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Der soziale Zwang trifft nur Frauen

Der Druck auf die Frauen, regelmässig zur Vorsorgeuntersuchung zu gehen, ist enorm.

Warum werden Frauen dazu gedrängt, sich einmal im Jahr untersuchen zu lassen, und Männer nicht?
Warum werden Frauen dazu gedrängt, sich einmal im Jahr untersuchen zu lassen, und Männer nicht?
David Adair/Ex-Press

Wie ein Ührli, pflegt meine Mutter zu sagen. Immer im Frühling, etwa zur gleichen Zeit, geht sie zu ihrer Frauenärztin. Urinkontrolle, Krebsabstrich, Brustkrebsvorsorge. Seit 40 Jahren. Das lernt jede junge Frau, nachdem sie das erste Mal beim Gynäkologen war – wahrscheinlich, um sich die Pille verschreiben zu lassen: Die jährliche Kontrolle – das gehört ab sofort zum Leben. Wie die Menstruation.

Der soziale Druck auf die Frauen, regelmässig zur Vorsorgeuntersuchung zu gehen, ist enorm. Und der regelmässige Kontakt mit dem Gynäkologen macht ­sicher Sinn – wenn junge Frauen ihre Sexualität erkunden und die Pille nehmen, wenn sie schwanger werden, wenn sie in die Wechseljahre kommen. Wieso allerdings die eine Hälfte der Bevölkerung darauf ­getrimmt wird, sich einmal pro Jahr von einem Arzt begutachten zu lassen, während die andere Hälfte ­keinerlei derartigen Zwängen unterworfen wird, erschliesst sich nicht auf den ersten Blick. Sind die weiblichen Geschlechtsorgane wirklich krankheitsanfälliger als die männlichen? Brauchen die einen wirklich jedes Jahr eine Kontrolle – und die anderen nicht?

Routinemässige Abstriche

Diese Frage stellt man sich insbesondere darum, weil die Ärztegesellschaft selbst empfiehlt, den Krebsabstrich nur noch alle drei Jahre zu machen. An der Empfehlung, einmal jährlich zum Frauenarzt zu gehen, hält sie allerdings fest. Trotzdem machen die meisten Gynäkologen wahrscheinlich heute noch routinemässig einen Krebsabstrich – ohne ihre Patientinnen zu fragen. Dabei müssen diese den Test dann oft selbst bezahlen. Damit riskieren die Ärzte ihre Glaubwürdigkeit: Wie, bitte, soll man so noch wissen, welche Tests medizinisch tatsächlich angebracht sind – und was ein alter Zopf ist oder schlimmer: Geldmacherei?

Mein Frauenarzt, bei dem ich kürzlich wieder war, reagierte übrigens äusserst gelassen auf mein zerknirschtes Geständnis, ich hätte wohl die eine oder andere Vorsorgeuntersuchung versäumt. «Sie sind eine gesunde, junge Frau», meinte er. «Da ist das auch kein Problem.» Den Krebsabstrich machte er danach trotzdem – schliesslich war der letzte auch schon mehr als drei Jahre her.

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