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Ehec-Sprossen in Mülltonne gefunden

Laut dem Robert-Koch-Institut sind die Ehec-Infektionen definitiv auf Sprossen zurückzuführen. Die Warnung vor dem Konsum von Tomaten, Gurken und Blattsalat ist aufgehoben.

Der Bockshornkleesamen solls gewesen sein: Ein ägyptischer Gewürzhändler zeigt den Urheber der Ehec-Seuche. (Archivbild)
Der Bockshornkleesamen solls gewesen sein: Ein ägyptischer Gewürzhändler zeigt den Urheber der Ehec-Seuche. (Archivbild)
AFP
Der Hinweis auf den Ehec-Erreger ist erbracht: Eine Packung Sprossen. (10. Juni 2011)
Der Hinweis auf den Ehec-Erreger ist erbracht: Eine Packung Sprossen. (10. Juni 2011)
Reuters
Sanitäter bringen einen Patienten mit Ehec-Symptomen in die Uniklinik Eppendorf D. (24. Mai 2011)
Sanitäter bringen einen Patienten mit Ehec-Symptomen in die Uniklinik Eppendorf D. (24. Mai 2011)
Reuters
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Gefährliche Ehec-Bakterien sind in einer Packung Sprossen in Nordrhein-Westfalen nachgewiesen worden. Das teilte Nordrhein Westfalens Verbraucherschutzminister Johannes Remmel (Grüne) in Düsseldorf mit.

Es handelt sich um den aggressiven Serotyp O104. Allerdings war die Packung geöffnet und befand sich bereits in der Mülltonne eines Haushalts im Rhein-Sieg-Kreis. Zwei der drei in diesem Haushalt lebenden Familienmitglieder haben Sprossen verzehrt und sind Mitte Mai an den Ehec-Bakterien erkrankt.

Die Sprossen stammen laut Ministerium nach den bisherigen Erkenntnissen aus dem Betrieb im niedersächsischen Bienenbüttel. Damit ist erstmalig eine ununterbrochene Kette mit dem Erreger O104 infizierter Sprossen aus dem Betrieb in Bienenbüttel und erkrankten Personen hergestellt.

Die deutschen Gesundheitsbehörden gehen davon aus, dass Sprossen die Ursache für die Ehec-Erkrankungen sind. Die Warnung vor dem Verzehr der Sprossen als ein möglicher Auslöser der Ehec-Durchfallerkrankungen bleibe demnach bestehen.

Noch kein Nachweis

Bohnen-Sprossen seien definitiv als Ursache für die Ehec-Erkrankungen festgestellt worden, teilte zuvor das Robert-Koch-Institut (RKI), das Bundesamt für Verbraucherschutz und das Bundesamt für Risikobewertung in Berlin mit.

Ein Nachweis des Darmkeims auf Sprossen sei zwar nicht gelungen. Es sei durch Überprüfung der Lieferwege aber möglich gewesen, die Sprossen als Quelle einzugrenzen. Die Behörden begründen ihre Erkenntnis demnach mit Untersuchungen etwa in Restaurants, in denen Ehec-Erkrankte Sprossen gegessen hatten. Die Spuren führten zu einem Sprossen-Erzeuger in Niedersachsen.

Die Warnung vor dem Verzehr von Tomaten, Gurken und Blattsalaten wurde derweil aufgehoben.

Epidemie abgeschwächt

Die Rückverfolgung von Warenströmen habe in vielen Krankheitsfällen zu dem gesperrten Gartenbaubetrieb im Landkreis Uelzen geführt. Die Experten nähmen mittlerweile an, dass der Hof die wahrscheinlichste Quelle der Bakterien-Verbreitung sei.

Das Robert Koch-Institut und das Bundesinstitut für Risikobewertung hatten die Verzehrhinweise für rohe Gurken, Tomaten und Salat am 25. Mai ausgesprochen. Grundlage dafür waren Erkenntnisse aus Patientenbefragungen.

Die Ehec-Epidemie in Deutschland hat sich inzwischen abgeschwächt. Auch wenn Mediziner weiter keine Entwarnung geben, nahm die Zahl der Neuerkrankungen in besonders betroffenen Ländern wie Niedersachsen und Hamburg ab. Die Zahl der Ehec-Toten ist heute auf 32 gestiegen. Hamburg meldete einen fünften Todesfall im Zusammenhang mit dem gefährlichen Darmkeim. Ein 81-jähriger Mann sei am heute Nachmittag im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) an Multiorganversagen gestorben, teilte eine UKE-Sprecherin in der Hansestadt mit. Der Patient sei mit dem Ehec-Erreger infiziert gewesen.

Zuvor hatte Niedersachsen einen elften Todesfall im Zusammenhang mit Ehec mitgeteilt. Eine 75-jährige Frau aus dem Landkreis Göttingen sei bereits am 3. Juni gestorben, sagte der Sprecher des Gesundheitsministeriums, Thomas Spieker, in Hannover. Erst jetzt sei Ehec labortechnisch nachgewiesen worden. In Hamburg liegt nach Angaben der Gesundheitsbehörde noch ein weiterer Ehec-Verdachtsfall bei einem Toten vor.

Kein terroristischer Hintergrund

Derweil schliesst das Bundeskriminalamt (BKA) einen terroristischen Hintergrund für die Ehec-Erkrankungswelle aus. BKA-Präsident Jörg Ziercke sagte vor dem Hintergrund der gefährlichen Darmkeim-Infektionen dem Nachrichtenmagazin «Focus», es gebe «keinerlei Anzeichen, die auf einen terroristischen Hintergrund hindeuten». Anderslautende Mutmassungen seien unzutreffend: «Das sind Verschwörungstheorien.»

Der BKA-Präsident sieht derzeit keine Gefahr von Terrorangriffen mit Bakterien, Viren oder Gift. «Wir haben keinerlei Hinweise darauf, dass derartige Szenarien im Moment in Deutschland realisiert werden könnten», sagte Ziercke. Grundsätzlich sei jedoch der Bioterrorismus ein Thema, dem sich die Sicherheitsbehörden intensiv widmeten. «Es gab in der Vergangenheit immer wieder Anhaltspunkte dafür, dass sich Terrororganisationen vereinzelt mit der Beschaffung biologischer Stoffe beschäftigt haben, letztendlich aber ohne Erfolg», sagte der BKA-Chef.

Übertragung durch Menschen

Bei der Suche nach der Quelle des gefährlichen Ehec-Erregers gehen Behörden offenbar erstmals davon aus, dass der Keim möglicherweise auch von Menschen übertragen wurde.

Einem Bericht der «Hannoverschen Allgemeinen Zeitung» zufolge könnte eine mit Ehec infizierte Angehörige einer Cateringfirma dafür verantwortlich sein, dass Ende Mai mindestens acht Gäste einer Festgesellschaft in Göttingen an Ehec erkrankten. Die Zeitung beruft sich auf entsprechende Erkenntnisse von hessischen Behörden.

Keinen Salat gegessen

«Wir haben Hinweise darauf, dass es sich in diesem Fall um eine Infektion vom Menschen handeln könnte», zitiert die Zeitung eine Sprecherin des hessischen Gesundheitsministeriums. Demnach hatte sich eine enge Verwandte des Cateringbetreibers aus dem Kreis Kassel, der die Geburtstagsfeier in Göttingen mit Essen beliefert hatte, zuvor in einer Kantine in Frankfurt mit dem Darmerreger infiziert. Die Behörden prüfen nun, ob die Frau den Erreger auf das gelieferte Essen übertragen haben könnte. Mindestens einer der erkrankten Gäste habe angegeben, weder Salat noch Gemüse oder Sprossen gegessen zu haben, berichtet die Zeitung.

In der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass die Kantine in Frankfurt, die als eine der Ausbruchsschwerpunkte der Epidemie gilt, von dem mittlerweile wegen Ehec-Verdachts gesperrten Sprossenproduzenten aus dem niedersächsischen Landkreis Uelzen beliefert worden war.

dapd/kpn

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