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Darmbakterium EHEC: Die Spur führt in die Betriebskantine

Der gefährliche Stamm des EHEC-Erregers hat in Deutschland schon drei Todesopfer gefordert. Forscher fanden nun eine Infektionsquelle – beim renommierten Grosskonzern PricewaterhouseCoopers.

Schwere Symptome: Ein EHEC-Patient an einer Dialyse-Maschine im Marienkrankenhaus in Hamburg. (24. Mai 2011)
Schwere Symptome: Ein EHEC-Patient an einer Dialyse-Maschine im Marienkrankenhaus in Hamburg. (24. Mai 2011)
Keystone

Jährlich registriert das Bundesamt für Gesundheit (BAG) in der Schweiz 50–70 Fälle von Erkrankungen, die auf den EHEC-Erreger zurückzuführen sind. Doch diesmal scheint sich ein Stamm gebildet zu haben, der ansteckender und gefährlicher ist als die bisherigen Keime. Noch ist nur Deutschland und insbesondere der Norden des Landes betroffen. In der Schweiz wurden keine Fälle nachgewiesen.

In Deutschland wird fieberhaft nach den Quellen und den Gründen für den aktuellen EHEC-Ausbruch gesucht. Dabei fanden die Behörden laut «Spiegel online» heraus, dass bisher alle 19 in Frankfurt am Main erkrankten Personen am selben Ort gegessen hatten: in der Kantine des Wirtschaftsprüfers PricewaterhouseCoopers (PwC).

Die eigentliche Infektionsquelle wird aber in Norddeutschland vermutet, sagt ein Vertreter der Gesundheitsbehörden gegenüber dem «Spiegel». Schuld für die Infektionen bei PwC sei vermutlich eine verseuchte Lieferung ans Firmenrestaurant. Bis zum Wochenende sollen die Ergebnisse der Proben vorliegen, die bei Mitarbeitern genommen wurden. Bis dann bleibt die Kantine geschlossen.

Gemüse im Verdacht

Die Ursache für die jüngste Welle von Erkrankungen ist weiterhin unklar. Experten und Behörden vermuteten zunächst ungewaschene saisonale Gemüse, Früchte oder Salat wie Spargeln und Erdbeeren. Möglicherweise seien sie auch mit Gülle gedüngt worden.

Doch das Robert-Koch-Institut (RKI) mahnt, die Ursache sei noch vollkommen unklar. Eine RKI-Sprecherin warnte vor voreiligen Schlüssen. Es gebe derzeit keine Hinweise dafür, dass sich die Erkrankten durch den Verzehr von mit Gülle gedüngtem Gemüse infiziert hätten. Es kämen auch andere Übertragungswege infrage, wie etwa verunreinigtes Wasser.

Man habe es mit einem seltenen Stamm zu tun, mehr wisse man über den Erreger zurzeit nicht, sagt die Mikrobiologin Angelika Fruth gegenüber «Spiegel online».

Viele Fälle in Schleswig-Holstein

Aktuell sind deutschlandweit mehr als 400 Erkrankungen oder Verdachtsfälle bekannt. Bei mehreren Patienten ist der Zustand kritisch. Allein in Schleswig-Holstein verdoppelte sich die Zahl der Verdachtsfälle gestern innerhalb von einem Tag von 90 auf 200. Weitere Schwerpunktgebiete waren Niedersachsen, Hamburg, Hessen und Mecklenburg-Vorpommern.

Bislang starben drei Frauen, wobei nicht restlos geklärt ist, ob die Todesursache tatsächlich der EHEC-Erreger war. Bereits am Samstag starb in Niedersachsen eine 83-jährige Frau, die an blutigem Durchfall litt. Bei ihr wurde EHEC nachgewiesen. Eine weitere betagte Frau, eine 80-jährige Trägerin des Erregers, starb am Sonntag in Schleswig-Holstein. Die Frau lag demnach wegen einer Operation im Krankenhaus. Gestern wurde auch der Tod einer jungen Patientin in Bremen bekannt. Sie litt an den typischen Symptomen, die Labordiagnose stand aber noch aus.

EHEC in Deutschland und der Schweiz

Der EHEC-Erreger kann zu schwerem, auch blutigem Durchfall und bei Komplikationen zu akutem Nierenversagen sowie Blutarmut führen. Laut dem BAG verlaufen etwa 10 bis 20 Prozent der Fälle schwer.

EHEC gibt es wahrscheinlich weltweit. In der Schweiz sind es dieses Jahr laut BAG-Statistik bislang 34 Fälle. Der aggressive Keim ist in Deutschland seit der zweiten Maiwoche im Umlauf. Im Jahresdurchschnitt infizieren sich im nördlichen Nachbarland etwa 1000 Menschen mit dem Erreger. Die derzeitige Infektionsrate ist aber ungewöhnlich hoch.

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