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«Die Fälle an hellem Hautkrebs nehmen explosionsartig zu»

In der Schweiz ist fast jeder dritte Mensch über 70 von hellem Hautkrebs betroffen. Dabei ist die Prävention simpel – und wirksam.

Sonnenschutzfaktor 50 schützt vor der schädlichen UV-Strahlung: Eine Frau crèmt sich ein. Foto: Getty Images
Sonnenschutzfaktor 50 schützt vor der schädlichen UV-Strahlung: Eine Frau crèmt sich ein. Foto: Getty Images

Unzählige Stunden seines Lebens hat Walter Rüegg, 75, in der Natur verbracht. Am liebsten hoch oben auf dem Gletscher bei strahlendem Sonnenschein. Der pensionierte Postbeamte aus dem Zürcher Unterland kann sich noch gut erinnern, wie er manchmal abends mit knallrotem Kopf von einer Bergtour heimkehrte. «Damals war es nicht üblich, einen Hut zu tragen und sich einzucremen.» Nicht nur auf Wanderungen oder beim Skifahren, auch daheim bei der Gartenarbeit verzichtete er lange Zeit auf einen Sonnenschutz. «Von den möglichen Folgen sprach damals noch niemand.»

Vor vier Jahren bemerkte seine Coiffeuse eine schuppige Stelle auf seiner Kopfhaut. «Sie müssen das unbedingt eincremen», sagte sie. Walter Rüegg, der an trockener Haut leidet, strich die Stelle fortan regelmässig mit einer fetthaltigen Salbe ein. Doch das nützte nichts. Irgendwann suchte er deswegen einen Hautarzt auf. Ein Blick mit der Lupe und eine kleine Gewebeprobe reichten, um eine Diagnose zu stellen: heller Hautkrebs, genauer gesagt ein Basalzellkarzinom. Dieser Tumor ist die Folge von übermässiger, langjähriger Sonneneinstrahlung.

Speziell gefährdet sind hellhäutige Menschen mit blonden oder roten Haaren, blauen, grünen oder grauen Augen.

Das Basalzellkarzinom, kurz Basaliom, ist in Mitteleuropa der häufigste Krebs überhaupt. Es gehört zusammen mit dem Spinalzellkarzinom zum hellen Hautkrebs und bildet sich vor allem auf den sonnenexponierten Stellen der Haut: Stirn, Nase, Lippen, Ohren, Handrücken oder Glatze. Seltener findet es sich auch an Rumpf, Armen oder Beinen.

Speziell gefährdet für hellen Hautkrebs sind hellhäutige Menschen mit blonden oder roten Haaren, blauen, grünen oder grauen Augen. «Arbeitet jemand über Jahre hinweg viel im Freien, besteht ebenfalls ein höheres Risiko», sagt die Hautärztin Mirjam Nägeli von der Dermatologischen Klinik am Universitätsspital Zürich.

Schätzungen gehen davon aus, dass hierzulande fast jeder dritte Mensch über siebzig von hellem Hautkrebs betroffen ist. «Die Fälle nehmen explosionsartig zu», sagt Mirjam Nägeli. «Denn die Generation, die jetzt im Pensionsalter ist, hat der Haut in der Regel wenig Sorge getragen.» Sie hat sich oft ohne Schutz stundenlang in der prallen Sonne aufgehalten, sei es am Strand, im Garten oder in den Bergen. In ihrer Sprechstunde sieht die Hautärztin manchmal auch schon Vierzig- oder Fünfzigjährige mit hellem Hautkrebs.

«Vielen Betroffenen fällt die Hautveränderung zwar auf, aber sie denken sich nicht viel dabei.»

Mirjam Nägeli, Dermatologin

Basaliome entwickeln sich meist über Jahre hinweg. «Manche Basalzellkarzinome sehen knotig oder fleckig aus, andere ähneln Narben oder einem schuppigen Hautausschlag», sagt die Dermatologin Mirjam Nägeli. «Vielen Betroffenen fällt die Hautveränderung zwar auf, aber sie denken sich nicht viel dabei.» Denn der Tumor schmerzt nicht. «Oft suchen die Patienten erst einen Arzt auf, wenn die Stelle nicht aufhört zu bluten oder immer grösser wird.»

Das Basaliom bildet im Gegensatz zum schwarzen Hautkrebs nur sehr selten Metastasen. «Es kann aber tief in die Haut wachsen, Gewebe, Knorpel und sogar Knochen schädigen», sagt Mirjam Nägeli, die in ihrer Sprechstunde am Unispital Zürich vor allem schwere Fälle von hellem Hautkrebs behandelt.

Wie ein Basalzellkarzinom therapiert wird, hängt unter anderem von dessen Lage, Grösse und Tiefe sowie dem Gesundheitszustand des Patienten ab. Die Standardtherapie ist das Herausschneiden des Tumors. Das Basaliom von Walter Rüegg wurde mit Röntgenstrahlung behandelt, einer Therapie, die vor allem beim knotigen Basaliom-Typ im Gesicht zum Einsatz kommt. Die Röntgenstrahlen schädigen die Krebszellen so, dass sie absterben. «Die Behandlung erfordert in der Regel bis zu zwölf Sitzungen über mehrere Wochen hinweg», sagt Mirjam Nägeli. Angewendet wird die Therapie nur bei Patienten, die über 65 Jahre alt sind, da die Strahlung die Entstehung anderer Krebsarten begünstigen kann, dies allerdings erst nach Jahrzehnten.

Regelmässige Kontrolle

Bei oberflächlichen Basalzellkarzinomen ist eine gängige Behandlungsmethode das Vereisen, auch Kältetherapie genannt. Flüssiger Stickstoff zerstört dabei das Tumorgewebe. Eine weitere Möglichkeit ist die sogenannte photodynamische Therapie, die sich ebenfalls für oberflächliche Tumoren eignet. Dabei wird zuerst eine Salbe aufgetragen, die den Tumor lichtempfindlich macht. Danach wird der Tumor mit rotem Licht bestrahlt und damit zerstört.

Bis heute muss Walter Rüegg alle paar Monate zur Kontrolle. «Wer einmal hellen Hautkrebs hatte, muss mit weiteren Tumoren dieser Art rechnen», erklärt Mirjam Nägeli. Sie empfiehlt die Hautkontrolle aber auch allen anderen Menschen. «In welchen Abständen sie erfolgen sollte, ist von Fall zu Fall unterschiedlich und wird vom Hautarzt festgelegt.»

Das Eincremen von Gesicht, Nacken und Handrücken ist für den ehemaligen Postbeamten zur Routine geworden.

Auch beim ehemaligen Postbeamten traten zwei Basaliome an den Schläfen auf. Sie waren so tief gewachsen, dass ein Chirurg sie herausschneiden musste. «Ich wurde morgens operiert, und am Nachmittag durfte ich bereits nach Hause», erinnert sich Walter Rüegg. Entfernt wurde das Basaliom mittels der sogenannten Mohs-Chirurgie. «Dabei wird der Tumor mit einem kleinen Sicherheitsabstand herausgeschnitten. Das Gewebestück wird dann sofort mikroskopisch an allen Rändern auf Tumorreste untersucht», erklärt Hautärztin Mirjam Nägeli vom Universitätsspital Zürich. Falls nötig, gibt es wenige Stunden später noch eine Nachoperation.

Walter Rüegg zieht es nach wie vor in die Höhe. Doch anders als früher trägt er heute in den Bergen ebenso wie im Garten immer einen Sonnenhut. Auch das Eincremen von Gesicht, Nacken und Handrücken ist für ihn zur Routine geworden. «Sonnenschutz ist für mich inzwischen so alltäglich wie Zähneputzen.»

Weitere Infos zu Hautkrebs und Sonnenschutz finden Sie auf der Website der Krebsliga Schweiz: www.krebsliga.ch

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