Wegen Gemüse in Lebensgefahr

In Deutschland sollen bereits über 300 Menschen mit dem gefährlichen Darm-Bakterium EHEC infiziert sein. Die Gefahr könnte in einer Speise gelauert haben, die sonst als gesund gilt.

Schwerer Durchfall, Nierenversagen, Blutarmut: Mit dem EHEC-Erreger ist nicht zu spassen.

Schwerer Durchfall, Nierenversagen, Blutarmut: Mit dem EHEC-Erreger ist nicht zu spassen. Bild: Keystone

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Schwere Darmerkrankungen mit dem gefährlichen EHEC-Erreger breiten sich in Deutschland weiter aus. Mehrere Menschen schwebten in akuter Lebensgefahr. Gesundheitsbehörden suchten fieberhaft nach der Quelle des Keims. Nach bisherigen Erkenntnissen wird roh verzehrtes Gemüse als Ursache vermutet.

Wie «SPIEGEL» online berichtet haben die Behörden bereits über 300 bestätigte Erkrankungen oder Verdachtsfälle registriert. Vor allem der Norden verzeichnete eine dramatische Zunahme der Fälle. Besonders Frauen sind betroffen. Der EHEC-Erreger kann schweren Durchfall verursachen. Bei Komplikationen kann er zu akutem Nierenversagen, Blutarmut und zum Tod führen. Behörden und Politiker riefen die Verbraucher zur Vorsicht auf.

Patienten in Lebensgefahr

Besonders verwundert die deutschen Experten, dass diesmal vor allem Erwachsene schwer erkranken, normalerweise haben eher Kinder starke Symptome. Nach Angaben der Behörden schweben einige Patienten in Lebensgefahr. Am Samstag hatten sich Vertreter des Robert-Koch-Instituts (RKI) mit Experten aus den betroffenen norddeutschen Ländern zu einem Krisentreffen in Hamburg zusammengesetzt.

Die Quelle der Ansteckung ist weiter unbekannt. Der Präsident des Niedersächsischen Landesgesundheitsamtes, Matthias Pulz, geht von einer gemeinsamen Quelle für die Infektionen aus. Nach ersten Befragungen von Patienten handle es sich wahrscheinlich um roh verzehrtes Gemüse. Die Art des Gemüses stehe aber noch nicht fest. Vorstellbar seien als Quelle etwa Salat oder Gemüse, das mit Gülle gedüngt worden sei. Angesicht der Verbreitung der Erkrankungen liege es nahe, dass es sich um ein überregional vertriebenes Lebensmittel handle.

Situation in der Schweiz nicht alarmierend

EHEC gibt es wahrscheinlich weltweit. In der Schweiz werden dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) jährlich etwa 50–70 Nachweise von der Krankheit gemeldet. Dieses Jahr sind es laut BAG-Statistik bislang 34 Fälle. Laut dem Bundesamt verlaufen etwa 10 bis 20 Prozent der Fälle schwer mit Symptomen wie blutigem Durchfall und Fieber.

Die Experten des RKI schliessen hingegen eine Infektion über kontaminiertes Fleisch oder Rohmilch aus. Neben ungewaschenem Gemüse könnten aber auch andere Lebensmittel die Ursache sein. (ami/dapd/sda)

Erstellt: 24.05.2011, 08:41 Uhr

Die Quelle des Erregers könnte noch im Handel sein. Ein Experte erklärt, wie man vorbeugen kann. (Video: Reuters )

EHEC bzw. VTEC

Die enterohämorrhagischen Escherichia coli (EHEC) sind krankmachende Stämme des Darmbakteriums Escherichia coli, die beim Menschen gefährliche, blutige Durchfallerkrankungen auslösen können. Die Bakterien können das Gift Verotoxin produzieren, weshalb sie auch verotoxinbildende Escherichia coli (VTEC) heissen. Träger der Keime sind Rinder und andere Wiederkäuer, bei denen EHEC im Darm und damit im Kot vorkommen können. Zu einer Übertragung auf den Menschen kommt es vor allem durch verunreinigte Lebensmittel (ungekochtes Fleisch oder Gemüse sowie Früchte und Rohmilchprodukte), verunreinigtes Trink- und Badewasser oder beim direkten Kontakt mit infizierten Tieren oder Menschen. (Quelle: BAG)

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