Der Krankheit auf der Spur

Der Forscher Richard Neher zeigt online, wie sich Viren verbreiten.

Enthalten sie das Zika-Virus? Blutproben von schwangeren Frauen vor dem Test. Foto: Moises Castillo (AP, Keystone)

Enthalten sie das Zika-Virus? Blutproben von schwangeren Frauen vor dem Test. Foto: Moises Castillo (AP, Keystone)

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Wie lassen sich Epidemien wie Ebola, Zika oder auch hiesige Grippewellen eindämmen? Wenn die Medikamente zu teuer sind, sie die Erkrankten zu spät erreichen oder gar nicht mehr wirken?

Das sind elementare Fragen, und es sind solche, die in der Forschung von Richard Neher eine zentrale Rolle spielen. Der deutsche Physiker, der bis vor kurzem am Max-Planck-­Institut für Entwicklungsbiologie arbeitete, lehrt und forscht seit Februar am Biozentrum der Universität Basel. Zusammen mit einem Kollegen aus den USA hat er eine interaktive Plattform entwickelt, welche die weltweite Ausbreitung von Krankheitserregern darstellt. Gestern haben der 37-Jährige und sein Kollege dafür den Open Science Prize erhalten. Die Auszeichnung ist mit umgerechnet 230'000 Franken dotiert und wird unter anderem vom britischen Wellcome Trust finanziert; einer der reichsten Stiftungen, die medizinische Forschung fördert.

Nehers Website Nextstrain.org speist sich aus internationalen Daten, die man so der Öffentlichkeit besser zugänglich machen will. Man liefere das grosse Bild, dank dem man die Wege der Viren verstehen könne, sagt Neher. Aufgeschaltet sind bereits Informationen zu Ebola und Zika, weitere sollen folgen. Im Zeitraum zwischen 2011 und heute lässt sich die Verbreitung des jeweiligen Virus aufzeigen, sortiert nach Ländern oder Jahren. Auf einer Weltkarte wird ersichtlich, wo und wann ein Virus das erste Mal aufgetreten ist, und man sieht, welche Virenvarianten sich entwickelt haben.

1500 Besuche pro Tag

Neher freut es, dass sich aus der reinen Grundlagenforschung ein direkter Nutzen ergeben hat: Für Gesundheitsbehörden etwa könnte die laufend aktualisierte Website dereinst eine wichtige Anlaufstelle sein, um die Entwicklung eines Virus zu überblicken und im eigenen Land die nötigen Massnahmen einzuleiten. Beim Grippevirus, dessen Plattform vor zwei Jahren fertiggestellt wurde, zeigt sich dieser Nutzen bereits: Laut Neher wird sie rund 1500-mal täglich konsultiert.

Die Software analysiert aber nicht nur, wie sich ein Virus verändert. Sie ermöglicht auch Prognosen darüber, welcher Virusstamm sich durchsetzt. Das hilft dabei, einen Erreger berechenbarer zu machen, und erleichtert es, geeignete Gegenmassnahmen zu entwickeln – zumindest vorläufig. «Stillstand erreichen wir nie», sagt Neher. Man müsse immer ein Auge darauf haben, weil sich die Erreger wegen neuer Impfstoffe verändern oder Resistenzen gegen Medikamente bilden. Gerade in Krankenhäusern würden antibiotikaresistente Bakterien häufiger auftreten. Für den Einzelnen sei es ja gut, Antibiotika zu nehmen, sagt Neher. Aber für die Menschheit wird es zum Problem, wenn das Medikament seine Wirkung verliert.

Ein ethisches Dilemma, für das auch der Forscher keine Lösung kennt.

Physiker Richard Neher. Foto: PD (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 28.02.2017, 20:39 Uhr

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