Zum Hauptinhalt springen

Angst lähmt die Vernunft von Brokern

In Krisenzeiten neigen Börsenhändler wie andere Menschen auch eher zu Fehlentscheidungen – weil das Gefühl von Kontrollverlust den Verstand in die Irre führt.

Panik kann zu Fehlentscheiden und Verlusten führen: Ein Börsenhändler in Chikago bei der Arbeit.
Panik kann zu Fehlentscheiden und Verlusten führen: Ein Börsenhändler in Chikago bei der Arbeit.
Keystone

Kräftiges Durchatmen, mit den Füssen stampfen oder an ein schönes Erlebnis denken: In schwierigen Situation helfen Rituale Menschen wie Börsenhändlern oder Sportlern dabei, mit kühlem Kopf zu entscheiden statt Illusionen auf den Leim zu gehen – eine Lebensregel, deren Wert die Management-Forscherin Jennifer Whitson von der University of Texas in Austin nun experimentell bestätigt hat.

Unter Kontrolle und ausser Kontrolle

Wie das Wissenschaftsmagazin «Science» auf seiner Webseite berichtet, ersann Whitson gemeinsam mit dem Psychologen Adam Galinsky von der Northwestern University im Bundesstaat Illinois mehrere Experimente, um den Folgen einer starken Verunsicherung nachzugehen. Dann baten die beiden Forscher mehr als 40 Studentinnen und Studenten zur Teilnahme. Eine Gruppe dieser Probanden wurde gebeten, sich ein Erlebnis vorzustellen, in der sie die Kontrolle völlig verloren – zum Beispiel als Mitfahrer bei einem Autounfall. Die übrigen Teilnehmer mussten das Gegenteil tun und sich eine stark kontrollierte Situation ausmalen: etwa eine Prüfung, auf die sie hervorragend vorbereitet sind.

Nach dieser Vorbereitung lasen die Probanden kurze Texte, zum Beispiel über Marketingexperten, die ihre Ideen bei einer Konferenz nicht durchsetzen konnten, weil sie, wie sie glaubten, das Ritual vergessen hatten, vor dem Meeting dreimal kräftig mit den Füssen aufzustampfen. Diejenigen Versuchsteilnehmer, die sich zuvor die «Unter-Kontrolle-Situation» vorgestellt hatten, taten dies mehrheitlich als unglaubwürdig ab – doch die andere Gruppe tendierte dazu, dem Ritual tatsächlich einen Einfluss zuzuschreiben.

Unwirkliche Muster im Bildschirmrauschen

Die Experimente mit den Studenten zeigten, dass das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren, sogar die Wahrnehmung der Realität beeinflusst: Auf verschwommenen Monitorbildern wie einem weiss-grauen Bildrauschen, erkannten die Teilnehmer der «Ausser-Kontrolle-Gruppe» häufiger Formen, die gar nicht existierten. Und in einer Kurzgeschichte über einen Mann, der nicht befördert wurde, vermuteten sie weitaus häufiger eine Verschwörung der Kollegen als die Probanden der «Unter-Kontrolle-Gruppe» – ein falsche Einschätzung der Art, die im Alltag zu Fehlentscheidungen führen kann.

Freilich: Die Wahrnehmung wieder in gewohnte Bahnen zu lenken, erwies sich als einfach. Die beiden Wissenschaftler fragten die Teilnehmer, was in ihrem Leben das Wichtigste sei: zum Beispiel anderen Menschen zu helfen, politisches Engagement oder ähnliche Motive. Allein das Nachdenken über diese Frage lenkte sie wieder vom Gefühl des Kontrollverlusts ab – und, wie ein erneuter Versuch zeigte, sahen sie auch im Bildschirmrauschen keine Muster mehr.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch