Ein Viertel der Europäer findet Sex ohne Einverständnis okay

Die EU hat zum Tag gegen Gewalt an Frauen eine Umfrage zu geschlechtsspezifischer Gewalt veröffentlicht. Zwölf Prozent finden Sex ohne Einwilligung in Ordnung, wenn Drogen im Spiel sind.

In den rot markierten Ländern findet die Bevölkerung, dass häusliche Gewalt gegen Frauen verbreiteter sei als vor 6 Jahren. In blau markierten Ländern hat sich die Situation in den Augen der Bevölkerung hingegen verbessert. (25. November 2016) Bild: Bericht Special Eurobarometer 449

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Die Europäische Kommission führt mit den Eurobarometer-Umfragen regelmässig umfassende Befragungen der Bürger der EU-Mitgliedsstaaten durch. Zum «Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen» veröffentlichte die Kommission eine neue repräsentative Umfrage zu geschlechtsspezifischer Gewalt auf der Basis von knapp 28'000 Interviews in ganz Europa.

Besonders die Frage «QB10» hat es in sich: «Es gibt Personen, die finden, dass Geschlechtsverkehr ohne Einwilligung unter bestimmten Umständen gerechtfertigt ist. Glauben Sie, dass dies auf folgende Situationen zutrifft?» Die Resultate zeigen: 27 Prozent der Europäer finden Sex ohne Einwilligung des Partners in mindestens einer der geschilderten Situationen okay.

Alkohol und Drogen als Hauptausrede

In welchen Situationen soll also Sex ohne Einwilligung in Ordnung sein? Wenn Alkohol oder Drogen im Spiel sind, sagen zwölf Prozent. Wenn jemand freiwillig mit nach Hause geht, finden elf Prozent.

Je zehn Prozent sagen, Sex ohne Einwilligung sei in Ordnung wenn jemand nicht klar Nein sagt und sich nicht physisch wehrt, oder wenn jemand reizvolle Kleidung trägt. Insgesamt finden 68 Prozent, dass Sex ohne Einverständnis unter keinen Umständen gerechtfertigt ist.

Grosse regionale Unterschiede

Der Unterschied zwischen den Antworten der Frauen und der Männer ist überraschend klein. Während 69 Prozent der Frauen sagen, beim Sex brauche es immer das Einverständnis des Gegenübers, so sind es bei den Männern 65 Prozent.

Die weitaus grösseren Unterschiede sind regional, wie folgende Karte zeigt. Spitzenreiter sind Schweden und Spanien, wo unter zehn Prozent der Bevölkerung finden, Sex ohne Einverständnis sei in gewissen Situationen rechtfertigbar. Dunkelrotes Schlusslicht ist Rumänien, wo mehr als die Hälfte der Bevölkerung die Frage bejaht.

Anteil der Befragten, die Sex ohne Einwilligung unter bestimmten Umständen gerechtfertigt finden. (25. November 2016) Bild: Eurobarometer

Bei häuslicher Gewalt gegen Frauen sind die regionalen Unterschiede viel kleiner. In der ganzen EU sagen über 90 Prozent der Bevölkerung, häusliche Gewalt gegen Frauen sei «komplett inakzeptabel» – Schlusslicht ist Polen mit 91 Prozent.

Trotz der hohen Ablehnung glauben aber grosse Teile der Bevölkerung, häusliche Gewalt gegen Frauen sei «sehr verbreitet» oder «ziemlich verbreitet». In Portugal teilen satte 93 Prozent der Bevölkerung diese Meinung. Das Feld spannt bis Bulgarien, wo das genau die Hälfte der Bevölkerung so einschätzt.

«Wie verbreitet, glauben Sie, ist häusliche Gewalt gegen Frauen in ihrem Land?»: Eine Visualisierung der Ergebnisse verschiedener Länder. (25. November 2016) Bild: Eurobarometer

Die subjektive Wahrnehmung der häuslichen Gewalt hat sich in den letzten sechs Jahren in einigen Ländern stark verändert. So ist der Anteil der portugiesischen Bevölkerung, der glaubt, dass häusliche Gewalt verbreitet sei, in den letzten Jahren stark gestiegen, während er in der Slovakei stark abgenommen hat (siehe Grafik ganz oben). Ob diese Unterschiede aber durch eine tatsächliche Veränderung oder eine veränderte Sensibilisierung für das Thema entstanden, ist unklar.

Eine Mehrheit der Befragten, die ein Opfer häuslicher Gewalt kennen, geben an, sie hätten das Problem zwar angesprochen, aber nur selten mit Behörden besprochen.

Der Bericht ist auf der Webseite der EU-Kommission auf Englisch frei verfügbar.

(mch)

Erstellt: 26.11.2016, 02:37 Uhr

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