Von Burn-out bis Schlaganfall

Komplexe Befunde, aufwändige Therapien: Wer beim Arztbesuch nur Bahnhof versteht, dem wird nun geholfen. An der Schweizer Patientenuniversität erfahren Interessierte Wissenswertes zur Gesundheit.

Viele Patienten wissen zu wenig über medizinische Vorgänge: Blick in einen Operationssaal in Zürich. (Archivbild)

Viele Patienten wissen zu wenig über medizinische Vorgänge: Blick in einen Operationssaal in Zürich. (Archivbild) Bild: Keystone

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Wer medizinische Grundlagen und Zusammenhänge kennt, kann in Gesundheitsfragen besser mitreden, sei es beim Gespräch mit dem Arzt oder bei gesundheitspolitischen Themen. Das notwendige Wissen will die erste Schweizer Patientenuniversität vermitteln, die am 2. Mai in Zürich an den Start geht.

Vielen dürfte die Situation bekannt vorkommen: Der Arzt spricht über Symptome, Befunde, Therapien und der Betroffene versteht eigentlich nichts. Und doch soll der Patient darüber entscheiden, ob er sich beispielsweise operieren lässt oder nicht.

Die Patientenuniversität will die Kompetenz in Gesundheitsfragen fördern, so dass die Teilnehmenden mit Ärzten einen Dialog führen können. Diese soll auch zu einer realistischeren Erwartungshaltung gegenüber den medizinischen Möglichkeiten beitragen, wie es heute an einer Medienkonferenz in Zürich hiess.

Auch juristische und ethische Fragen

Das Vorlesungsangebot richtet sich jedoch nicht nur an Patienten und deren Angehörige sondern auch an Gesunde. Denn ein weiteres Ziel der Patientenuniversität ist es, die Gesundheit zu fördern. Und mehr Wissen führt in der Regel zu gesundheitsbewussterem Verhalten.

Ausserdem geht es an der Patientenuniversität unter dem Motto «Empowerment in Health» auch um gesundheitsökonomische und -politische Zusammenhänge, juristische und ethische Fragen sowie Pflege, Betreuung, Rehabilitation und Prävention. Nicht zuletzt erfahren die Teilnehmenden, wo sie beispielsweise im Internet verlässliche Informationen finden.

Interaktive Vorlesungen

Initiant der ersten Schweizer Patientenuniversität ist der Verein «Gesundheitsbildung Schweiz». Dessen Präsident Viktor Meyer, emeritierter Professor für Chirurgie der Universität Zürich, ist überzeugt von der Idee und sieht darin eine notwendige Ergänzung zum bestehenden Angebot, wie er vor den Medien sagte.

Ein wissenschaftlicher Beirat unter Leitung von Viktor Meyer und Gerd Folkers wacht über Inhalte und Referenten, um die Qualität der Lehrgänge sicherzustellen. Vorbild ist die Patientenuniversität der Medizinischen Hochschule Hannover D. Zu den dortigen Vorlesungen kommen jeweils mehrere hundert Besucher, berichtete die Leiterin Marie-Luise Dierks.

Demenz, Diabetes, Antibiotika

Die Patientenuniversität will mit interaktiven Vorlesungen, die kein Vorwissen erfordern, alle sozialen Schichten und Interessierte aller Altersstufen ansprechen. Finanziert wird das Angebot über Mitgliedsbeiträge und Gönner. Ziel sei es, alle Vorlesungen gratis anzubieten, sagte Meyer. Vorerst kostet ein Kursabend mit zwei Vorlesungen 30 Franken.

Die Veranstaltungen finden jeweils in der Pädagogischen Hochschule Zürich statt. Dann spricht Jürg Hodler, ärztlicher Direktor des Universitätsspitals Zürich, über «Das Universitätsspital der Zukunft» und Karl Ehrenbaum, Geschäftsleiter des Vereins Gesundheitsbildung Schweiz, über «Gesundheitswesen in der Sackgasse?».

Es folgen Vorlesungen unter anderem zu Mehrfacherkrankungen, Schlaganfall, Demenz, Diabetes, Antibiotika oder Burn-out. Informationen im Internet unter www.gesundheitsbildung-schweiz.ch. Weitere Standorte für Vorlesungen sind geplant in: St. Gallen, Bern, Basel und Luzern sowie in der Westschweiz und im Tessin. (rbi/sda)

Erstellt: 10.04.2013, 21:02 Uhr

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