Was von König Richard übrig blieb

Britische Archäologen haben das Skelett des im 15. Jahrhundert in einer Schlacht gefallenen Königs Richard III. gefunden und identifiziert. Dank DNA-Proben eines lebenden Verwandten.

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Sechs Monate nach dem Aufsehen erregenden Fund eines Skeletts unter dem Parkplatz im englischen Leicester herrscht Gewissheit: Ein DNA-Abgleich bestätigte, dass es sich bei dem Toten um den englischen König Richard III. handelte, der vor mehr als 500 Jahren auf dem Schlachtfeld fiel, wie die Universität von Leicester verkündete.

«Jenseits aller berechtigten Zweifel» handele es sich um den berüchtigten Monarchen, sagte der Leiter des Projekts, Richard Buckley, unter donnerndem Applaus auf einer Pressekonferenz. Richard III. gelangte vor allem durch das gleichnamige Stück von William Shakespeare zu zweifelhaftem Weltruhm. Er war der letzte englische König, der im Kampf starb. 1485 fiel Richard III. in der Schlacht von Bosworth Field gegen die Truppen von Henry Tudor, dem späteren König Heinrich VII. Die Tudors zeichneten von Richard III. das Bild eines mordlüsternen Buckligen, Shakespeare übernahm dieses hässliche Charakterbild.

Experten gingen schon lange davon aus, dass Richard III. in der Kirche des Franziskanerklosters von Leicester seine letzte Ruhestätte gefunden hatte. Über Jahre verwischten aber ungenaue Karten und widersprüchliche Geschichten die Spuren. Doch im vergangenen Jahr gelang es den Archäologen, die Suche einzugrenzen, nachdem sie Anhaltspunkte für den früheren Standort der Kirche gefunden hatten.

Schwertschläge auf den Kopf

Als die Archäologen im Spätsommer ihre Ausgrabungen unter dem Asphalt des Parkplatzes begannen, wurden ihre kühnsten Träume übertroffen. Nach nur drei Wochen fanden sie in einem schlichten Grab die Knochen eines Mannes. Das Skelett weist den Wissenschaftlern zufolge acht Verletzungen am Schädel auf, ausserdem zwei Wunden am Rücken sowie eine Krümmung der Wirbelsäule.

Einige der Schwertschläge auf den Kopf seien vermutlich tödlich gewesen, andere wiederum hätten wahrscheinlich den gefallenen Monarchen noch nach seinem Tod erniedrigen sollen, sagte Jo Appleby, Dozentin für Bioarchäologie an der Universität Leicester. Zudem sei das Grab viel zu klein für den König gewesen. Der Leichnam sei regelrecht hinein gequetscht worden. Insgesamt stimmen die physischen Merkmale des Skeletts aus Sicht der Archäologen mit den historischen Schilderungen zum Tod des Königs überein.

Auf einem kirchlichen Friedhof beisetzen

Den wichtigsten Beweis lieferte aber Michael Ibsen. Der 55-Jährige Tischler wurde in Kanada geboren, lebt seit 27 Jahren in London und ist ein Neffe von Richard III. - in der 17. Generation. Auf der Pressekonferenz sagte Ibsen, er sei «überwältigt» von den Ergebnissen der Forscher. Er sei gespannt, wie das Ergebnis der Schädelrekonstruktion ausfallen werde. Er rechne aber nicht mit einer grossen Ähnlichkeit zu seinem Urahnen.

Über 500 Jahre nach seinem Tod wollen die Entdecker von Richard III. die Überreste bald auf einem kirchlichen Friedhof beisetzen. Die Kathedrale von Leicester ist ob ihrer Nähe zum Fundort der Favorit der Wissenschaftler. Historiker erhoffen sich von der Entdeckung, dass der Rückblick auf den so lange geschmähten König bald in neuem Licht erscheint. Sie verweisen unter anderem auf die Einführung einer Prozesskostenhilfe während der gerade einmal zweijährigen Regentschaft Richards III.

Das «von den Tudors geprägte zweidimensionale Bild» werde sich nicht aufrecht erhalten, sagte Philippa Langley, die die Suche als Mitglied der Richard III. Society unterstützte. «Wir haben Richard III. gesucht und gefunden. Jetzt ist es an der Zeit, ihn zu ehren.» (sam/bru/AFP)

Erstellt: 04.02.2013, 12:25 Uhr

Königliche Gebeine identifiziert. (Video: Reuters )

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