen verabreicht

Der Impfstoff besteht aus nicht vermehrungsfähigen Viren, die mit der genetischen Bauanleitung eines bestimmten Ebola-Proteins bestückt sind, wie Swissmedic festhielt. Er wird primär gesunden Freiwilligen vor ihrem Hilfseinsatz in Westafrika verabreicht.

Die Studie im CHUV wird von der Weltgesundheitsorganisation WHO unterstützt. Sie führt eine in den USA, England und Mali lancierte Serie von klinischen Versuchen weiter. Die Erkenntnisse sollen als Grundlage für weitere Studien mit mehreren Tausend Probanden dienen.

Das Ende September eingereichte Gesuch für die klinische Studie des experimentellen Impfstoffs wurde angesichts der Dimension der Ebola-Epidemie prioritär behandelt.

Über 10'000 Menschen an Ebola erkrankt

Weil es sich um einen genetisch veränderten Organismus handelt, wurden neben Swissmedic auch das Bundesamt für Gesundheit (BAG), das Bundesamt für Umwelt (Bafu) sowie die Eidgenössische Fachkommission für biologische Sicherheit konsultiert.

Die Ebola-Epidemie ist in Westafrika weiter auf dem Vormarsch. Nach Angaben der WHO vom Wochenende stieg die Zahl der Infizierten auf 10'141 in acht Ländern. Bis am 23. Oktober starben 4922 Menschen an Ebola. Am meisten Todesopfer verzeichnet Liberia, gefolgt von Sierra Leone und Guinea.

Firma in Bern will Impfstoff herstellen

Das Biotechunternehmen Crucell in Bern hat derweil mitgeteilt, einen experimentellen Ebola-Impfstoff herstellen zu wollen. Im kommenden Jahr sollen über eine Million Impfdosen hergestellt werden. Derzeit werde am Standort Bern auf Hochtouren an den Einzelheiten zu den Prozessen für die Herstellung, die Lagerung und den Transport des Impfstoffs gearbeitet, so das Unternehmen.

Die Crucell Schweiz AG gehört zum US-Pharmariesen Johnson & Johnson, der den Ebola-Impfstoff neben dem Standort in Bern auch noch im niederländischen Leiden entwickeln und produzieren will.

Personelle Auswirkung?

Die Entwicklung des Impfstoffs gegen das Ebola-Virus hat gemäss Crucell Auswirkungen auf die Pläne, einen Teil des Standorts Bern stillzulegen. Ende 2013 hatte das Unternehmen den Abbau von 380 Stellen bekannt gegeben, diese Zahl später aber nach unten korrigiert.

Crucell-Sprecher Thomas Moser konnte auf Anfrage keine Angaben dazu machen, wie sich die Produktion des experimentellen Ebola-Impfstoffs personell auswirken wird. Gemäss Moser steht der Impfstoff von Crucell nicht im Zusammenhang mit dem Impfstoff, den das Universitätsspital Lausanne (CHUV) testen wird. (rar/sda)

Erstellt: 28.10.2014, 11:21 Uhr

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