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Also doch kein Gläschen in Ehren

Die weitverbreitete Meinung über die gesundheitlichen Vorteile von Alkohol muss laut einer neuen Studie weltweit revidiert werden.

Laut Studie lässt sich die Behauptung, ein Gläschen Alkohol am Tag sei gesund, nicht mehr halten: Gäste eines Restaurants beim Biertrinken. (Archiv)
Laut Studie lässt sich die Behauptung, ein Gläschen Alkohol am Tag sei gesund, nicht mehr halten: Gäste eines Restaurants beim Biertrinken. (Archiv)
Keystone

Eine globale Studie zu Alkoholkonsum und seinen Gesundheitsfolgen – mit Daten von 28 Millionen Menschen – widerspricht anderen Studien, die sagen, dass moderater Alkoholkonsum die Gesundheit fördern kann. Zudem bringt der Bericht zutage, dass sowohl Herr als auch Frau Schweizer auf der Top-Ten-Liste der grössten Alkoholtrinker figurieren.

Die Aussagen der in der renommierten Fachzeitschrift «The Lancet» erschienenen Studie sind glasklar:

  • Der tägliche Konsum von Wein oder Bier birgt erhebliche Gesundheitsrisiken.
  • Es gibt keine Menge Alkohol, wie klein sie auch sein mag, die für den Körper gesund ist.
  • Alkohol fordert weltweit noch mehr Opfer als gedacht. Sie sterben an Infektionen, Unfällen und Krebs.
  • Global gesehen trinkt jeder Dritte regelmässig Alkohol (25 Prozent der Frauen und 39 Prozent der Männer); das entspricht einer Zahl von 2,4 Milliarden Trinkern.

2016: 2,8 Millionen Tote

694 Untersuchungen zum Alkoholkonsum und 592 zu dessen gesundheitlichen Auswirkungen: Die von der Bill-&-Melinda-Gates-Stiftung finanzierte Studie dürfte wohl die bisher umfassendste zu Alkoholkonsum und seinen Gesundheitsfolgen sein. Die Studie erfasste 300 verschiedene Krankheiten in 159 Ländern zwischen 1990 und 2016 – und wie oft und wie viel Alkohol die erkrankten Menschen getrunken hatten. Wie die Autoren errechneten, verursachte Alkohol 2016 rund 2,8 Millionen Tote.

Im Jahr 2016 war der Alkoholkonsum weltweit die siebenthäufigste Ursache für einen vorzeitigen Tod und die häufigste Todesursache bei Menschen zwischen 15 und 49 Jahren; dazu zählen Verkehrsunfälle, Selbstmorde oder Tuberkulose. Alkohol ist demnach für rund 10 Prozent der weltweiten Todesfälle in dieser Altersgruppe verantwortlich.

Bei über 50-Jährigen spielt Alkohol eine bedeutende Rolle als entscheidender Faktor für Todesfälle durch Krebs. Bei 27 Prozent der Todesfälle von Frauen und 19 Prozent der Todesfälle von Männern hatten durch Alkohol ausgelöste Krebserkrankungen einen entscheidenden Anteil an einer verkürzten Lebenserwartung.

Auch wenig Alkohol ist schädlich

Ein Getränk pro Tag während eines Jahres erhöht das Risiko einer alkoholbedingten Krankheit (Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfall, Zirrhose, Unfälle, Gewalt usw.) bei Menschen im Alter von 15 bis 95 Jahren um 0,5 Prozent, verglichen mit Nichttrinkern. «Dies entspricht etwa 100'000 Todesfällen pro Jahr», sagt die Co-Autorin der Studie, Dr. Emmanuela Gakidou vom Institute of Metrology and Health Assessment an der University of Washington.

Däninnen und Dänen obenauf

In Dänemark trinken am meisten Menschen; 95 Prozent der Frauen und 97 Prozent der Männer trinken regelmässig Alkohol. Die Schweiz liegt bezüglich des Trinkverhaltens bei den Frauen auf Platz sechs (88,4) und bei den Männern (91,2) auf Platz acht.

Die meisten alkoholischen Getränke pro Tag konsumierten im Durchschnitt Männer in Rumänien (8,2), gefolgt von Portugal und Luxemburg (je 7,3). Bei den Frauen liegen die Ukraine (4,2), Andorra und Luxemburg (je 3,4) an der Spitze. Standardgetränke oder Gläser enthalten etwa 10 Gramm reinen Alkohol, beispielsweise ein kleines Glas Rotwein (100 Milliliter) oder ein Glas Whiskey (30 Milliliter)

Und trotzdem

Obschon die Autoren der Studie feststellen, dass Alkohol ab dem ersten Tropfen der Gesundheit mehr schadet als nützt, räumen sie ein, dass ein oder zwei alkoholische Getränke pro Tag die Wahrscheinlichkeit verringern könne, an gewissen Herzkrankheiten zu sterben. Allerdings seien die Risiken des Alkoholkonsums grösser.

«Der Mythos, dass ein oder zwei Gläser pro Tag nicht schädlich sind, bleibt ein Mythos», so Gakidou. Nur der komplette Verzicht minimiere das allgemeine Risiko zu erkranken. «Die Politik müsse Menschen ermutigen, Alkoholkonsum entweder zu reduzieren oder auf Alkohol ganz zu verzichten», sagt Gakidou.

Co-Autor Steven Bell von der Universität Cambridge rät nach den Ergebnissen der Studie allen, den Alkoholkonsum einzuschränken. «Niemand sollte in dem Glauben trinken, dass er seinem Körper damit etwas Gutes tue», sagte er.

David Spiegelhalter, Professor für Risikoverständnis an der Uni Cambridge, steht der Studie kritisch gegenüber. Gegenüber dem britischen Science Media Center merkte er an, dass 1600 abstinente Menschen jährlich zusammen 50'000 Flaschen Gin trinken müssten, damit ein zusätzliches Gesundheitsproblem entstünde. Auch Autofahren sei gefährlich – auch ohne Alkohol, und niemand wolle Autofahren gänzlich verbieten.

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