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EHEC-Erreger: Offenbar schon drei Tote

Die Welle von schweren Darminfektionen in Norddeutschland hat zwei Todesopfer gefordert. Bei einem dritten Opfer besteht Infektionsverdacht. Auch in der Schweiz gab es dieses Jahr schon EHEC-Fälle.

Verunsichert Deutschland: Das EHEC-Bakterium unter dem Mikroskop.
Verunsichert Deutschland: Das EHEC-Bakterium unter dem Mikroskop.
HZI/ Manfred Rohde

Nach dem Ausbruch des EHEC-Erregers sind in Deutschland die ersten mit dem gefährlichen Darmkeim infizierten Menschen gestorben: Heute wurden zwei Todesfälle bekannt. Bei einem dritten Opfer bestand Infektionsverdacht. Allerdings war unklar, ob die Darminfektion tatsächlich die Todesursache bei den drei Frauen war.

Eine 83 Jahre alte Frau aus Niedersachsen und eine 24-Jährige kamen in Bremen ums Leben. Die Rentnerin war eindeutig mit dem Keim infiziert. Sie litt seit Mitte Mai unter blutigem Durchfall und starb bereits am Samstag. Bei der jungen Frau, die in der Nacht zum Dienstag starb, wurden die typischen Symptome einer EHEC-Infektion festgestellt. Das Laborergebnis stand hier noch aus. Eine weitere infizierte Frau starb am Sonntag im schleswig-holsteinischen Landkreis Stormarn. Die Frau war über 80 Jahre alt und befand sich wegen einer Operation im Krankenhaus.

Weitere Verdachtsfälle

Inzwischen breitet sich der Keim weiter aus: Bis heute waren deutschlandweit mindestens 350 Erkrankungen oder Verdachtsfälle bekannt. Bei mehreren Patienten war der Zustand kritisch.

Allein in Schleswig-Holstein verdoppelte sich die Zahl der Verdachtsfälle innerhalb von einem Tag von 90 auf 200. Weitere Schwerpunktgebiete waren Niedersachsen, Hamburg, Hessen und Mecklenburg-Vorpommern.

Der EHEC-Erreger kann zu schwerem Durchfall und bei Komplikationen zu akutem Nierenversagen sowie Blutarmut führen. Der Keim ist seit der zweiten Maiwoche im Umlauf. Im Jahresdurchschnitt infizieren sich etwa 1.000 Menschen mit dem Erreger. Die derzeitige Infektionsrate ist laut Experten aber ungewöhnlich hoch.

Ursache weiter unklar

Experten und Behörden suchten fieberhaft nach der Ursache. Vermutet wurde zunächst ungewaschenes Gemüse oder Salat, die möglicherweise auch mit Gülle gedüngt worden sind. Nach Darstellung des Robert-Koch-Instituts (RKI) ist die Ursache für die erhöhten Infektionszahlen noch vollkommen unklar. Eine RKI-Sprecherin warnte vor voreiligen Schlüssen. Es gebe derzeit keine Hinweise dafür, dass sich die Erkrankten durch den Verzehr von mit Gülle gedüngtem Gemüse infiziert hätten, sagte sie der Nachrichtenagentur dapd. Es kämen auch andere Übertragungswege infrage, wie etwa verunreinigtes Wasser.

Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) telefonierte mit dem Leiter des Robert-Koch-Instituts (RKI), Reinhard Burger, um sich einen Eindruck zu verschaffen. Das RKI sei mit einem Erkundungsteam in Hamburg, um die Quelle der Infektion zu ermitteln, sagte ein Ministeriumssprecher. Die betroffenen Bundesländer seien für den Gesundheitsschutz der Bevölkerung verantwortlich.

Situation in der Schweiz nicht alarmierend

EHEC gibt es wahrscheinlich weltweit. In der Schweiz werden dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) jährlich etwa 50–70 Nachweise von der Krankheit gemeldet.

Dieses Jahr sind es laut BAG-Statistik bislang 34 Fälle. Laut dem Bundesamt verlaufen etwa 10 bis 20 Prozent der Fälle schwer mit Symptomen wie blutigem Durchfall und Fieber.

(dapd)

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