Die gängigsten Sonnencreme-Mythen im Check

Die Sonne ist zurück: Warum man sich nach der «Teelöffel-Regel» eincremen sollte und weitere Tipps.

Wer im Schatten bleibt, sich eincremt und ein Käppi trägt, lebt gesünder als die Sonnenanbeter. Foto: Roberto Pfeil, AP Photo, Keystone

Wer im Schatten bleibt, sich eincremt und ein Käppi trägt, lebt gesünder als die Sonnenanbeter. Foto: Roberto Pfeil, AP Photo, Keystone

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Diese Woche herrscht wieder Badewetter: «Sommertage mit viel Sonnenschein und 25 bis 28 Grad» sagt SRF Meteo voraus. Wie schützt man sich am besten vor der Sonne? Wir haben die wichtigsten Fragen beantwortet.

Wie lange kann ich mit Sonnenschutzmittel in der Sonne bleiben?
Das hängt von der Sonnenintensität, vom Hauttyp und vom Lichtschutzfaktor (LSF) ab. Bei einem Menschen mit sehr heller Haut beginnt sich die ungeschützte Haut nach etwa fünf bis zehn Minuten an der Sonne zu röten. Theoretisch verlängert ein Sonnenschutzmittel mit Lichtschutzfaktor 50 diese Zeitspanne auf 250 bis 500 Minuten. In der Praxis ist diese Zeitdauer aber kürzer, unter anderem, weil meist zu wenig Sonnenschutzmittel verwendet wird.

Welchen Lichtschutzfaktor brauche ich?
Ratsam ist ein LSF von mindestens 30. Ein Produkt mit LSF 15 lässt etwa sieben Prozent der UV-Dosis in die Haut, bei LSF 30 sind es 3,3 Prozent und bei einem LSF von 60 nur noch 1,7 Prozent. Jede Verdopplung des Lichtschutzfaktors, etwa von 15 auf 30, bedeutet, dass die UV-Dosis, die die Haut erreicht, halbiert wird – vorausgesetzt, es wird genügend Sonnenschutzmittel aufgetragen.

Wie viel Sonnencreme muss ich einstreichen?
Die meisten Menschen tragen viel zu wenig auf und erzielen daher nicht die Wirkung, die das Mittel bieten könnte. Eine Hilfe ist die «Teelöffel-Regel»: Jeweils knapp einen Teelöffel voll Sonnencreme für Gesicht und Hals sowie für jeden Arm. Auf Bauch, Rücken und jedes Bein je knapp zwei Teelöffel Sonnenschutzmittel auftragen. Pro Kind rechnet man beim Eincremen insgesamt etwa 10 Gramm Sonnenschutzmittel, pro Erwachsenen mindestens 20 Gramm. Da beim Abtrocknen, Schwitzen oder durch Sand und Kleidung ein Teil abgewischt wird, sollte man sich täglich mehrmals eincremen.

Warum sollte ich mich auch im Schatten schützen?
Unter einem Sonnenschirm kann eine Person immer noch mehr als 80 Prozent der UV-Strahlung abbekommen, selbst wenn der Schirm UV-dicht ist. Denn Sand reflektiert etwa 15 Prozent der Sonneneinstrahlung, Gras, Erde und Wasser rund 10 Prozent (Schnee sogar bis zu 90 Prozent). In einem Versuch erlitten nicht eingecremte Personen am See unter dem Sonnenschirm achtmal mehr Sonnenbrände als Leute mit starker Sonnencreme.

Wie gut haften wasserfeste Sonnenschutzmittel?
Das wird ermittelt, indem sich die Testpersonen zweimal für je 20 Minuten in einen Whirlpool begeben. Damit ein Mittel als wasserresistent gilt, muss es danach noch mindestens 50 Prozent so gut schützen wie zuvor. «Extra wasserresistent» bedeutet, dass es diese Bedingung auch nach viermaligem Whirlpool-Test erfüllt. Nicht berücksichtigt wird bei diesen Tests aber, dass Spritzwasser mehr vom Sonnenschutzmittel abwäscht. Und dass beim Abtrocknen ein Grossteil davon am Handtuch haftet. Deshalb nach dem Badegang erneut eincremen, auch bei wasserfesten Produkten.

Brauchen Kinder speziellen Sonnenschutz?
Ja, ihre Haut ist empfindlicher als die von Erwachsenen. Bis zum sechsten Lebensmonat sollten Babys möglichst gar nicht an die direkte Sonne. Hautärzte empfehlen sogar, Kinder bis zu drei Jahren nicht der prallen Sonne auszusetzen. Je mehr Sonnenbrände im Kindesalter, desto höher ist später das Hautkrebsrisiko. Wegen der möglichen hormonähnlichen Wirkung rät die US-Akademie der Kinderärzte (AAP) von Mitteln mit dem Wirkstoff Oxybenzon ab.

Sind Sonnenschutzmittel unbedenklich?
Eine kleine Studie hat jüngst Lichtschutzfilter aus Sonnenschutzmitteln im Blut gefunden. Die Konzentrationen waren gering, aber höher als vermutet. Ob und wie gefährlich dies ist, soll nun erforscht werden. Sicher ist aber, dass kein Sonnenschutz der Haut stark schadet. Deshalb raten Fachleute weiter zu Sonnenschutzmitteln. Es gibt zwei Typen von Lichtschutzfiltern: Chemische (organische) Filter verwandeln UV-Licht in energieärmere Strahlung. Es bestehen Hinweise, dass sie ähnlich wie Hormone wirken könnten. Ob sie das wirklich tun, ist offen. Der andere Typ sind physikalische (anorganischen) Filter wie Zink- und Titandioxid. Sie wirken wie winzige Spiegel und reflektieren das Licht. Solche Produkte können Mikro- oder Nanopartikel enthalten. Es ist jedoch weitgehend erwiesen, dass diese Partikel nicht durch intakte Haut dringen. Zudem sind sie viel grösser als die Moleküle der chemischen Lichtschutzfilter. Dass gewisse Lichtschutzfilter in geringen Konzentrationen in die Muttermilch übergehen können, ist bekannt. Schwangeren und stillenden Frauen wird deshalb geraten, physikalische Sonnenschutzmittel zu verwenden.

Gibt es auch natürliche Sonnenschutzmittel?
Täglich 40 Gramm Tomatenmark, zwei Teelöffel Olivenöl, 20 Gramm dunkle Schokolade, dazu ein Liter Grüntee und das alles täglich mindestens zehn Wochen lang. So könnte ein Rezept für natürlichen Sonnenschutz lauten – das aber nicht funktioniert. Auch wenn Heilpflanzen, Nahrungsmitteln, Vitaminen und Mineralien ein gewisser sonnenschützender Effekt bescheinigt wird: Vor Sonnenbrand bewahren weder Vitamin E noch Kurkuma, Traubenextrakt, Selen oder andere natürliche Mittel. Denn erstens braucht es davon grosse Mengen über lange Zeit, zweitens ist die Wirkung nur bescheiden. Der Pflanzenextrakt aus dem Farn Polypodium leucotomos zum Beispiel hat einen Lichtschutzfaktor von lediglich zwei bis drei. Guten Sonnenschutz können natürliche Mittel bislang nicht ersetzen, höchstens ergänzen.

Wie lange sind Sonnenschutzmittel haltbar?
Auf der Packung ist das Verfalldatum aufgedruckt oder ein kleiner Cremetopf, zum Beispiel mit der Angabe «12M». Das heisst: Das Mittel hält ab erstem Gebrauch noch 12 Monate – wenn es korrekt gelagert wird. Sonnenschutzmittel sollten nicht lange Zeit an der Sonne liegen (oder bei Kälte einfrieren). Nicht mehr verwenden sollte man sie, wenn sie komisch riechen oder aussehen.

Schützen Sonnenschutzmittel vor Hautkrebs?
Dazu gibt es nur wenige ältere Studien, die nicht auf heutige, wirksamere Sonnenschutzmittel übertragbar sind. Sicher ist aber: Sonnenbrände erhöhen das Risiko für Hautkrebs – und Sonnenschutzmittel schützen vor Sonnenbrand.

Dieser Artikel gehört zu den meistgelesenen Texten der letzten Wochen. Er erschien erstmals am 7. Juli 2019.

Erstellt: 24.07.2019, 16:28 Uhr

So kann Ihnen die Sonne nichts anhaben

Wir brauchen die Sonne zum Leben, aber zu viel von ihrer Strahlung ist vor allem für unsere Haut nicht gesund. Bewährte Tipps, wie Sie die Sonne ohne Risiko geniessen:

Bleiben Sie während der Mittagszeit (11 bis 15 Uhr) möglichst im Schatten.

Ziehen Sie UV-dichte Kleider an. Dicht gewobene Stoffe und dunkle Farben schützen besser als helle, gedehnte oder nasse Textilien. Der sogenannte Ultraviolet Protection Factor (UPF-Wert) gibt Auskunft, wie gut die Textilie die UV-Strahlung abhalten kann. Standards gewährleisten, dass der UV-Schutz des Kleidungsstücks überprüft wurde. Am strengsten ist der UV-Standard 801, dabei wird das Kleidungsstück unter Worst-Case-Bedingungen geprüft.

Achten Sie beim Kauf eines Sonnenschirms auf den UPF: Ab einem Wert von 50 bietet der Schirm hohen Schutz.

Tragen Sie einen Hut, am besten mit mindestens sieben Zentimeter breiter Krempe.

Wählen Sie eine Sonnenbrille mit mindestens 99-prozentigem UV-Schutz.

Cremen sie sich 15 bis 30 Minuten vor dem Gang an die Sonne zweimal mit Sonnenschutzmittel ein und lassen Sie das Mittel gut antrocknen. Erst danach Kleider anziehen.

Sonnenschutzsprays gleichmässig mit der Hand auf der Haut verteilen.

Singles können zum Eincremen des Rückens einen kleinen Farbroller am Stil (aus dem Baumarkt) benützen oder einen langen Schuhlöffel mit einem umgewickelten Tuch. Wichtig: Genügend Sonnenschutzmittel auftragen!

Nach dem Baden und bei starkem Schwitzen das Sonnenschutzmittel erneut anwenden. Mehrfaches Eincremen ist aber kein Freibrief, um länger in der Sonne zu bleiben. Es sorgt nur dafür, dass der Sonnenschutz erhalten bleibt.

Produkte mit zusätzlicher Wirkung gegen UV-A-Strahlung sollten das «UV-A-Logo» tragen. Hinweise wie «Breitbandschutz» oder «Mit UV-A-Schutz» garantieren nicht, dass das Mittel ausreichend gegen UV-A-Strahlung schützt.

Stillende Mütter sollten, wenn überhaupt, am besten Produkte mit physikalischen Lichtschutzfiltern benützen.

Mückenschutzmittel erst 15 bis 30 Minuten nach der Sonnencreme auftragen.

Hautpeeling-Produkte und Medikamente können die Haut empfindlicher machen für Sonnenlicht. Dazu zählen etwa bestimmte Antibiotika. Erkundigen Sie sich bei einer Fachperson und lesen Sie den Beipackzettel von Medikamenten. (mf)


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