Das sind die Alternativen zur Venen-OP

Das klassische Verfahren gegen Krampfadern ist ein chirurgischer Eingriff. Doch es gibt Behandlungen, die schonender sind.

Nicht nur eine ästhetische Belastung: Krampfadern können auch sehr schmerzhaft sein. Foto: Getty Images

Nicht nur eine ästhetische Belastung: Krampfadern können auch sehr schmerzhaft sein. Foto: Getty Images

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Schwere, geschwollene Beine – das sind die typischen Symptome von Krampfadern, unter denen auch Dusan Djordjevic, 42, viele Jahre lang litt. «Dazu kamen gelegentlich Schmerzen. Und bei längerem Stehen oder beim Rennen traten die Krampfadern hervor, was mich auch aus ästhetischen Gründen störte.» Venenprobleme sind weitverbreitet und können Männer ebenso betreffen wie Frauen, wenn auch seltener. Mit fortschreitendem Alter nimmt die Ausprägung der Symptome zu. Bei Frauen kommt es häufig während der Schwangerschaft zu vermehrten Beschwerden.

Die Ursache für Krampfadern, in der Fachsprache Varizen genannt, ist ein Blutstau: In den Venen wird das sauerstoffarme Blut von den Beinen zurück ins Herz gestossen – also gegen die Schwerkraft. «Die Beinmuskulatur sorgt wie eine Pumpe dafür, dass die Venen zusammengedrückt werden und das Blut transportiert werden kann», erklärt Marc Husmann, Facharzt für Gefässmedizin (Angiologie) am Zentrum für Gefässkrankheiten Zürich-Stadelhofen und Belegarzt an der Klinik Hirslanden in Zürich. Die Venenklappen verhindern, dass das Blut zurückfliesst. «Wenn sie nicht richtig funktionieren, dann staut sich das Blut in den Venen.» In der Folge entstehen Schwellungen, Verhärtungen und Verfärbungen. In sehr schweren Fällen ist die Durchblutung so sehr beeinträchtigt, dass die Hautzellen absterben und es zu einer Wunde kommen kann, einem «offenen Bein». «Das Ziel jeder Therapie ist es, diesen venösen Rückfluss zu vermindern oder im besten Fall ganz zu beheben», sagt Marc Husmann.

Krampfadern verschwinden ohne Behandlung nicht von selber.

Dazu kommen verschiedene Verfahren zur Anwendung. Das sogenannte Stripping ist die klassische Varizenoperation, bei der die Vene operativ aus dem Bein gezogen wird. Das Blut fliesst weiter normal über das tiefe Venensystem zurück zum Herzen. Diese Methode wird seit Jahrzehnten praktiziert und findet unter Voll- oder Teilnarkose statt. Seit rund zehn Jahren kann die Vene auch mit Hitze verschlossen werden. Die Energie dafür wird mittels Laser oder Radiofrequenz erzeugt. «Das ist eine schonende Alternative zum Stripping. Der minimalinvasive Eingriff erfolgt ambulant unter örtlicher Betäubung. Das Infektionsrisiko ist sehr klein, der Patient kann seine gewohnte Tätigkeit sofort wieder aufnehmen», sagt Marc Husmann. Für Dusan Djordjevic, Managing Director bei Swissspital, war dies die optimale Lösung. «Ich habe den oberen Bereich meiner Beine lasern lassen, also vom Knie bis zu den Hüften. Der Eingriff war kurz, er hat weniger als eine Stunde gedauert.»

Gleich danach schmerzten die Beine, aber die Situation verbesserte sich schnell. «Ich bin sofort auf eine Geschäftsreise gegangen und habe an einer Konferenz teilgenommen. Aber wenn man es irgendwie einrichten kann, würde ich dazu raten, es zwei Tage lang etwas ruhiger anzugehen und sich etwas zu schonen.» Während vier Tagen trug Dusan Djordjevic rund um die Uhr Kompressionsstrümpfe. Diese drücken die Venen zusammen und fördern den Abfluss des Bluts.

Ein weiterer Vorteil dieses Verfahrens: Es ist kostengünstiger, weniger personalintensiv und mit einer rascheren kompletten Erholung verbunden als das Stripping, und es wird ebenfalls von der Grundversicherung der Krankenkasse übernommen. Allerdings ist die Methode Anfang Jahr in die Kritik geraten. Ein Mediziner-Team der Ruhr-Universität Bochum hat die Rückfallraten nach verschiedenen Behandlungsoptionen über mindestens fünf Jahre verglichen. Nach Laserbehandlungen, so das Fazit der Studie, traten im Vergleich mit konventionellen Operationen bis zu fünfmal so oft Rezidive auf, also neue Krampfadern. Andere Studien widersprechen diesem Ergebnis jedoch. «Wie bei allen Eingriffen ist es auch hier entscheidend, dass sauber und professionell gearbeitet wird, dass der behandelnde Arzt über die nötige Erfahrung verfügt und das korrekte Verfahren gewählt wird», sagt der Gefässspezialist Marc Husmann.

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Welche Methode zur Anwendung kommt, hängt unter anderem davon ab, wie gross der Durchmesser ist, wie stark geschlängelt die erkrankten Venen sind oder wie ihre anatomische Situation ist. Wichtig ist in jedem Fall eine genaue Diagnostik. Dazu gehört neben dem Abklären einer familiären Belastung und von Risikofaktoren wie etwa einer Herzschwäche, Erkrankungen und erlittenen Thrombosen auch eine Ultraschalluntersuchung des Venensystems. Aufgrund der Abklärungen kann dann die Behandlung festgelegt werden. «Für ein optimales Ergebnis werden die verschiedenen Therapieformen auch miteinander kombiniert», sagt Marc Husmann. Aber nicht in jedem Fall ist eine Behandlung nötig: «Sind die Krampfadern ein rein kosmetisches Problem, also stören sie nur optisch und machen keinerlei Beschwerden, müssen sie nicht zwingend entfernt werden.»

«Präventive Massnahmen bringen kaum eine Verhinderung von Krampfadern.»Marc Husmann, Gefässspezialist

Anders sieht es bei Patienten wie Dusan Djordjevic aus, die aufgrund ihrer Venenschwäche unter Schwellungen, schweren Beinen oder gar Schmerzen leiden. Hier besteht Handlungsbedarf, denn Krampfadern verschwinden ohne Behandlung nicht von selber. Kompressionsstrümpfe oder Salben mit Extrakten zum Beispiel aus Rosskastanien oder Weinlaub können die Symptome lindern, Abhilfe schafft aber nur eine Entfernung der kranken Venen. Gut zu wissen: «Wer unter Varizen leidet, hat nur ein gering erhöhtes Thromboserisiko.» Das bedeutet: Bei Krampfadern ohne Beschwerden müssen die Venen nicht wegen eines erhöhten Risikos für Thrombose behandelt werden.

Kann man Krampfadern vorbeugen? «Nein, denn in den allermeisten Fällen ist eine Klappenschwäche der Vene angeboren, sodass präventive Massnahmen kaum eine Verhinderung von Krampfadern bringen», sagt Gefässspezialist Marc Husmann. Immerhin: Viel Bewegung und das Vermeiden von Übergewicht tragen dazu bei, das Auftreten von Krampfadern nicht auch noch zu begünstigen. Krampfadern können selbst nach einer erfolgreichen Therapie erneut auftreten. Die kranken Venen sind zwar entfernt, aber es können aufgrund der Klappenschwäche einst gesunde Venen erkranken. «Das ist längst nicht immer der Fall, und in der Regel hält der Behandlungserfolg oft viele Jahre an», sagt Marc Husmann. Darauf hofft auch Dusan Djordjevic, der mit dem Ergebnis seines Eingriffs sehr zufrieden ist. «Alles ist wunderbar verheilt, die Krampfadern und die hässlichen Flecken sind verschwunden. Ich fühle mich beim Stehen und Laufen nicht mehr beeinträchtigt und habe viel mehr Energie.»

(Schweizer Familie)

Erstellt: 24.10.2019, 21:09 Uhr

Therapiemethoden bei Krampfadern

Stripping
Das gebräuchlichste Verfahren, das seit Jahrzehnten angewendet wird. Dabei macht der Chirurg einen kleinen Schnitt in die Leiste und zieht die erkrankte Stammvene mitsamt ihren Seitenästen in einem Stück aus dem Bein heraus. Der Eingriff erfolgt unter Narkose oder Teilnarkose; meist stationär bei beidseitigem Eingriff, häufig ambulant, wenn nur ein Bein behandelt wird.

Phlebektomie
Statt die komplette Vene zu entfernen, besteht auch die Möglichkeit, mit speziellen Häkchen nur die kranken Abschnitte der Vene zu entfernen und die gesunden Teile im Körper zu belassen. Der Eingriff erfolgt unter Teilnarkose und ambulant.

Laserverfahren
Die Lasertherapie gehört zu den sogenannt minimalinvasiven Verfahren. Der Eingriff wird ambulant durchgeführt und erfolgt unter lokaler Betäubung. Über eine dünne Lasersonde wird Wärmeenergie in die kranke Vene eingeleitet. So schrumpft und verschliesst sich das Gewebe.

Radiowellentherapie
Wie beim Laserverfahren wird die erkrankte Vene nicht aus dem Bein gezogen, sondern durch einen Katheter erwärmt. Die Hitze wird in diesem Verfahren durch Radiowellen erzeugt. Auch hier kommt es zu einer Schrumpfung und dem Verschluss der Vene. Radiowellenbehandlungen können unter lokaler Betäubung und ambulant durchgeführt werden.

Sklerosierung
Kleinere Krampfadern können verödet werden. Dabei wird ein Verödungsmittel direkt in die kranke Vene hineingespritzt. So wird die Vene verschlossen und löst sich mit der Zeit auf.

Nichtoperative Behandlung
Mit Kompressionsstrümpfen wird dem erhöhten Blutdruck in den Beinvenen ein entsprechender Druck von aussen entgegengesetzt. Dies kann Schweregefühl und Schwellungen entgegenwirken, löst aber das Problem der kranken Venen nicht.

Für alle Verfahren gilt: Bei einer medizinischen Indikation zahlt die Grundversicherung den Eingriff. Geht es «nur» um die Ästhetik, muss der Patient bzw. die Patientin die Kosten selber übernehmen.

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