Die Hälfte der Hepatitis-C-Infizierten weiss von nichts

In der Schweiz sterben dreimal mehr Menschen an den Folgen von Hepatitis C als von HIV.

Schützen nicht nur vor HIV, sondern auch Hepatitis C: Kondome. (Archivbild)

Schützen nicht nur vor HIV, sondern auch Hepatitis C: Kondome. (Archivbild) Bild: Azhar Rahim/Keystone

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An der Viruskrankheit Hepatitis C leiden in der Schweiz 100'000 Menschen. Das Beunruhigende: Nur die Hälfte von ihnen weiss, dass sie infiziert sind. Die Krankheit verläuft oft still. Zwei, drei Jahrzehnte lang treten kaum Symptome auf. «Viele Menschen sind sich schlicht nicht bewusst, dass sie das Virus in sich tragen könnten», sagt Philip Bruggmann, Präsident der Expertengruppe für virale Hepatitis und Chefarzt an den Arud-Zentren für Suchtmedizin in Zürich zur Zeitung «Schweiz am Sonntag».

Das Netzwerk Schweizer Hepatitis-Strategie hat deshalb neu einen Online-Risikotest aufgeschaltet. Er richtet sich insbesondere an die Jahrgänge 1950 bis 1985. «Sie sind überdurchschnittlich häufig betroffen», sagt Bruggmann. Denn erst 1989 haben Forscher Hepatitis C entdeckt. Die Krankheit wird via Blut übertragen.

«Ansteckungsgefahr in der Schweiz nicht sehr gross»

Das Heimtückische: Die Viren überleben auch in minimalsten Blutresten ausserhalb des Körpers für Stunden, teilweise sogar für Tage. Also auf Scheren bei der Pedicure, Untersuchungsgeräten im Spital – sofern diese nicht ausreichend sterilisiert werden. Doch Bruggmann beruhigt: «Heute ist die Ansteckungsgefahr in der Schweiz nicht sehr gross.»

Problematisch sei allerdings, dass viele nicht wüssten, dass sie bereits infiziert seien. Schwere Lebererkrankungen würden daher in den nächsten Jahren stark zunehmen, «sofern wir nicht vermehrt testen und mehr Personen behandeln können». Das Ziel sei, das Virus in der Schweiz bis 2030 zu eliminieren. Heute sterben dreimal mehr Menschen an den Folgen von Hepatitis C als von HIV. (chk)

Erstellt: 14.08.2016, 10:32 Uhr

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