Der Röstigraben in den Gesundheitskosten

Der Medikamentenkonsum in der Schweiz nimmt zu – nicht nur gesamthaft, sondern auch pro Person. Es existieren jedoch grosse regionale Unterschiede, wie eine Analyse zeigt.

Medikamente kosten mehr, werden aber auch vermehrt konsumiert. Medikamente in einem Portemonnaie. (Symbolbild)

Medikamente kosten mehr, werden aber auch vermehrt konsumiert. Medikamente in einem Portemonnaie. (Symbolbild) Bild: Gaetan Bally/Keystone

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Die Gesundheitskosten in der Schweiz steigen seit Jahren. Der Krankenversicherer Helsana liefert in seinem diesjährigen Arzneimittel-Bericht neue Zahlen zu den Kosten im Rahmen der obligatorischen Krankenversicherung. Die Daten zeigen: Seit 2012 sind die Medikamentenkosten um rund 12 Prozent auf 6,6 Milliarden Schweizer Franken gestiegen.

Dabei ist nicht nur die Anzahl Konsumenten gestiegen, sondern auch die Medikamentenbezüge und die Kosten pro Patient. So haben Patienten letztes Jahr mit durchschnittlich 17,3 Bezügen rund ein Medikament mehr konsumiert als noch vor drei Jahren. In der gleichen Zeitspanne sind auch die Medikamentenkosten pro Person um rund 50 Franken auf jährlich 1078 Franken gestiegen.

Die Daten für den Bericht basieren auf rund 1,2 Millionen Helsana-Kunden, die auf die Gesamtbevölkerung hochgerechnet wurden. Demnach bezogen Frauen pro Kopf mehr Medikamente als Männer, aber sie verursachen trotzdem etwas weniger Gesamtkosten als Männer.

Grosse regionale Unterschiede

Insgesamt machen die errechneten Medikamentenkosten (ohne stationär verabreichte Medikamente) bloss 9,1 Prozent der gesamten Gesundheitskosten aus. Die Versicherung spricht dabei von einer «hervorragenden Kosten-Nutzen-Bewertung». Im Verhältnis zum Stellenwert der Medikamente in der Gesellschaft und ihrem Anteil an der Verbesserung der Lebenserwartung und dem Wohlbefinden sei dieser Anteil «sehr tief», urteilen die Autoren.

Der Bericht zeigt nicht nur, wie sich die Gesundheitskosten im Generellen verändert haben, sondern auch, dass grosse regionale Unterschiede existieren. «Wie bereits im Vorjahr wiesen die Kantone Basel-Stadt, Basel-Landschaft, Genf, Neuenburg, Waadt und Tessin überdurchschnittlich viele Bezüge und hohe Kosten pro Person auf, während in der Zentral- und Ostschweiz verhältnismässig wenige Bezüge und tiefe Kosten pro Person verzeichnet wurden», heisst es im Bericht.

Der «Tages-Anzeiger» hat unlängst eine Analyse der Krankenkassenkosten im letzten Lebensjahr veröffentlicht, die ähnliche regionale Unterschiede fand.

Nach Medikamenten aufgeschlüsselt

Die Versicherung hat die Kosten auch nach therapeutischen Gruppen aufgeteilt. Die teuersten Medikamente sind demnach Immunsuppressiva (oft gegen Abstossungsreaktionen und Autoimmunerkrankungen eingesetzt), Antiviralia (hauptsächlich gegen virale Infektionskrankheiten) und Krebsmedikamente. Sie sind zusammen für mehr als ein Viertel der Gesamtkosten verantwortlich, obwohl sie nur 1,7 Prozent aller Medikamentenbezüge ausmachen.

Der Bericht der Helsana ist online einsehbar.

Korrektur: Die erste Version dieses Artikels besagte, die Autoren erachteten den Kostenanteil der Medikamente von 9,1 Prozent als «sehr tief». Im Bericht steht: «Betrachtet man den enorm wichtigen Stellenwert der Medikamente in unserer Gesellschaft und den unbestritten entscheidenden Anteil der Medikamentenforschung und –entwicklung an der steigenden Lebenserwartung und am Wohlbefinden unserer Bevölkerung, dann ist ein Anteil von 9,1 Prozent an den gesamten Gesundheitskosten ein sehr tiefer Kostenanteil mit einer zweifellos hervorragenden Kosten-Nutzen-Bewertung.» Der Artikel wurde mit der Begründung dieses Urteils ergänzt.

(mch)

Erstellt: 07.12.2016, 18:07 Uhr

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