Die kuriosesten Schwangerschaftstests der Antike

Ovulierende Kröten, keimender Weizen: Den modernen Test gibt es erst seit den 70er-Jahren. Wie wusste frau zuvor Bescheid?

Diente noch im 20. Jahrhundert als mehr oder weniger verlässlicher Schwangerschaftstest: Eine Kröte verweilt im Teich. Foto: iStock

Diente noch im 20. Jahrhundert als mehr oder weniger verlässlicher Schwangerschaftstest: Eine Kröte verweilt im Teich. Foto: iStock

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Kürzlich veröffentlichten Forscher der Universität Kopenhagen die Erstübersetzung einiger altägyptischer Papyrusmanuskripte. Die 3500 Jahre alten Texte enthüllen unter anderem das frühe Wissen über die menschliche Niere und den ältesten bekannten Schwangerschaftstest. Die Frau müsse jeweils in einen Sack Gerste und einen Sack Weizen urinieren. Keime die Gerste zuerst, trage die Frau einen Jungen, wenn der Weizen zuerst keime, trage sie ein Mädchen; und wenn keine Samen keimen, sei sie nicht schwanger.

Versionen dieses nicht-invasiven Schwangerschaftstests breiteten sich vom alten Ägypten weiter aus, erscheinen später in griechischen und römischen Texten und ziehen sich durch das Mittelalter bis in die germanische Folklore des 17. Jahrhunderts.

Die Bestimmung einer Schwangerschaft und die Beeinflussung des Geschlechts von Babys haben eine faszinierende Geschichte. Bei den alten Griechen dachten manche, dass Mädchen vom linken Hoden und Buben vom rechten kämen. Das französische Buch «L’art de faire des garçons» aus dem Jahr 1760 empfahl Männern, ihren linken Hoden abzuschneiden, um einen Sohn zu bekommen. Der Eingriff hätte immerhin eine 50-prozentige Erfolgsrate!

Ein anderer Text schlug vor, dass, um einen Jungen zu empfangen, der Mann Rotwein mit getrocknetem Kaninchen-Uterus trinken solle, während der Dame Rotwein mit fein gehacktem Kaninchenhoden empfohlen wurde. Und wenn die Frau nicht schwanger werden wollte, riet Hippokrates, die Betroffene solle wiederholt in die Luft springen und dabei mit den Fersen gegen den Hintern schlagen, bis der Samen herausfalle.

Unglücklicherweise wurde das Kaninchen seziert, um die Ergebnisse des Tests zu bestimmen.

Die Kaninchen mussten zu Beginn des 20. Jahrhunderts erneut dran glauben, als der erste zuverlässige Schwangerschaftstest entwickelt wurde. 1925 entwickelten die deutschen Ärzte Selmar Aschheim und Bernhard Zondek den «Kaninchentest». Der Urin einer Frau wurde in das arme Kaninchen injiziert. Wenn die Frau schwanger war, wurde das Kaninchen brünstig und ovulierte. Dies war auf das menschliche Hormon Choriongonadotropin (hCG) zurückzuführen, das von der Plazenta schwangerer Frauen freigesetzt wird. Der Kaninchentest war zu 98,5 Prozent zuverlässig.

Unglücklicherweise wurde das Kaninchen seziert, um die Ergebnisse des Tests zu bestimmen. Später fand man heraus, dass der Test auch bei Fröschen und Kröten funktioniert. Sobald sie den Urin einer schwangeren Frau injiziert bekamen, produzierten sie innerhalb eines Tages Eier. Die bedauernswerten Kreaturen konnten sogar mehrmals benutzt werden.

Erst in den 1970er-Jahren wurde ein zivilisierter und unkomplizierter Schwangerschaftstest entwickelt.

1941 entdeckte der Gynäkologe Erle Henriksen im alten Weizentest ein Körnchen Wahrheit. Er überredete eine Menge Frauen, auf Weizensamen zu pinkeln, und stellte fest, dass der Weizen bei einer Schwangerschaft tatsächlich in 75 Prozent der Fälle keimte; und dass er in 85 Prozent der Fälle nicht keimte, wenn die Frau nicht schwanger war.

Die höhere Keimrate kann auf das verstärkte Vorhandensein von Östrogen und Progesteron während der Schwangerschaft zurückzuführen sein. Erst in den 1970er-Jahren wurde ein zivilisierter und unkomplizierter Schwangerschaftstest entwickelt, bei dem die während der Schwangerschaft freigesetzten Hormone im Labor bestimmt werden können. Ein Hoch auf die moderne Medizin!

Ben Moore ist Professor für Astrophysik an der Universität Zürich.

Erstellt: 23.10.2018, 13:46 Uhr

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