Welche Hausmittel bei Fieber und Erkältung wirklich wirken

Whisky, Kamille, «goldene Milch» oder die «österreichische Superwaffe»: Diese Grosi-Tricks helfen im Notfall.

Viele Hausmittel wurden schon angewandt, als es noch keine modernen Medikamente gab: Auch der gute Zuspruch darf nicht fehlen. Fotos: AKG-Images, Keystone (2)

Viele Hausmittel wurden schon angewandt, als es noch keine modernen Medikamente gab: Auch der gute Zuspruch darf nicht fehlen. Fotos: AKG-Images, Keystone (2)

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Der Husten wollte einfach nicht weichen. Schliesslich ging Karin Berndl in die Apotheke, um sich Hustensaft zu besorgen. Bevor sie ihn kaufte, fragte sie den indischstämmigen Apotheker, was er nehme, wenn er huste. «Dann macht mir meine Mutter eine ‹goldene Milch›», war die Antwort. Berndl liess das Medikament stehen, ging heim, nahm frischen Ingwer, Zimt, Pfeffer, frische Kurkumawurzel, Honig, Kardamom und Milch und kochte sich dieses leckere indische Hustenmittel. Seither schwört sie auf die «goldene Milch». Bei Halsweh dagegen greift sie auf die «österreichische Superwaffe» zurück: Quark. Und bei Durchfall sind stundenlang gekochte Rüebli ihr Geheimtipp.

Rund 100 Hausmittel haben Berndl und ihre Kollegin Nici Hofer mittlerweile in zwei Büchern zusammengetragen. Darin beschreiben sie auch so exotische Dinge wie den türkischen Pfefferwickel gegen Husten: Honig auf den Rücken streichen, gemahlenen Pfeffer darauf streuen und ein Handtuch drüberlegen. Viele schwören auf solche Hausmittel, wenn sie krank sind.

Das allein kann schon Berge versetzen, wie 2011 ein Versuch mit einem angeblichen Heilkräutermittel zeigte, das in Wahrheit ein Placebo war: Wer an die Heilkraft glaubte, genas auch mit dem Placebo 2,6 Tage rascher.

Husten

  • Goldene Milch: Dass Thymian, Primelwurzel und Efeu helfen können, ist belegt. Wer es lieber indisch mag, nimmt eine Kardamomkapsel, je einen Teelöffel (TL) frisch geriebene Kurkuma- und Ingwerwurzel (oder Kurkuma- und Ingwerpulver), einen halben TL Zimt, eine Prise Pfeffer plus 250 Milliliter (ml) Milch oder Wasser. 5 bis 10 Minuten köcheln lassen, vor dem Trinken einen Esslöffel Honig einrühren.
  • Meerrettich: «Je schärfer, desto besser», rät Andreas Michalsen, Professor an der Charité-Universitätsmedizin Berlin. Rettich (Foto), Senf und auch Kapuzinerkresse enthalten Senfölglycoside. Sie wirken antibakteriell und abschwellend. «Höhlen Sie Schwarzrettich etwas aus und füllen Sie Honig ­hinein. Das gibt einen guten Hustensaft.»
  • Brustwickel: Man schaudert bei der Vorstellung, aber Gustav Dobos, Professor für Naturheilkunde an der Uni Duisburg-Essen empfiehlt den feuchtkalten Brustwickel gegen Bronchitis, weil der Körper darauf mit vermehrter Wärme reagiere. Täglich 45 Minuten, danach eine halbe Stunde nachruhen, rät er im Fachblatt «MMW Fortschritte der Medizin».


Nasennebenhöhlen-Entzündung

  • Leinsamenkompresse: Wärmespender sind Chriesistei-Säckli, eine Rotlichtlampe oder eine Tasse Leinsamen (Foto). Leinsamen mit 1,5 Tassen Wasser aufkochen und 10 Minuten quellen lassen. Auf ein Viskosevlies oder ein Leinentüchlein geben, ein Päckchen falten und abkühlen lassen, bis die Temperatur angenehm ist. Dann auflegen und ein Baumwolltuch darüber­legen. Stets frisch zubereiten.
  • Nasendusche: Es klingt schlimmer, als es ist: Kopf schräg halten, mit einer Spritze oder Nasendusche die Salzwasserlösung (zwei gestrichene Teelöffel Salz pro Liter) sachte in ein Nasenloch einlaufen lassen, so, dass sie aus dem anderen Nasenloch wieder hinausläuft.
  • Inhalieren: Salzwasser, Kamillentee, Eukalyptusöl oder Thy­mian­öl Typ Linalool eignen sich dafür. Am einfachsten zwei Tropfen Öl auf die Handinnenfläche geben und vors Gesicht halten. Ätherische Öle sind nicht geeignet für Kleinkinder und Schwangere, nicht anwenden bei Epilepsie oder Asthma!


Halsweh

  • Quarkwickel: Auf Haushaltspapier oder einer Gazewindel etwas Magerquark verteilen, daraus ein Päckchen falten und auflegen. Ein Handtuch drum herum saugt austretende Flüssigkeit auf. «Funktioniert super», finden Nici Hofer und Karin Berndl. Die warme Alternative ist der Kartoffelwickel.
  • Zitrone: Der Zitronen-Halswickel verursacht eine leichte Hautreizung, aber genau das ist erwünscht. Mehrere Scheiben einer Bio-Zitrone nebeneinander auf eine dünne Gaze legen, Päckchen falten und mit Schal befestigen. «Die Zitrone soll auf die Haut», rät Roman Huber, Professor für Naturheilkunde an der Uniklinik Freiburg i. Br. In England beliebt ist der «Hot Toddy»: Saft einer halben Zitrone, 2 EL Whisky, 2 TL Honig mit 250 ml heissem Wasser aufgiessen, zuletzt kommt eine Zimtstange hinein.
  • Propolis: An dem Bienenprodukt «ist möglicherweise etwas dran», sagt Huber. Naturheilkundeprofessor Michalsen rät zu Salbeitee (gurgeln oder trinken) oder Tee mit fünf Scheiben frischem Ingwer.


Fieber

  • Wärme: In der unangenehmen Phase des Fieberanstiegs Wärme zuführen: Heisser Holundersaft oder Lindenblütentee, dick einpacken – und mit mehreren Bettflaschen ab ins Bett zum Schwitzen! Fieber hilft dem Immunsystem, die Krankheitserreger zu bekämpfen. Deshalb sollte es nur gesenkt werden, wenn es über 40 Grad ansteigt oder der schlechte Allgemeinzustand des Kranken es erfordert.
  • Fussbad: Kalte Füsse zehn Minuten lang heiss baden. Zwei Esslöffel Senfmehl (aus der Apotheke) oder Ingwerpulver ins Wasser geben. Beides kann die Haut reizen und Brandblasen verursachen, wenn man zu lange darin badet. Deshalb aufpassen und rechtzeitig stoppen.
  • Wadenwickel: Wirksam finden ihn die einen, unnötig die anderen, weil er erst zum Einsatz kommen könne, wenn das Unangenehmste – das Frösteln beim Fieberanstieg – bereits vorbei sei. Einigkeit herrscht aber bei der Hühnersuppe: Sie tut gut – auch wenn es noch keinen wissenschaftlichen Beweis dafür gibt.


Ohrenweh

  • Meersalz: Das entzündete Mittelohr hat einen Verbindungsgang zum Rachen. Oft schwillt das ­Gewebe so stark an, dass der Gang blockiert ist. «Hypertone Salz­lösung» wirkt abschwellend: 20 Gramm Meersalz in 1 Liter Wasser drei Minuten kochen, abkühlen lassen und als Nasenspray verwenden. Wer es bequemer will, kauft fertigen Salzspray. Von ­Ohrkerzen dagegen ist abzuraten: Sie bringen nichts – ausser Wachs auf dem Trommelfell.
  • Zwiebelmütze: Vermutlich erreichen die abschwellend und antibakteriell wirksamen Substanzen der Zwiebel zwar das entzündete Mittelohr nicht direkt, trotzdem ­schwören viele auf den Zwiebelwickel. Er setze einen Reiz und fördere so reflektorisch die Durchblutung, erklärt Roman Huber. Zwiebelringe können bei Erkältung auch auf den Fusssohlen guttun, in Kopfnähe aufgehängt (bei Schnupfen und verstopfter Nase), auf der Brust oder als warme Zwiebelmilch (bei Bronchitis). Zitronensaft nimmt den Zwiebelgeruch, kann aber die Haut reizen.


Vorbeugen

  • Wärme: Stress oder Unterkühlung bewirken, dass die Schleimhäute schlechter durchblutet werden und abkühlen. Dann fühlen sich viele Erkältungsviren erst recht wohl dort. Also warm anziehen, genügend trinken und Wäsche in der Wohnung trocknen, damit die Luft feuchter wird und die Schleimhäute nicht austrocknen.
  • Ernährung: Probiotische Joghurts oder Kapseln mit Bifidus- oder Lactobacillus-Bakterien können die Erkältungshäufigkeit möglicherweise halbieren und die Erkrankungsdauer um etwa 1,9 Tage verkürzen. Über mindestens eine Woche einnehmen (in den meisten Studien waren es drei Monate). Scharfe, wärmende Gewürze, Rettich, Kohlarten, ergänzt mit bunt gemischten Beerenvorräten vom Sommer und abwechslungs­reichem Gemüse liefern wirksame sekundäre Pflanzenstoffe.
  • Bewegung und Meditation: Den Körper nicht nur hätscheln, sondern auch trainieren. Gezielt gesetzte Kältereize wie kalte und warme Güsse im Wechsel oder regelmässiges Saunieren ab Herbst plus Meditation helfen gegen Stress. Das kann Infekte abkürzen.



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Erstellt: 19.01.2020, 22:15 Uhr

Wickel und mehr

Am besten finden Sie selbst heraus, was Ihnen guttut und wie Sie den Wickel oder die Auflage am besten machen. Die wichtigste Regel lautet: Immer nur das anwenden, was guttut.

Wie macht man eine Kompresse?

Zitronenscheiben, Quark, aufgequollene Leinsamen oder was auch immer für die Auflage verwendet wird, auf einer Gazewindel, einem Leinenstoff oder einem Geschirrtuch verteilen. Dann zu einem «Päckchen» falten und auflegen. Das Ganze mit einem Schal oder einem Tuch befestigen. Die Auflage sollte die Wirbelsäule nicht überdecken. Sie reicht am Hals von Ohr zu Ohr.

Wie macht man Essigsöckli?

Etwa drei Esslöffel Apfelessig in einen Liter Wasser geben, zwei Strümpfe darin tränken, leicht auswringen, anziehen und trockene Wollstrümpfe darüber ziehen. Alternativ kann man auch zwei ins Essigwasser getränkte Geschirrtücher verwenden und um die Waden legen. Dann je ein trockenes Handtuch herumwickeln. Wechseln, wenn die Tücher warm geworden sind. Essigsöckli und -wickel dürfen nur gemacht werden, wenn die Füsse warm sind.

Wann sollte man zum Arzt?

Wenn Hausmittel nach spätestens drei Tagen keine Besserung bringen, wenn der Allgemeinzustand schlecht ist, bei sehr starken oder ungewöhnlichen Beschwerden (zum Beispiel Benommenheit, Kurzatmigkeit, starker Schüttelfrost), bei chronischen Erkrankungen, die das Immunsystem schwächen, bei hohem Fieber, bei Schwangerschaft oder bei Erkrankung eines Babys, Kleinkinds oder Seniors über 65 Jahren.

Wie macht man eine Zwiebelmütze?

Zwiebel klein schneiden, in Gaze- oder dünnen Leinenstoff geben, erwärmen und die Ohrmuschel damit bedecken. Darauf entweder etwas «Heilwolle» (Rohwolle) legen oder einen in heisses Wasser getauchten, ausgewrungenen Waschlappen. Das Ganze mit einer Wollmütze oder Stirnband für mindestens 20 Minuten befestigen.

Für unterwegs

Wer keine Möglichkeit hat, sich Tees, Wickel und anderes zu machen, kann auf verschiedene Heilpflanzen zurückgreifen, die sich bei Erkältungssymptomen bewährt haben und auch als Arzneimittel in fixer Kombination erhältlich sind. Zink kann den Verlauf der Erkältung unter Umständen etwas abkürzen. Empfohlen werden Lutschtabletten (75 bis 90 Milligramm pro Tag), um eine hohe Konzentration im Nasen-Rachen-Raum zu erzielen.

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