Warum Afrikaner in IQ-Tests schlechter abschneiden

Der Intelligenzunterschied zwischen verschiedenen Nationen ist ein hochsensibles Thema. Forscher liefern jetzt einen neuen Ansatz zur Erklärung für das IQ-Gefälle. Mit Rassismus hat das nichts zu tun.

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Das Thema der IQ-Kluft zwischen den Staaten ist äusserst kontrovers und anfällig für pseudowissenschaftliche Erklärungen wie die Kraniometrie (Schädelvermessung), mit welcher rassistische Ideologen beweisen wollten, dass hellhäutige Menschen die cleversten der Welt seien. Und doch: Dass Unterschiede in den kognitiven Fähigkeiten der verschiedenen Völker und Nationen existieren, haben verschiedenen Studien unabhängig voneinander immer wieder gezeigt.

2002 erschien das umstrittene Buch «IQ and the Wealth of Nations», worin die Autoren Richard Lynn und Tatu Vanhanen darlegten dass die von ihnen gemessene «fluide Intelligenz» ungleich über den Globus verteilt sei. Am besten schnitten die Menschen in Nordostasien ab (IQ-Durchschnitt 104), nach ihnen die in Europa. Die USA kamen nur auf unteres Mittelmass, das Schlusslicht mit einem durchschnittlichen IQ von 70 bildete Afrika.

«Das Gehirn ist das kostbarste Organ»

Andere Studien zeigen, dass unsere Intelligenz durch eine passende Umgebung erheblich verbessert werden kann – gute Bildung, hohes Einkommen, wenig landwirtschaftliche Arbeit, reichhaltige Nahrung.

Auch das Klima wird für die Kluft der Intelligenz in manchen Forschungsarbeiten verantwortlich gemacht: Kältere Regionen tendieren zu höheren Durchschnitts-IQs.

Nun haben Forscher der University of New Mexico eine neue Studie zum Thema präsentiert, wie das amerikanische Nachrichtenmagazin «Newsweek» berichtet. Ihre Theorie: Die Intelligenz könnte stark mit Infektionskrankheiten in Verbindung stehen.

«Das Gehirn ist das kostbarste Organ im menschlichen Körper», sagt Mitautor Christopher Eppig gegenüber «Newsweek». Die Leistung des Hirns verschlingt gut 90 Prozent der Energie von Neugeborenen. Wenn nun in dieser wichtigen Phase der Entwicklung etwas diese Energieaufnahme beeinträchtigt, kann das schwerwiegende und lebenslange Auswirkungen auf das Hirn haben.

Schlusslicht Äquatorialguinea

In weiten Teilen dieser Erde bedeuten Infektionen die grösste Gefahr für Kinder. Diese Krankheiten bedrohen die Entwicklung des Gehirns. Denn der Körper muss all seine Energie darauf verwenden, das Immunsystem zu stärken um die Parasiten zu Bekämpfen.

Die Forscher haben Folgendes herausgefunden: Die Länder mit den niedrigsten durchschnittlichen IQ-Werten – Äquatorialguinea, Kamerun , Mosambik , Gabun – sind jene mit den meisten Infektionskrankheiten. An der Spitze mit den höchsten IQ-Werten stehen Singapur, Südkorea, China, Japan und Italien – diese Völker werden am wenigsten von Erregern geplagt. In modernen Staaten ist die Gesundheitsversorgung ausgeprägter und das Trinkwasser besser, das beugt Krankheiten vor.

Medikamente und sauberes Trinkwasser

Gemäss dem Buch «IQ and the Wealth of Nations» sind Wachstum und Wohlstand stärker vom Intelligenzquotienten der Bevölkerung abhängig als von den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.

Wenn die amerikanische Studie der University of New Mexico richtig liegt, dann müsste die Förderung von sauberem Trinkwasser und der Zugang zu Impfstoffen und Medikamenten absolute Priorität in der Entwicklungshilfe haben. Die Resultate der Studie seien eine Aufforderung, Krankheiten wie Malaria in der Dritten Welt weiterhin mit aller Macht zu bekämpfen, wie «Newsweek» schreibt.

Europäische Erfindung

Zu erwähnen bleibt, dass IQ-Tests zur Messung der Intelligenz eine europäische Erfindung sind. Der Begriff Intelligenzquotient wurde 1912 von dem deutschen William Stern geprägt. Intelligenz ist nur relativ, im Vergleich zu vielen anderen Menschen innerhalb des gleichen Kulturkreises definiert. Daher ist es sehr schwierig, die Intelligenz von Deutschen, Chinesen oder Indern miteinander vergleichen zu wollen. (bru)

Erstellt: 28.07.2010, 14:30 Uhr

Von Nation zu Nation verschieden: Der durchschnittliche IQ-Wert.

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